Unverpixelte Fotos von Randalierern :
DJV kritisiert "Bild" nach G20-Pranger

Fotos von G20-Randalierern unverpixelt auf der "Bild"-Titelseite? Das geht dem DJV zu weit, aber auch Spiegel Online. Indes sorgt eine "Schwarze Liste" von Journalisten für Furore.

Text: Petra Schwegler

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"Bild" sucht selbst.
"Bild" sucht selbst.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, hat Springers "Bild" wegen des Aufrufs zu möglichen G20-Randalierern kritisiert. Die Zeitung hat im Nachgang auf ihrer Titelseite die unverpixelten Fotos von Menschen gezeigt, die während der Proteste in Hamburg offenbar Polizisten angegriffen haben. Der Titel des Artikels war "Wer kennt diese G20-Verbrecher?" – und erinnerte an den umstrittenen Facebook-Pranger, an den "Bild" vor einiger Zeit die Verfasser von Hasskommentaren öffentlich stellte.

Überall sagte im Inforadio des RBB, Medien seien nicht für die Polizeiarbeit da: "Es gibt öffentliche Fahndungsaufrufe, da sitzen Profis dahinter, die abwägen, ob man eine öffentliche Fahndung macht oder nicht. Aber das ist der Polizei vorbehalten und nicht irgendwelchen Medien." Inzwischen feiert "Bild" die eigenen Fahndungserfolge ...

Es sei bei solchen Ereignissen wie dem G20-Gipfel zwar rechtlich sehr wohl möglich, solche Fotos zu machen und zu veröffentlichen, so Überall – der zugleich einschränkt: "Aber dabei muss auch das Persönlichkeitsrecht geschützt werden, denn es gilt im ersten Schritt die Unschuldsvermutung. Unkenntlich gemacht hätte man solche mutmaßlichen Täter durchaus zeigen können. Aber in dieser Art und Weise ist es zumindest fragwürdig."

Ähnlich sieht es auch das Team von Spiegel Online

Parallel dazu entzündet sich eine Diskussion um den Entzug der Akkreditierung von Journalisten beim G20. Insgesamt 32 Reportern war nach Medienberichten die bereits erteilte Akkreditierung zum Gipfel vergangene Woche wegen Sicherheitsbedenken nachträglich entzogen werden.

Nach einem Bericht von Tagesschau.de hatten Polizisten beim Einlass ins Pressezentrum eine zweiseitige "Schwarze Liste" in der Hand und ließen nur Journalisten durch, deren Name nicht darauf stand. ”Der schlimme Verdacht, dass Interventionen des türkischen Geheimdienstes zum Entzug von Akkreditierungen beim G20-Gipfel geführt haben sollen, muss schnellstmöglich und umfänglich aufgeklärt werden“, forderte der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki.

Am Freitag hatte das Bundespresseamt zum Entzug einiger Akkreditierungen erklärt: "In den hier problematischen Fällen sind durchweg Sicherheitsbedenken erhoben worden, die sich auf die Erkenntnisse der beteiligten Sicherheitsbehörden stützen." Die Regierung indes weist irgendwelche Einflüsse von außen in einer Stellungnahme weit von sich.

ps (mit dpa)


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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