Funke-Gruppe :
Berliner Mopo gründet Vermarktungstochter

 Funkes Berlin-Vermarkter Media-Checkpoint Berlin will ab Januar 2018 auch externe Mandanten an Land ziehen.

Text: Judith Pfannenmüller

Fakten schaffen: Nach den gescheiterten Gesprächen mit der DuMont-Mediengruppe über eine redaktionelle Kooperation stellt Funke nun die Vermarktung der Berliner Morgenpost neu auf. Die neue Mopo-Vermarktungstochter Media-Checkpoint Berlin soll als 100-prozentige Tochterfirma der Berliner Morgenpost "voraussichtlich im Januar 2018 die Arbeit aufnehmen", teilt Funke mit. Der Verlag hofft, im extrem schwierigen Berliner Zeitungsmarkt in Zukunft externe Mandanten für den Vermarkter gewinnen zu können. Jan Schiller und Robert Burghardt, bislang schon Vermarktungschefs der Berliner Morgenpost, leiten den neuen Vermarkter und nehmen ein rund 50-köpfiges Verkaufsteam mit.

Der Berliner Medien- und Werbemarkt ist seit langem eines der härtesten Pflaster. Jahrelang haben sich Tagesspiegel (Dieter von Holtzbrinck Medien), Berliner Zeitung (DuMont Gruppe) und Berliner Morgenpost einen erbitterten Wettbewerb geliefert.  Ove Saffe, Geschäftsführer der Berliner Morgenpost wirbt nun für mehr Kooperation: "Wir sind davon überzeugt, dass ein weiteres nachhaltiges Wachstum in der Vermarktung nur mit einem breit gefächertem Portfolio funktioniert und möchten uns deshalb auch als Anbieter für externe Auftraggeber öffnen". Ziel sei es, ein starker integrierter regionaler Vermarkter, nicht nur für Tageszeitungen und Online-Angebote, sondern auch für Radio und Lokal-TV zu werden. Gespräche mit potenziellen Mandanten auch aus dem Radiobereich seien schon im Gange.

Die Berliner Verlage sind seit langem immer wieder in Gesprächen, um mögliche Kooperationen zu sondieren, haben aber bislang nie eine Lösung finden können. Verlagsegoismen standen dem ebenso im Weg wie das Kartellrecht. Die neunte GWB-Novelle, die seit Juni in Kraft ist, erleichtert Verlagen nun Kooperationen auf Verlagsebene.

Werden sie nun zustande kommen? "Der Wettbewerbsdruck ist inzwischen so groß, dass die Verlage ihre Eitelkeiten ablegen und mehr Pragmatismus einkehrt", sagt Saffe. Mit DuMont spreche man schon über eine gemeinsame Vermarktung. Auch der Tagesspiegel sei "grundsätzlich offen" für Gespräche. Das muss allerdings noch nicht allzu viel heißen. Denn das Holtzbrinck-Blatt sieht sich in seiner 360-Grad-Vermarktung mit dem digitalen Vermarkter Urban Media gut aufgestellt, Auflagen und Anzeigenerlöse steigen.

In der Zustellung haben die drei Berliner Verlage und der Logistikdienstleister Fiege im Januar zusammengefunden und fahnden dort nach Zusatzgeschäft.

Funke hat mit dem Mediahafen Hamburg im November 2016 und Funke Media Sales NRW im Oktober 2017 bereits zwei integrierte regionale Vermarkter geschaffen.

Wie sich die Vermarktung der 5 großen Verlagshäuser für die Zukunft aufstellt, ist zentrales Thema beim GIK-Branchenevent Best4 am 9. November in Frankfurt. 


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.