DOSB-Chef Bach schwärmt – und die ARD rechtfertigt ihr Olympia-Streaming

900 Stunden mehr Liveberichterstattung kommen zusammen, wenn ARD und ZDF Olympisches auch über sechs Livestreams zusätzlich verbreitet. Ein Befürworter ist immerhin DOSB-Chef Thomas Bach…

Text: Petra Schwegler

17. Jul. 2012

Bisher fehlt es der ARD eigentlich an breiter öffentlicher Zustimmung für ihr Vorhaben, zusammen mit dem ZDF zusätzlich über sechs parallele Livestreams im Internet von den Olympischen Spielen in London zu berichten. Kurz nach Bekanntgabe des Online-Vorhabens der Öffentlich-Rechtlichen hat es einmal mehr heftige Kritik  von Seiten des Privatfunkverbandes VPRT gehagelt. Jetzt sorgt die ARD einfach selbst für Lob – indem sie den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, vor das Mikro bekommt. Und dieser erklärt prompt: "Das ist nur zu begrüßen, weil die Olympischen Spiele nur über eine Vielzahl von Kanälen abgewickelt werden können", so Bach in einem ARD-Interview, das der für den Auftritt zuständige NDR verbreitet. 

Bach weiter: "Das Internet bietet großartige Möglichkeiten, um zielgerichtet dem Fan einer bestimmten Sportart, aber auch um möglichst vielen Zuschauern die Olympische Begeisterung und die Olympischen Wettbewerbe zu vermitteln." "So garantieren wir größtmögliche sportliche Vielfalt", verspricht von ARD-Seite Thomas Luerweg, Online-Sportchef des NDR. Bach ist ein Schwergewicht im Olympia-Getriebe, ist er doch zusätzlich Vize-Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Wer sich selbst überzeugen will: Die ARD hat das Interview natürlich auf der Olympia-Seite online gestellt

Hintergrund: Die Livestreams von ARD und ZDF sollen während der Spiele das Fernsehprogramm ergänzen und präsentieren Olympia im Internet, auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs, sowie im HbbTV. Die Livestreams werden auf sportschau.de/olympia bereitgestellt. Die ARD plant, täglich bis zu 60 Stunden Live-Sport aus London zu streamen. Mit insgesamt rund 900 Stunden zusätzlicher Live-Berichterstattung wollen ARD und ZDF von Badminton bis Wasserspringen alle Sportarten umfangreich abdecken – ein Vorhaben, das der VPRT mit dem Begriff „digitales Überlaufbecken“ bezeichnet hat. Dabei werden rund zwei Drittel der Sportereignisse von den ARD- und ZDF-Fachreportern kommentiert. „Ob Bogenschießen oder BMX - vor allem Rand- und Trendsportarten profitieren von der neuen Strategie der ARD“, so das Erste.

Zuschauer und User sollen ihr Olympia-Programm dank des Streamings individuell zusammenstellen können: Über einen elektronischen Programmführer (EPG) sieht der User auf einen Blick, welche Disziplin oder welche Entscheidung live übertragen wird. Die Online-Zuschauer haben darüber hinaus die Möglichkeit, ihre favorisierten Sportarten auszuwählen und zu sehen, welche Übertragungen geplant sind. Des Weiteren bieten ARD und ZDF Highlight-Videos und ein so genanntes Time-Shifting-Verfahren an. Mit einer Pausenfunktion
können die Live-Übertragungen angehalten und zu einem späteren Zeitpunkt angeschaut werden.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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