Anti-Türkei-Special :
"Bild" legt sich mit Erdogan an

"Bild" kritisiert den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Print und Internet sehr offen für seine "antidemokratische" Politik.  

Text: Petra Schwegler

"Bild" bringt in Print und Netz ein Anti-Erdogan-Special.
"Bild" bringt in Print und Netz ein Anti-Erdogan-Special.

"Bild" sagt Erdogan die Wahrheit ins Gesicht: Mit diesem Titelthema liegt der Springer-Titel am Mittwoch am Kiosk und spricht mit dem türkischen Präsidenten Klartext. Recep Tayyip Erdogan sei kein Demokrat, er schade seinem Land, er sei hier unerwünscht, formuliert das Team um "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch.

Weiter geht es mit einem Porträt des "kleinen Mannes vom Bosporus" sowie seines Familienclans und einem Kommentar von Koch. Unter der Headline "Erdogans Krise ist nicht unsere" analysiert die Chefredakteurin unter anderem Erdogans Attacken gegen den Springer-Reporter Deniz Yücel, aber auch das türkische Vorgehen gegen europäische Partner im Zusammenhang mit den verhinderten Wahlkampfreisen der osmanischen Spitzenpolitiker. 

"Bild" und Erdogan streiten schon länger

Das Springer-Team rundet die Aktion durch weitergehende Berichte im Netz ab, Tanit Koch stellt sich zudem am Nachmittag via Facebook der Diskussion mit Lesern. Dass sich "Bild" offen und kritisch mit der Regierung Erdogan anlegt, verwundert wenig. Das Haus Springer hat beispielsweise aufs Schärfste gegen die Inhaftierung des "Welt"-Korrespondenten Yücel protestiert.

Auch hat Erdogans Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci im Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsvertreter in Deutschland "Bild" Anfang März bereits rechtliche Schritte angekündigt. Er kritisierte einen "empörenden Angriff, den wir auf keinen Fall akzeptieren können". Zuvor hatte ihn Bild.de als "treuesten Kettenhund" von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet. Zeybekci sprach von "niveaulosen Beleidigungen", die gegen die ganze Türkei gerichtet seien.

Auch "Bild" berichtet über Hacker-Attacke durch Erdogan-Fans

Bild.de hat zudem gerade am Mittwoch besonders viel über Hassattacken der Türkei gegenüber demokratischen Staaten zu berichten: Die Twitter-Accounts des Schwesterblatts "Welt" oder auch von ProSieben, Amnesty International, Borussia Dortmund und Klaas Heufer-Umlauf sind am Mittwochmorgen gehackt worden.

Zahlreiche offizielle Accounts mit hohen Followerzahlen verbreiteten danach Tweets in türkischer Sprache mit einem Hakenkreuz, Anfeindungen gegen Deutschland und die Niederlande - #Nazialmanya und #Nazihollanda. Auf Türkisch war dabei jeweils der Hinweis auf die Abstimmung über das Präsidialsystem in der Türkei am 16. April nebst einem Link zu einem Propaganda-Video auf Youtube zu finden. 

Screenshot Twitter

Screenshot Twitter

Die Macher der App Twitter Counter haben inzwischen über das soziale Netzwerk bekannt gegeben, dass deren Angebot offenbar gehackt wurde und Absender der Hass-Tweets gewesen sein dürfte. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.