Da trifft es auf reges Interesse, die Twitter- und Facebook-Gemeinde und ja, die meisten anscheinend keine Reichelt-Fans, verbreiten es seit heute Morgen eifrig. So dürfte sich die Website ab dem heutigen 15. November, an dem die Schüler ihr Reichelt-Interview samt Kommentar dazu online veröffentlichten, über enorme Klickzahlen freuen, die weit über die Reichweite der GO-Schüler und -Förderer hinausgehen dürften. Klickzahlen - gibt es aber keine, die Schüler haben ihr Meisterstück in der Gratisversion des Webseite-Baukastens Jimdo publiziert.

Die Schüler des Gymnasiums Othamrschen interviewten Julian Reichelt.

Die Schüler des Gymnasiums Othamrschen interviewten Julian Reichelt.

Wir erfahren, dass Reichelt Kette raucht, dass er keinen Schreibtisch hat, dass er schon mit 13 Bild-Chefredakteur werden wollte, dass er den Schülern seine Playstation anbietet, als er kurz raus muss - und dass er keine Zeitungen liest (das Bild links zeigt den Interviewausschnitt dazu). 

Dafür spiele Bild in einer Liga mit New York Times und Washington Post. Den "qualitativ hochwertigen Journalismus", der Geld koste (und damit meint er durchaus den in Bild), verteidigt Reichelt als "wertvoll" in einer Welt, in der via Social Media "jeder behaupten kann, was er möchte, in der sich Falschmeldungen besser verbreiten als korrekte Meldungen, in der man es inzwischen mit einem hasserfüllten Diskussionsumfeld zu tun hat, was ich sehr abschreckend finde".

Als ihn das GO-Team daraufhin fragt, ob Bild Stimmung macht, verneint der Chefredakteur das. Und als es um Schlagzeilen wie "Machen Sie Abschiebung zur Chefsache, Frau Merkel!" oder "Islam-Rabatt" geht und die Schülerzeitungsreporter konkret werden: "Warum machen Sie auf diese Weise Stimmung gegen Flüchtlinge oder Muslime?"  antwortet Reichelt mit einer unschuldigen Gegenfrage: "Wo machen wir denn Stimmung gegen Muslime oder Flüchtlinge?" Später sagt er dazu, er glaube nicht, dass eine Schlagzeile Stimmung mache. "Aber ich glaube, alle diese Schlagzeilen haben eine tiefe innere Wahrheit und Berechtigung."

Die hat er im Interview mit Aschenbrenner, Bachmann und Brakel schon ein bisschen weiter vorn erläutert. "Ich glaube", sagt er da, "die Stärke von Bild ist, dass die Menschen, die Bild lesen, sagen: 'So isses. Schön, dass ich mich da wiederfinde.' Und, dass Menschen, die sich gegenüber der Politik oft machtlos oder ohne Stimme fühlen, das Gefühl haben, sie haben eine Stimme."

Zusätzlicher Klicktipp: Aschenbrenner hat sich in einem Kommentar/einer Analyse zum Interview mit der "Inneren Wahrheit des Julian Reichelt" befasst. Und zwar genau mit der "gefühlten Wahrheit", die Bild-Schlagzeilen transportieren. Johann Aschenbrenner liefert Fakten, Einordnung und stellt die Tatsachen in Bezug zur Schlagzeile des "Islam-Rabatt". Aschenbrenner: "Was also bleibt von Julian Reichelts 'innerer Wahrheit'? Nicht mehr als ein Gefühl, das aber leider gar nicht wahr ist."

Das Fazit des Jungredakteurs:

Johann Aschenbrenner analysiert die Wahrheiten in "Bild".

Johann Aschenbrenner analysiert die Wahrheiten in "Bild".

 

Das ganze Interview lesen Sie hier.

*)  Johann Aschenbrenner will Journalist werden und hat am Gymnasium Othmarschen im Sommer Abitur gemacht (und in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung Bilanz gezogen); Arvid Bachmann hat fotografiert; Emma Brakel gehört nicht nur der Schülerzeitung des GO an, sondern auch der Schülervertretung.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.