Sky sichert sich die Rechte :
Champions League nicht mehr im Free-TV

Von 2018 bis 2021 müssen Fußballfans, die Champions League schauen wollen, bezahlen. Die Rechte hält Sky, Streaming-Partner ist Dazn.

Text: W&V Redaktion

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Hat ab 2018 allein die deutschen Medienrechte an der Champions League: Sky.
Hat ab 2018 allein die deutschen Medienrechte an der Champions League: Sky.

Es zeichnete sich bereits ab: Das ZDF verliert die Champions League-Rechte. Von 2018 an wird der europäische Klubwettbewerb nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein. Sky erwarb bei der Uefa die Medienrechte; das Paket gilt nach Angaben des Unternehmens für alle Verbreitungswege bis zum Jahr 2021. Nur in einem Fall gäbe es ein Champions-League-Spiel ohne zusätzliche Bezahlung - wenn ein deutscher Verein im Endspiel steht. Im Rundfunk-Staatsvertrag ist unter anderem festgelegt, dass das Finale in so einem Fall nicht ausschließlich im Pay-TV gezeigt werden darf. 

Für Sky wäre das mit seinem frei zugänglichen News-Kanal kein Problem, diese rechtliche Vorgabe umzusetzen. Diese Ausnahme gilt auch, wenn im Endspiel der Europa League ein deutscher Club beteiligt sein sollte.

Wer kein Sky-Abo oder Sky-VoD-Paket abschließen möchte, kann bei Dazn die Spiele online sehen. Sky arbeitet mit dem Streaminganbieter zusammen, der bekommt die Sub-Lizenzen für das Internet. Über den Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Für Sky ist der Kauf der Rechte ein Coup. Der Pay-TV-Sender bekommt endlich mehr Exklusivität und hat mit dem Deal einen neuen Konkurrenten eingebunden. Da das Sport-Streamingportal Dazn nur Sublizenz-Nehmer ist, dürfte Rechtegeber Sky entscheiden, welche Spiele er exklusiv zeigt.

Noch nie waren alle Spiele lediglich per Pay-TV oder Streaming verfügbar; stets hatte ein Free-TV-Sender die Rechte an zumindest einzelnen Begegnungen erworben. Darunter RTL (1992 bis 1999 und 2000 bis 2003), TM3 (1999/2000), Sat.1 (2003 bis 2012), DSF (2006/07). Sky (vormals Premiere) hatte die Pay-TV-Rechte und übertrug exklusiv die Dienstags-Begegnungen.

Zuletzt übertrug das ZDF seit 2012/13 die Mittwochs-Spiele der Königsklasse. Die Mainzer sind im aktuellen Bieterverfahren leer ausgegangen. Bereits vor einigen Tagen deutete sich an, dass das ZDF damit schon rechnete und an der Programmplanung ohne Champions League arbeitet. Der öffentlich-rechtliche Sender darf nur noch in der kommenden Saison 18 Spiele im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Noch nicht vergeben ist das Rechtepaket für die Europa League.

ZDF-Intendant Thomas Bellut: "Wir hätten unseren Zuschauern gerne auch über 2018 hinaus die Livespiele der Champions League gezeigt." Der öffentlich-rechtliche Sender habe "ein sehr gutes Angebot" abgegeben, es seien aber als beitragsfinanzierter Sender Obergrenzen gesetzt. Nun will Bellut "anstelle der Übertragungen künftig in andere hochwertige Programmangebote investieren". Die Vergabe an einen reinen Pay-TV-Anbieter sieht der ZDF-Chef aber kritisch: "Europäischer Spitzen-Fußball wird zu einem exklusiven Angebot für deutlich weniger Zuschauer als bisher." 

Für Sportfans und die öffentlich-rechtlichen Sender ist es ein weiterer herber Schlag: Das ZDF verlor gemeinsam mit der ARD zuletzt die Olympia-Rechte an Discovery/Eurosport sowie ein großes Paket mit Länderspielen der Fußball-Nationalmannschaft an RTL. Fußballspiele und Sportwettbewerbe gehören zu den zuschauerstärksten und werbeintensiven Programmen im deutschen Fernsehen.

Offen ist, welche Spiele der Champions League Sky und welche Partien das zur Perform Group zählenden Portal Dazn zeigt. "Rechtzeitig vor Beginn der neuen Rechteperiode werden alle weiteren Einzelheiten zu dieser Vereinbarung bekanntgeben", hieß es. Wenn es einzelne Spiele ausschließlich auf der Streamingplattform zu sehen gibt, müssten Sky-Kunden ein zusätzliches Abonnement erwerben, um das gewohnte Komplett-Angebot zu haben. Das kostet bei Dazn derzeit 9,99 Euro im Monat.

Hunderte Millionen für Fußball

Branchen-Experten schätzen, dass das Dreijahrespaket für die Rechte mehrere hundert Millionen Euro kostet. Die Uefa kassiert damit auch auf dem deutschen Markt wesentlich mehr Geld als bisher. Zuvor hatte der Fußball-Verband bereits in Großbritannien nach übereinstimmenden Medienangaben einen Rekord-Vertrag über 1,2 Milliarden Pfund (1,38 Milliarden Euro) mit BT Sports abgeschlossen. Sky ging auf der Insel leer aus.

Es geht ums große Geld. In der Champions League gibt es von 2018 an zusätzliche Anstoßzeiten und mehr Fix-Starter aus den großen Ligen - und nun ein Verschwinden des Wettbewerbs in den Bezahlbereich. Das dürfte neben den Fans auch die Sponsoren des teilnehmenden Clubs ärgern.

"Wir sind mit dem Ausgang der Rechte-Ausschreibung sehr zufrieden", sagte Sky-Chef Carsten Schmidt. Erfreut zeigte sich auch Dazn-Boss James Rushton: "Wir sind extrem stolz, die Uefa Champions League anbieten zu können." 

(sh/dpa)


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