Studie zum Scoopcamp 2018 :
Deutsche wollen digitale Medien-Services – aber bitte kostenlos!

Messenger, Podcasts, VR/AR: Laut einer Studie von Statista im Auftrag von Next Media Hamburg sind Medieninnovation gefragt. Aber bei der Zahlungsbereitschaft hapert es.

Text: W&V Redaktion

Fürs Streaming begeistern sich die Deutschen.
Fürs Streaming begeistern sich die Deutschen.

Über den Marktdurchbruch neuer Technologien entscheiden letztendlich die Verbraucher - und diese wurden nun gefragt. Eine repräsentative Studie von Statista im Auftrag von Next Media Hamburg im Vorfeld des Scoopcamps 2018 zeigt, dass die Deutschen grundsätzlich offen sind gegenüber Innovationen in den Medien. In puncto Zahlungsbereitschaft sind die Befragten aber noch sehr zurückhaltend.

"Fragt man nach den neuen technologischen Trends im Journalismus, so sind es Livestreaming (67 Prozent), VR/AR (49 Prozent) und Messenger-Dienste (45 Prozent), die sich nach Meinung der Befragten am ehesten im Medienmarkt etablieren werden“, heißt es da. An einen langfristigen Erfolg von Podcasts glauben demnach nur 27 Prozent.

Positiv: Nur jeder Zehnte glaubt, dass sich keines der genannten Formate durchsetzen wird.

Mehrheit will kein Geld ausgeben

Bedenklich für Medienmacher sei wiederum die Haltung der Deutschen zur Finanzierung der neuen Formate, heißt es weiter. Ähnlich wie bei Textinhalten scheint sich eine "Online-Kostenlos-Kultur" zu etablieren: "Bei keinem der genannten Formate kann sich eine Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer vorstellen, Geld auszugeben", warnt die Studie. Am besten schneiden demnach Livestreaming (29 Prozent) und VR (25 Prozent) ab. Nur vier Prozent der Befragten seien beispielsweise bereit, für automatisiert erstellte Texte in die eigene Geldbörse zu greifen.

Podcasts zeichnen sich als "Format der Stunde" ab. Immer mehr Privatleute, Verlage oder auch freie Redakteure setzten auf die Audiodateien, um Inhalte zu verbreiten. 51 Prozent der Deutschen haben laut Studie bereits einen Podcast gehört, elf Prozent wollen dies noch machen.

"Auch in Zukunft wird Werbung aller Voraussicht nach eines der wichtigsten Erlösmittel aus Podcasts sein, denn nur sechs Prozent der Deutschen sind bereit, für Podcasts Geld auszugeben", heißt es. Beliebt bei Podcasts sind vor allem Reportagen (hören 62 Prozent gerne), Nachrichten (45 Prozent), Interviews und Talkrunden (37 Prozent) sowie Erzählungen (34 Prozent). Inhaltlich solle dann vor allem unterhalten werden. Deutsche wollen eigentlich digitale Medien-Services – aber bitte kostenlos! 

Bei Messenger-Diensten sind Nutzer skeptisch

Ein weiteres neues Format, dass Verlage zunehmend nutzen, um Inhalte einzubinden und zu verbreiten, sind Messenger-Dienste wie Facebook Messenger und WhatsApp. "Hier sind Erfahrungswerte und Erwartungshaltung der Deutschen deutlich niedriger als bei Podcasts", so die Studie. Nur 32 Prozent nutzen demnach solche Angebote, 14 Prozent wollen dies in Zukunft tun.

"Die Mehrheit von 54 Prozent lehnt das Angebot ab und möchte es auch zukünftig nicht nutzen", heißt es. Die Gründe für eine ablehnende Haltung gegenüber Messenger-Angeboten sind vielseitig -  eine Mehrheit von 55 Prozent will nur Nachrichten von Freunden erhalten, aber auch der Datenschutz und die Angst vor Spam spielen eine Rolle.

Und wie sieht es hier mit der Bezahlkultur aus, um  Messenger-Dienste von Verlagen zu monetarisieren?

Schlecht. Denn zum einen können sich aktuell nur zwölf Prozent der Deutschen vorstellen, Geld für solche Dienste auszugeben, zum anderen lehnen 76 Prozent Werbung Dritter im Rahmen von Messenger-Angeboten von Medien ab. 

Zum Vergleich:  Eines der Formate, das im Vergleich als durchsetzungsfähig angesehen wird, ist Virtual bzw. Augmented Reality. Fast die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) glaubt an die Zukunft dieser Technologien in der Medienbranche und immerhin ein Viertel wäre bereit, dafür Geld auszugeben.

Wofür Nutzer VR bei Medien nutzen.

Wofür Nutzer VR bei Medien nutzen.

Die repräsentative Studie wurde im Vorfeld der Onlinemedien-Innovationskonferenz Scoopcamp 2018 am 27. September von Statista im Auftrag von Next Media Hamburg zwischen dem 17. und 24. Mai durchgeführt.


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W&V Redaktion
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