Social Publishing :
Digital Gold Digger: Das plant Ex-Endemol-Mann Georg Ramme

Der Load Studios-Gründer will mit Instastyle.TV eine digitale Medienmarke aufbauen.

Georg Ramme, Load Studio-Gründer und digitaler Goldgräber
Georg Ramme, Load Studio-Gründer und digitaler Goldgräber

Es fühlt sich an wie zu Zeiten des großen Goldrausches in Amerika. In den unendlichen Weiten der digitalen Medienwelt lagern die Geschäftsmodelle der Zukunft wie Nuggets. Man muss nur nach ihnen schürfen, viel Sand und Gestein waschen, um irgendwann vielleicht auf lukrative Goldadern zu stoßen. Die Nachfrage nach funktionierendem Video-Content im (Social) Web steigt, und viele Goldgräber haben sich auf den Weg zum Glück gemacht.

Ziel: Mehr Qualität im Social Publishing

Ex-Endemol-Mann Georg Ramme ist einer dieser Goldsucher. Im Frühjahr vor etwa einem Jahr hat preisgekrönte Kreative und promovierte Medienwissenschaftler seinen Job als Global Director bei der Endemol-Digital-Tochter Endemol Shine Beyond überraschend aufgegeben. Kurz darauf gründete der 42jährige zusammen mit Partner Sascha Mennel, einem ehemaligen Egmont Ehapa-Mann und Kinderbuchverleger –  die Load Studios mit Produktionen in Berlin, München und bald auch London. Von Vice kommt Selim Güngor als Verstärkung und Chef des Creative Development. Die Kreativunternehmer wollen digitale, globale, leicht konsumierbare, unterhaltsame Medienmarken aufbauen – „Next Generation Media Brands“ wie es auf der Webseite heißt. Load Studios produzieren  Branded Content für Marken. Dabei kann es um mehr gehen als einzelne Kampagnen: Die Gründer sind überzeugt, dass auch Unternehmen  „Content Brands“ aufbauen können, um aus der Content-Flut herauszustechen. „Wir wollen Daten und Kreativität zusammenbringen und eine neue Phase mit besseren Qualitäts-Standards ins Social Publishing einführen“, sagt Ramme.

Instastyle.TV - Medienmarke für Fast Fashion

Zwei eigenständige Social Publishing-Marken haben Ramme und Mennel inzwischen aufs Gleis gesetzt. Eines davon heißt Instastyle.TV. Hinter dem Namen verbirgt sich ein regelmäßiges Video-Format rund um Modetrends im schnelldrehenden Kosmos der Massenmode. "Instastyle.TV" will 15-35jährige Frauen mit immer neuen Videos, in denen Models die neuestens Trends und Stylingtipps vorführen, als regelmäßige Nutzerinnen gewinnen. Angepasst an die Modezyklen der Fast Fashion-Industrie produzieren Load Studios zwischen sechs und acht Staffeln im Jahr. Pro Woche ergießen sich 24 Videos auf die Plattformen Facebook, Instagram, Youtube. Parallel dazu werden sie auf der eigenen Webseite ausgespielt.

Als Koproduzent und 50:50-Partner ist das Dentsu Aegis Network mit seiner Content-Unit The Story Lab an "Instastyle.TV" beteiligt. Dessen Geschäftsführer Daniel Pannrucker verfolgt ebenfalls die Strategie, eigene Rechte an digitalen Medienformaten aufzubauen. Die Partner investieren je einen sechsstelligen Betrag in die Entwicklung von "Instastyle.TV" - nach einem Jahr soll Bilanz gezogen werden, ob das „New Publishing“-Format von den Konsumentinnen angenommen wird. Die Betaphase läuft seit Januar. Zum offiziellen Launch im April ist Werbekunde Philips mit einer Kampagne an Bord, Testballons mit weiteren Werbepartnern werden vorbereitet.

Wiggi Wiggi - Alternative zum Kinderfernsehen

Produzent Ramme und sein Partner Mennel haben noch eine zweite potenziellen Zielgruppe für digitale Medienmarken identifiziert – Kinder. Mit Wiggi Wiggi  baut Load Studios eine Video-Plattform für Kinder zwischen sechs und neun Jahren auf, die im zweiten Quartal auf You Tube Kids und Facebook an den Start gehen soll (Dentsu Aegis ist in diesem Fall nicht an Bord). Videobeiträge aus den Bereichen Wissen, Basteln, Comedy und Spaß werden derzeit für vorbereitet, drei Videos pro Woche will Ramme ausspielen und im Netz eine „digitale Alternative zum Kinderfernsehen“ aufbauen.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.



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