Paid Content :
"Das Reichweiten-Modell ist gescheitert"

Seit knapp zwei Monaten hat die "Rhein-Zeitung" eine harte Paywall. Chefredakteur Christian Lindner über ein Modell, das zum Vorbild für die Branche taugen könnte.

Text: Manuela Pauker

30. Mar. 2015 - 4 Kommentare

Christian Lindner hat am 1. Februar den Gratiszugang zur "Rhein-Zeitung" gesperrt.
Christian Lindner hat am 1. Februar den Gratiszugang zur "Rhein-Zeitung" gesperrt.

Christian Lindner hat am 1. Februar gewagt, wovor viele Verlage hierzulande zurückschrecken: Am 1. Februar hat der Chefredakteur der Koblenzer "Rhein-Zeitung" um das Online-Angebot eine harte Paywall hochgezogen. Heißt: Gratis gibt es gar nichts mehr. Wer lesen will, muss zahlen. Die Quittung kam auch prompt: Knapp ein Viertel der Visits gingen verloren. Eigentlich eine Katastrophe. Denn mit der Zahl der Leser steht und fällt er Werbeverkauf – auch im Online-Bereich.

Bei der "Rhein-Zeitung" setzt man jetzt andere Prioritäten. Denn, so Lindner gegenüber W&V: "Das Reichweiten-Modell ist gescheitert. Es reicht online nicht aus, sich über Werbung zu refinanzieren." Und die Situation werde sich weiter drastisch verschärfen. Denn die Nutzung verlagere sich mehr und mehr auf Mobile. "Fast alle Werbeformate von Medienhaus-Sites funktionieren da einfach nicht. Die Werbeeinnahmen werden also weiter stagnieren – bestenfalls."

Hier glaubt man, wie noch bei weiteren vier Blättern in Deutschland, an die strikteste Form von Paid Content für Online-Journalismus. Dass es funktionieren kann, zeigt die aktuelle Bilanz der Zeitung. Ende Februar bezahlten 8105 E-Paper-Kunden für den digitalen Zugang zu allen Lokalausgaben fünf Euro zusätzlich zum Printabo. Zudem, so Lindner, "hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits 1324 Abonnenten für unser 'E-Paper digital only' für 23 Euro monatlich – das sind 90 Prozent mehr als vor einem Jahr." Die digitale Version der Zeitung verkaufe sich also bereits bemerkenswert gut: "Wir haben 2014 über diesen Weg 500.000 Euro erlöst."

Ende Februar gab es außerdem 325 Abonnenten, die für ein Jahresabo von Rhein-Zeitung.de 5,90 Euro monatlich zahlen. Darüber hinaus wurden im Februar  74 Monatspässe für 6,90 Euro und 474 Tagespässe à 90 Cent verkauft. Einzelkäufe von Texten wurden ebenfalls möglich gemacht: 50 Cent schlagen für einen Artikel zu Buche. Das überraschende Resultat: Im Februar wurden so 410 Artikel gekauft. Lindner: „Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die komplette gedruckte Zeitung 1,80 Euro kostet.“ Und die Zahl nehme wöchentlich zu, ohne dass die Zahl der Tagespässe zurückgehe.

Für andere Medienhäuser ist Lindners Weg trotzdem keine Alternative: Die meisten Zeitungen hierzulande setzen bei Paid Content auf Freemium oder das klassische Metered Model, bei dem es monatlich eine festgelegte Zahl von kostenlos zu lesenden Beiträgen gibt.

Titelthema Paid Content: Warum man sich bei "Bild" oder der "Rheinischen Post" für Bezahlmodelle entschieden hat und wie es mit der Kostenloskultur im Netz weitergeht, lesen Sie in der aktuellen W&V 14/15. Abo?


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



4 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 31. März 2015

Welches Paywall-Modell sich durchsetzen will, ist Nebensache. Es braucht eine Durststrecke, um die User dazu zu bewegen, dass journalistischer Content nicht gratis sein kann.

Anonymous User 31. März 2015

Eine Paywall zu errichten, in welcher Form auch immer, ist natürlich okay. Aber seine Paper-Abonnenten für den Zugang zur Online-Ausgabe noch einmal zur Kasse zu bitten, das ist dreist.

Anonymous User 31. März 2015

Hier wurde unter Hinweis auf die Netiquette ein Kommentar gelöscht.

Anonymous User 31. März 2015

Äh, kann mal jemand diesen Spam entfernen??

Diskutieren Sie mit