"Wir haben mit einem großen Hammer auf einen relativ kleinen Nagel geschlagen", sagte WDR 2-Programmchef Jochen Rausch reumütig in der Spezialsendung und entschuldigte sich mehrmals. Man habe das Wort "Umweltsau" in Verbindung gebracht mit der "lieben Oma", die abends Geschichten vorlese. "Das drückt bei vielen Menschen den roten Knopf", so Rausch. Man habe nicht mit der "nötigen sprachlichen Feinheit" gearbeitet und "nicht lange genug nachgedacht".

Zwar warfen viele Hörer und Nutzer den Verantwortlichen mangelnden Respekt vor Älteren und eine Instrumentalisierung von Kindern für ein "beschämendes" oder "ideologisches" Video vor. Andere aber lachten darüber. "Scheinbar können es viele Menschen nicht vertragen, wenn man ihnen den Spiegel vorhält", sagte eine Hörerin in der Sendung.

Am Sonntagnachmittag kam es sogar zu Demonstrationen vor dem WDR-Gebäude in Köln. Dutzende Menschen versammelten sich nach dem Aufruf einer Privatperson unter dem Motto "Unsere Oma ist keine Umweltsau" - einige von ihnen gehörten augenscheinlich zur rechten Szene, wie ein Polizeisprecher sagte. Außerdem kam es zu einer spontanen Gegendemonstration aus der linken Szene und verbalen Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern.

Das Redaktionsteam bedauere, "dass die Satire die Gefühle eines Teils des Publikums verletzt hat", teilte der WDR mit. Es sei darum gegangen, den Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstelle, mit den Mitteln der Satire aufzugreifen." Die WDR Kommunikation kündigte am Samstag über Social-Media-Kanäle an, dass um 18:05 Uhr eine Sendung mit Publikumsbeteiligung startet. 

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Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall, sagte dem Deutschlandfunk, er verstehe nicht, warum das Video so polarisieren konnte, weil es klar als Satire gekennzeichnet worden sei.

Laschet und der CDU-Politiker Ruprecht Polenz kritisierten, Kinder würden in der Klimaschutzdebatte von Erwachsenen instrumentalisiert. Der WDR habe mit dem Lied "Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten", twitterte Laschet.

Den Vorwurf, die beteiligten Kinder seien missbraucht worden, wies der WDR zurück und auch der künstlerische Gesamtleiter des Chors Zeljo Davutovic: Eltern und Kinder hätten frei über die Teilnahme entscheiden können.

"Warum sendet man so einen Unverschämtheit?", schrieb eine Nutzerin empört auf Facebook über das Lied. "Unterirdisch", "unterstes Niveau", meinten andere. Weitere Nutzer aber zeigten Verständnis: "Wenn man das Alter der Kinder beachtet, sind die heute 50-70-Jährigen gemeint (...) Da steckt schon wahres drin."

Satiriker Jan Böhmermann twitterte: "Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau."

Der WDR ist keine Ausnahme: Im Jahr 2019 gehören Shitstorms quasi zum Alltag. W&V hat die Top-Five-Shitstorms des Jahres 2019 analysiert. (mit dpa)



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Autor: W&V Redaktion

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