BAI :
Bertelsmann verdient gut in China

In China entsteht gerade die größte Mittelschicht der Welt - und Bertelsmann mischt mit dem Investmentfonds Bertelsmann Asia Investments bereits mit.

Text: Petra Schwegler

Bei Bertelsmann rollt der Yen: Die ersten Tochter-Unternehmen hat Bertelsmann in China 1992 gegründet. Inzwischen sind vier Unternehmensbereiche des Konzerns dort aktiv. So hat Fremantle Media (RTL Group) internationale TV-Shows wie "Got Talent" oder "X-Factor" nach China gebracht. Die jüngst fusionierte Buchverlagsgruppe Penguin Random House vertreibt in China internationale Titel - gedruckt oder als E-Book. Gruner + Jahr gibt mit dem Partner Boda Eltern-, Frauen-, Männer- und Lifestyle-Magazine heraus. Arvato, der größte Bertelsmann-Bereich in China, verfügt über ein landesweites Logistiknetzwerk und ist Partner internationaler wie chinesischer Großkonzerne. Jetzt melden die Gütersloher, die Bertelsmann-Investments seien in China erfolgreich. Gemeint sind aber nicht die klassischen Kernbereiche des Konzerns: Bertelsmann macht großen Reibach mit dem Verkauf von lukrativen Online-Beteiligungen über einen konzerneigenen Investmentfonds, der 2008 im Reich der Mitte aufgesetzt wurde.

Der Investmentfonds Bertelsmann Asia Investments (BAI) habe seine Finanzbeteiligung an der chinesischen Online-Plattform BitAuto verkauft und dabei einen Gesamterlös von 65 Millionen US-Dollar erzielt, heißt es. Darüber hinaus trennte sich BAI jüngst für weitere sechs Millionen US-Dollar von seinen Anteilen am Start-up Yoho, einer Plattform für Jugend-Lifestyle. "Beim Verkauf aller sechs Beteiligungen, in die der Fonds in seiner Frühphase investiert hat, würde Bertelsmann insgesamt rund 175 Millionen US-Dollar erlösen. Bei einem Investitionsvolumen von 55 Millionen US-Dollar bis 2010 entspräche dies einer Verdreifachung des eingesetzten Kapitals", rechnen die Gütersloher vor. Aktuell hält BAI nach Bertelsmann-Angaben Anteile an rund 25 Unternehmen und anderen Fonds in China, die zusammen genommen "knapp eine Milliarde US-Dollar Umsatz machen und Monat für Monat mit ihren Produkten 400 Millionen Menschen erreichen". Kein Wunder, dass Bertelsmann erklärt, die regionale Expansion zähle zu den "strategischen Prioritäten des Konzerns" und das Land sei eine "erklärte Wachstumsregion für Bertelsmann".

In der Mitteilung wird Annabelle Yu Long zitiert, Leiterin des Bertelsmann China Corporate Center und von BAI sowie Mitglied im Group Management Committee des Konzerns. Demnach hat ihr Team im vergangenen Jahr erstmals die Früchte seiner Arbeit ernten können. Darüber hinaus sei Bertelsmann dank des Fonds "hervorragend in der chinesischen Start-up-Szene verankert". Von den gewonnenen Erkenntnissen profitierten alle Bertelsmann-Unternehmen in China, so die Managerin. Bertelsmann habe mit seinen Medieninhalten und Services "enorme Chancen auf dem chinesischen Markt". In China entstehe gerade die größte Mittelschicht der Welt – "und diese Mittelschicht will genau dieselben Fernsehshows sehen, dieselben Bücher lesen und dieselbe Musik hören wie ihre Pendants im Rest der Welt. Bertelsmann hat diese Shows, diese Bücher und diese Songs", so Long. Sie hofft nun auf noch mehr Reibach, zumal die neue Regierung "eine weitere Öffnung und Deregulierung des chinesischen Marktes angekündigt" habe, von der sich Bertelsmann viel verspricht.

Der Konzern hat mit mehr als 100.000 Mitarbeitern in rund 50 Ländern im Jahr 2012 gut 16 Milliarden Euro umgesetzt. Die Zahlen für 2013 folgen in einigen Wochen. Die Zeichen stehen klar auf weiteres Wachstum: Bereits nach dem dritten Quartal des vergangenen Jahres hat Bertelsmann mehr verdient als im Gesamtjahr 2012.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.