Ex-Spiegel-Online-Chef :
Florian Harms wird Chefredakteur bei T-Online.de

Ströer will seine Content-Plattform T-Online mit dem Neuzugang aus Hamburg zur journalistischen Qualitätsmarke weiterentwickeln.

T-Online.de hat einen neuen Chefredakteur. Florian Harms, bis Ende 2016 Chefredakteur von Spiegel Online, wird ab 1. September das Sagen im Berliner Newsroom haben. Die Verpflichtung von Harms ist gleichzeitig ein klares Statement. Ströer will sein Flaggschiff T-Online unter den führenden Nachrichtenangeboten platzieren. Das nach eigenen Angaben "reichweitenstärkste Portal Deutschlands" soll sich "sukzessive weiter entwickeln und zu einer der größten digitalen Medienmarken Deutschlands" werden, so Marc Schmitz, CEO der Ströer Content Group, dessen Co-Geschäftsführer ebenfalls ab Herbst Harms heißt.

Florian Harms war Ende 2016, nach knapp zwei Jahren als Chefredakteur von Spiegel Online, abberufen und durch die bisherige Stellvertreterin Barbara Hans ersetzt worden. Der Rauswurf gilt als Ergebnis des erbitterten Machtkampfes, der den Spiegel seit einigen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen brachte. Die Abberufung von Harms hatte auch eine Solidaritätsaktion von zahlreichen Redakteuren des Portals nicht verhindern können.

Bis zum Start von Harms führt Henkes interimistisch weiter

Mit der Verkündung des Chefredakteurs hat T-Online.de innerhalb kurzer Zeit die zweite wichtige Personalie öffentlich gemacht. Anfang April wurde die Ernennung von Arne Henkes als Ströers Director Content am Berliner Standort mitgeteilt. Henkes verantwortet den Aufbau des künftigen T-Online.de-Newsrooms, der im Sommer in der Hauptstadt eröffnet werden soll und ist schon deshalb ein wichtiger Partner des neuen Chefredakteurs.  Henkes übernimmt nach Ströer-Angaben zusätzlich "übergreifende publizistische Aufgaben in der Gruppe", wird sich also auch um rund zehn Special-Interest-Portale wie Giga.de, Kino.de oder Erdbeerlounge.de kümmern und die strategische Ausrichtung der Portale gestalten. Bis zum Start von Florian Harms als Chefredakteur führt Henkes die Redaktion interimistisch weiter.

Inhalte für das Public-Video-Netz

Die News-Redaktion in Berlin produziert laut Ströer für das Portal T-online.de aktuelle Nachrichten, exklusive Stories, Interviews und Info-Grafiken. Der Fokus liege hierbei auf den Leuchtturmthemen Politik, Sport, Unterhaltung und Digitales. Des Weiteren steht der Aufbau eines eigenen Brand-Reach-Departments im Vordergrund, in dem eigene Teams für SEO, Social Media und Sprachsteuerung für eine stärkere Fokussierung auf Reichweitenkanäle sorgen, heißt es bei Ströer. Insgesamt wird das Angebot also in Richtung Publishing 3.0 weiterentwickelt. Ströer setzt auf multimediales Storytelling über alle Kanäle hinweg. So soll der Content der Ex-Telekom-Tochter künftig auch über das Public-Video-Netz in Bahnhöfen und Einkaufszentren ausgespielt werden.

Ströer hat den bisherigen redaktionellen Standort von T-Online.de mit Beginn des April endgültig geschlossen. Die Entscheidung hatte über lange Zeit für Diskussionen und Proteste gesorgt, vor allem da rund 100 Mitarbeiter dadurch ihren Job verloren. Wie viele von ihnen jetzt im Berliner Newsroom arbeiten ist offiziell nicht bekannt. In den vergangenen Monaten wurden viele Stellen ausgeschrieben und neu besetzt. Die Redaktion soll bis Sommer auf rund 230 Mitarbeiter anwachsen. Die Nachrichtenzentrale hat ihren Sitz in der Torstraße.

Mit dem Zukauf des Reichweitenriesen T-Online wurde das Kölner Unternehmen zu einem der führenden Digital-Publisher in Deutschland. Die neu gegründete Ströer News Publishing GmbH erreicht mit ihren Angeboten jeden Monat über 33 Millionen Unique User.

Mit Harms setzt Ströer auch ein deutliches Zeichen. Der ehemalige Spiegel-Online-Chef steht für digitalen Qualitätsjournalismus. Der gebürtige Stuttgarter hat die Entwicklung von Spiegel Online über viele Jahre hinweg in verschiedensten Positionen geprägt.

Lesetipp: 2014 ist Harms von W&V interviewt worden. Damals zum Thema Sport auf Spiegel Online. Hier geht's zum Interview.

(op/lip)


Autor:

Holger Schellkopf

Chefredakteur Digital. Sozialisiert mit Print, konvertiert zu digital. Wild entschlossen, doch noch eine wirkliche Ahnung von der Sache mit dem Coden zu bekommen. Feste Überzeugung: Digital Journalism rocks! Versucht ansonsten, sich so oft wie möglich auf das Rennrad zu schwingen oder in die Laufschuhe zu steigen.  



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit