Merchandising :
"Fake News"-T-Shirt sorgt für Empörung

In aufgeheizten Zeiten kann sogar eine seriöse Institution wie das Washingtoner Pressemuseum in die Kritik geraten. In seinem Shop bot es ein T-Shirt mit dem Slogan "You Are Very Fake News" an. Nun stoppte es den Verkauf.

Text: Franz Scheele

Wegen der heftigen Kritik in den Medien stoppte das Museum den Verkauf des "Fake News"-T-Shirts
Wegen der heftigen Kritik in den Medien stoppte das Museum den Verkauf des "Fake News"-T-Shirts

Die ganze Angelegenheit gehört eigentlich in die Rubrik "Silly Summer Stories". Doch sie zeigt auch, dass die permanenten Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen die Medien, die er schon mal als "Feinde des amerikanischen Volkes" bezeichnet, bei manchen Journalisten ihre Spuren hinterlassen. Die scheinen nämlich allmählich ihren Humor zu verlieren – und attackieren ihrerseits auch schon mal "Gegner", die vermutlich gar keine sind.

So wurde jetzt ausgerechnet das eher unverdächtige Pressemuseum Newseum in Washington D.C. zur Zielscheibe der Kritik, genauer: die Merchandising-Abteilung des Hauses. Denn in deren Onlineshop konnte man zum zwischenzeitlich herabgesetzten Preis von 19,97 Dollar ein T-Shirt mit der Aufschrift "You Are Very Fake News" erwerben.

Daran störte sich das renommierte Journalismus-Institut Poynter. Daniel Funke, Mitarbeiter beim International Fact-Checking Network des Instituts, fragte sich, wie das Newseum bloß auf die Idee kommen konnte, einen solchen Artikel anzubieten.

Schließlich habe es sich das gemeinnützige Museum laut eigener Aussage zur Aufgabe gemacht, das "öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung einer freien Presse und des ersten Verfassungszusatzes zu fördern". Der erste Zusatzartikel zur US-Verfassung verbietet es dem Kongress, Gesetze zu verabschieden, die die Rede-, Religions-, Presse- und Versammlungsfreiheit einschränken.

Die ständige Wiederholung des "Fake News"-Vorwurfs gegenüber den Medien durch Präsident Trump führe aber zu einer "Delegitimierung der Presse", so Funke. Dies könne man auf Trump-Veranstaltungen längst beobachten.

Ein zu erwartender Shitstorm

Von Poynter auf den Verkauf des T-Shirts angesprochen, erklärte Sonya Gavankar, die PR-Chefin des Museums: "Uns ist schon klar, weshalb Sie diese Frage stellen. Als überparteiliche Organisation ist es eine unserer größten Stärken, dass wir nicht nur die freie Presse verteidigen, sondern auch die Redefreiheit. So können Menschen mit den unterschiedlichsten Einstellung einen Besuch im Newseum genießen."

Da die Poynter-Meldung inzwischen von zahlreichen US-Medien aufgegriffen wurde, machte sich natürlich wie zu erwarten auch die Empörung auf Twitter breit: "No fucking way @Newseum" heißt es da oder "As a reporter, you lost my business".

"Make America Great Again" ein Bestseller

Neben dem "Fake News"-T-Shirt zog vor allem auch die rote Baseball-Mütze von Donald Trump mit der Aufschrift "Make America Great Again", die der Museumsshop für 14,99 Dollar anbietet, die Kritik vieler Journalisten auf sich. Doch gerade sie und ein FBI-T-Shirt gehören nach Angaben des Newseums zu den Bestsellern.

Tatsächlich verkauft der Shop jede Menge Produkte mit den unterschiedlichsten Aussagen. So etwa auch ein T-Shirt mit dem Slogan "The World Is Too Small For Walls" oder ein anderes, auf dem der Begriff "Alternative Fact" als "a false statement delivered with deliberate intent to mislead or to deceive" definiert wird. Oder auch eine Krawatte mit dem Text des ersten Verfassungszusatzes. Es ist die ganze Palette des üblichen Museumsshop-Kitsches.

Doch in Zeiten von Trump wird auch Kitsch zum Politikum. Inzwischen erklärte das Newseum, dass es einen Fehler gemacht habe und entschuldigte sich dafür. Das "Fake News"-T-Shirt soll nun nicht mehr weiter verkauft werden.

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Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.