Interview mit Hans Demmel :
Das ist der neue Auftritt von n-tv

Runderneuerung zum 1. September: Mit dem neuen Claim "n-tv – Wir bleiben dran." will der RTL-Nachrichtensender ausdrücken, viel mehr als TV zu sein. Was n-tv nach 25 Jahren anders macht, verrät Senderchef Hans Demmel im Interview.

n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel: "Wir stecken mitten in extrem spannenden und wichtigen Zeiten".
n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel: "Wir stecken mitten in extrem spannenden und wichtigen Zeiten".

Wer am 1. September auf n-tv schaltet, erlebt die Nachrichtenmarke der RTL-Familie in komplett neuer Form und mit neuem Claim: "n-tv – Wir bleiben dran." Darin soll sich widerspiegeln, dass das News-Angebot aus Köln schon lange mehr als Fernsehen ist.
Das neue Logo soll n-tv ein multimediales Gesicht verleihen, ein emotionales Markenversprechen geben. Das Vorhaben, n-tv als Nachrichtenmarke weiter zu schärfen, geht einher mit der zeitgleichen Ausweitung der Newsstrecken um 16 und 17 Uhr.
W&V hat mit Senderchef Hans Demmel gesprochen, der im Interview das heutige Geschäft mit Nachrichten einordnet.

Herr Demmel, warum haben Sie sich entschieden, die Newsstrecke bei n-tv weiter auszubauen?

Ein unkalkulierbarer US-Präsident, eine unberechenbare Türkei, brodelnde Konflikte im Nahen Osten, Flüchtlingsströme im Mittelmeer, deutsche Autobauer unter Kartellverdacht: Wir stecken mitten in extrem spannenden und wichtigen Zeiten, zum einen für Nachrichtenmacher, aber vor allem für unsere Zuschauer. Da beantwortet sich die Frage eigentlich von selbst.

In Zeiten von Fake News steigt die Bedeutung von seriösen Nachrichtenlieferanten. Wie heben Sie sich in der Art und Weise der Berichterstattung von der privaten Konkurrenz ab?

Ich sehe bei keinem unserer Mitbewerber ein Problem mit der Wahrheitsfindung und dem Umgang mit Fake News. Das ist in erster Linie ein Problem im Netz und dort vor allem in sozialen Medien. Auch unsere Konkurrenten machen, was Glaubwürdigkeit und saubere Recherche angeht, einen guten, verlässlichen Job.

Mit einem Nachrichtenanteil von über 60 Prozent, unserer Breaking-News-Kompetenz und der umfassendsten Wirtschaftsberichterstattung im deutschen Fernsehen bietet n-tv allerdings deutlich mehr als alle anderen Sender – egal ob öffentlich-rechtlich oder privat.

Wie sieht das internationale Reporternetz aus, auf das Sie zugreifen können?

Über die Mediengruppe RTL haben wir auf Reporter und Korrespondenten an 14 Standorten weltweit Zugriff. Damit ist sichergestellt, dass wir schnell und zuverlässig aus Krisenregionen oder über Katastrophen rund um den Erdball berichten können. 

Bei Ereignissen wie Terroranschlägen oder dem Amoklauf in München im vergangenen Jahr zeigt sich am deutlichsten, wie ein Nachrichtenteam aufgestellt ist. Gibt es für Alert-Situationen einen "Notfall"-Plan und wie sieht der aus?

Ja klar gibt es einen Notfallplan. Bei Breaking News läuft bei uns alles sehr routiniert ab. Wir haben ein eingespieltes Team und jeder weiß dann genau, was er zu tun hat.

Entscheidend für mich sind aber das hohe Commitment, die Einsatzfreude und die Erfahrung aller unserer Mitarbeiter in der Redaktion und in der Technik. Der ausgefeilteste Plan hilft nicht viel, wenn er nicht von engagierten Mitarbeitern dann auch ausgefüllt wird, oft bis an die Grenze der Erschöpfung.

Wichtig ist uns, dass wir die Zuschauer frühzeitig und umfassend informieren, selbst wenn die Lage noch relativ unklar ist. Gerade dann kommt es ja auf seriöse Quellen wie n-tv an, die die Ereignisse einordnen und auch klar sagen, wenn Informationen noch nicht wirklich gesichert sind.

ARD und ZDF bauen ihr Nachrichtenangebot und die Kanäle dafür beständig aus. Ärgert Sie das - als Chef eines kommerziellen Unternehmens? 

Das widerspricht eher meiner Erfahrung. Im Moment sehe ich die Aktivitäten bei Angeboten wie Funk und dem Versuch, sich massiv im Netz und in Mediatheken auszubreiten. Nachrichten sind natürlich unbestritten Kern des Versorgungsauftrags der Öffentlich-Rechtlichen und es gibt dort mehr als genug Fläche, die mit Information bespielt werden könnten, vor allem auf den "Hauptsendern" und nicht in der Sparte.

Mir ist bewusst, dass Reichweite für die Kollegen Rechtfertigung bedeutet – für den privaten Rundfunk bedeutet Reichweite aber noch viel mehr, nämlich Refinanzierung. Das ist der große Unterschied, der auch bei der Politik ankommen muss: Reichweite kann nicht Rechtfertigung für jede Form von öffentlich-rechtlichem Angebot sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Vielfalt, für die vor allem private Nachrichtenkanäle stehen, gefährdet wird.

Der Medienkonsum wird digitaler. Wie kann ein linearer Sender noch mithalten?

Die Digitalisierung ist für uns eine Chance. Nicht nur, weil wir hier mit unseren eigenen Angeboten bestens aufgestellt sind. Wir sehen beispielsweise auch, dass sich nach einer Breaking News, die über unsere App gepusht wird, unsere Zuschauerzahlen verdoppeln oder sogar verdreifachen. 

Nachrichten machen kostet Geld. Wie finanzieren Sie das, abgesehen von Werbung? Verkaufen Sie Inhalte an Dritte?

Der Löwenanteil kommt nach wie vor aus der klassischen Werbung, im TV und im Digitalen. Das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben. Daneben beinhaltet unsere Multi-Plattformstrategie Videolizensierungen wie beispielsweise an die Deutsche Bahn und Info Slides im Digital Out of Home-Bereich, die sehr gefragt sind. Besonders viel Freude macht uns auch die Entwicklung von "n-tv Art", ein Label, unter dem wir seit 2014 Kunstliebhabern ausgewählte Sonderdrucke von namhaften Künstlern anbieten. 

Das neue Logo, der neue Claim.

Das neue Logo, der neue Claim.

Übrigens: Das neue Markendesign und der neue Claim von n-tv werden in einer integrierten Imagekampagne beworben, die über diverse Kanäle (TV, Digital, Print, Ambient) jeweils kanalgerecht aufbereitet laufen wird. Alles in allem soll ausgedrückt werden: n-tv hat sich in den 25 Jahren seines Bestehens vom reinen Nachrichtensender zum erfolgreichen Multiplattform-Nachrichtenanbieter entwickelt.
Markendesign und Kampagne wurden inhouse und in Zusammenarbeit mit der Agentur Havas, Düsseldorf entwickelt und realisiert.


Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.



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