Center TV Ruhr geht Konkurs

Aus für den Bochumer Regionalsender Center TV Ruhr. In der Krisenregion habe der Kanal keine wirtschaftliche Perspektive mehr gehabt, sagt sein Gründer André Zalbertus.

Text: Thomas Nötting

27. Mar. 2012

Der Bochumer Regionalsender Center TV Ruhr ist insolvent. Gründer André Zalbertus begründet den Schritt mit der schwierigen Situation in der wirtschaftlich gebeutelten Region.

"Ich habe die wirtschaftliche Dramatik und den Niedergang des Ruhrgebiets unterschätzt“, erklärt der Düsseldorfer Medienunternehmer. Hinzu seien "fehlende Unterstützung und mangelndes Interesse von Werbetreibenden und Politik“ gekommen. "Wenn sich aktuell die Oberbürgermeister der Revierstädte für eine verstärkte Förderung des Ruhrgebiets gegenüber dem Osten ausgesprochen haben, weil die Not hier viel größer sei, kennzeichnet das genau die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen auch wir zu kämpfen hatten. Ich habe mehrere Millionen Euro investiert, irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen", so Zalbertus über das Scheitern seines NRW-TV-Projekts.

Der 2008 gestartete Ruhr-Sender war der letzte Kanal der von ihm gegründeten Regionalsenderkette, der Zalbertus noch selbst gehörte. Seine Anteile an den Schwesterkanälen in Köln, Düsseldorf, Aachen und Bremen/Bremerhaven hatte der Unternehmer bereits an die dort ansässigen Zeitungsverlage verkauft. In dem Fehlen eines starken Verlagspartners sieht der 51-Jährige einen weiteren Grund für das Scheitern. Die Sender in Köln und Düsseldorf würden "sehr gut laufen“, betont der einstige RTL-Journalist. Dies habe mit der "guten Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Verlegern“ zu tun. Im Ruhrgebiet dagegen sei "eine derartige Zusammenarbeit nie zustande gekommen. Vor vier Jahren scheiterten Gespräche mit der WAZ-Mediengruppe. Der Platzhirsch entschied sich stattdessen, mit dem landesweiten Sender NRW-TV Zalbertus Konkurrenz zu machen.

Zalbertus hatte zuletzt mit für ihn typischen unkonventionellen Methoden versucht, die finanzielle Zukunft des Senders zu sichern. So wollte er im August 2011 den Kanal zu einer Genossenschaft umformen – nicht zuletzt wohl auch, um frisches Geld für sein Projekt einzusammeln. Das Vorhaben scheiterte jedoch. Auch mit einem potenziellen Investor habe er gesprochen. Dieser habe jedoch "in letzter Sekunde abgesagt, weil ihm ein Engagement im Ruhrgebiet zu riskant erschien“. So sei ihm "kaufmännisch gesehen keine andere Möglichkeit“ geblieben, "als einen Schlussstrich zu ziehen“. Zalbertus kündigt an, sich nach einer Auszeit neuen Online- und Social-Media-Projekten widmen zu wollen.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.



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