Kinder Medien Studie 2017 :
Digital Natives nutzen mehr Print als gedacht

Zeitschriften und Bücher haben nicht ausgedient - weiß die Kinder Medien Studie 2017. Sie hat das Konsum- und Mediennutzungsverhalten der Sechs- bis 13-Jährigen untersucht. 

Text: Manuela Pauker

Zeitschriften gehören weiter zum Alltag der Digital Natives.
Zeitschriften gehören weiter zum Alltag der Digital Natives.

Das Leben wird zunehmend digitaler. Das Lesen von Gedrucktem hat bei den Jüngsten trotzdem noch nicht aufgehört: Laut der aktuellen Kinder Medien Studie 2017 nutzen 72 Prozent der Vier- bis 13-Jährigen mehrmals pro Woche Bücher und Magazine – und zwar nicht in der Schule, sondern privat in ihrer Freizeit.

Das könnte auch damit zusammenhängen, dass Eltern bei Internet & Co. besorgter agieren und daher länger kontrollieren, welche Seiten der Nachwuchs ansurft und herunterlädt. Bei Magazinen dürfen die jungen Leser früher entscheiden – ein Punkt, der zur Attraktivität des Gedruckten beitragen dürfte.

Dauerbrenner bei den Sechs- bis 13-jährigen sind hier die Egmont Ehapa-Klassiker: Walt Disney Lustiges Taschenbuch liegt mit 633.000 Lesern vorn, gefolgt vom Micky Maus-Magazin (576.000 Leser). Stärkster Mädchentitel ist Wendy mit 469.000 Lesern.

Wie die Schüler ausgerüstet sind

Trotzdem ist moderne Technik aus dem Leben der Kinder nicht mehr wegzudenken. 37 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen besitzen aktuell ein eigenes Smartphone oder Handy, bei den Zehn- bis 13-Jährigen sind es schon 84 Prozent. Aktiv ist in sozialen Netzwerken aber auch, wer kein eigenes Gerät besitzt: 61 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen verschicken Nachrichten per SMS, 68 Prozent über Whatsapp.

Auf Plattformen wie Facebook sind nur rund 29 Prozent aus dieser Altersgruppe aktiv – wobei allerdings beispielsweise ein Facebook-Account erst ab 13 Jahren offiziell angelegt werden darf.

Bei den "klassischen" Kanälen spielt Fernsehen nach wie vor eine große Rolle: 93 Prozent der Kinder sitzen mehrmals pro Woche vor dem TV-Gerät, 41 Prozent hören Radio. Doch die digitalen Unterhaltungsvarianten kommen nicht zu kurz: 62 Prozent nutzen Internet und Apps, 34 Prozent schauen Youtube, DVDs /Blu-Rays (15 Prozent) oder beschäftigen sich mit Spielkonsolen.

Wo das Taschengeld hinfließt

Die Studie, die von den Häusern Blue Ocean Entertainment, Egmont Ehapa, Gruner + Jahr, Panini, Spiegel-Verlag und Zeit-Verlag herausgegeben wird, untersucht neben dem Freizeit- und Mediennutzungsverhalten der Zielgruppe auch das Konsumverhalten. Dabei können Jungen etwas mehr Geld ausgeben als gleichaltrige Mädchen: Jungs im Vorschulalter haben im Jahr durchschnittlich 241 Euro zur Verfügung, ab Sechs bis 13 Jahre steigt diese Summe auf 526 Euro. Zum Vergleich: Bei den Vorschul-Mädchen sind es 202 Euro, nach Schulbeginn 497 Euro.

Der Großteil dieses Taschengelds, so die Studie, wandert – Überraschung -  in Süßigkeiten, aber auch in Printmedien wie Zeitschriften und Comics. Investitionen in Kleidung und Styling dürfen 49 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen treffen, bei den Zehn- bis 13-Jährigen haben immerhin schon 82 Prozent das Sagen.

Viele Kinder bestimmen auch bei Investitionen für die ganze Familie mit: Bereits im Vorschulalter dürfen 69 Prozent der Kleinen mitreden, wenn es um die Wahl des Urlaubsorts oder andere Aktivitäten geht.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde