- Es sind zwar "nur" zwei Jobs, die im April beim "Spiegel" wegfallen, doch es sind zwei gut bezahlte: Die Doppelspitze aus Print-Chef Georg Mascolo und Digital-Chef Mathias Müller von Blumencron muss weichen. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung", begründet der Verlag den Schritt nach Tagen der Spekulationen. Mit Spekulationen geht es weiter, und als endlich die Entscheidung pro Ex-"Spiegel"-Mann und dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner fällt, ist das Image des Nachrichtenmagazins arg angekratzt. Öffentlich zerfleddert sich die "Spiegel"-Crew weiter, als Büchner "Bild"-Mann Nikolaus Blome in die Chefredaktion holen will.

- DIE Entscheidung in der deutschen Presse schlechthin wird Ende Juli verkündet: Deutschlands bis dato größtes Zeitungshaus Axel Springer verkauft die meisten Printtitel und konzentriert sich auf Digitales. Für 920 Millionen Euro sollen die Traditionstitel "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt", die "Hörzu" und weitere Zeitschriften an die Funke Mediengruppe veräußert werden. Die "WAZ"-Mutter ist für ihre Fusionitis in Redaktionen legendär – wie viele der betroffenen rund 900 Mitarbeiter an Bord bleiben, wird wohl erst nach komplettem Vollzug im kommenden Sommer klar sein. Noch könnte das Kartellamt die Partner beim größten Brocken des Deals – Programmies sowie gemeinsamer Verkauf und Vertrieb – ausbremsen.

- In NRW kreist der Rotstift besonders häufig. Im September verkündet DuMont, dass bis Ende 2014 jeder Zehnte gehen soll, 84 Stellen in Druck, Verlag und Verwaltung fallen weg. Die Mediengruppe begründet den Schritt mit herben Einbrüchen im Anzeigengeschäft - 2012 fehlten demnach gegenüber dem Vorjahr rund zehn Millionen Euro des Umsatzes bei Anzeigen und Beilagen. Dieses Jahr sehe es nicht besser aus, 2014 schon gar nicht.

- Ebenfalls im September verkündet: Gruner + Jahr holt im Zuge der kompletten Neustrukturierung des Haus in "Communities of Interest" einen Großteil des Münchner Geschäfts in die Zentrale. "Neon", "P.M.", "Wunder Welt Wissen", die "Eltern"-Gruppe sowie die dazugehörigen Verlagsabteilungen wie Direct Sales und Creative Solutions sollen von Bayern nach Hamburg ziehen. Betroffen von der Maßnahme sind rund 120 Mitarbeiter. Ihnen soll ein Angebot unterbreitet werden, in die Elbmetropole zu wechseln, was zu Protesten führt. Die Redaktionen sollen bis Mitte nächsten Jahres umgezogen sein. Wer alles mitgeht – noch unklar.

- Madsacks Pläne für eine Zentralredaktion, die alle Zeitungen des Konzerns mit einem überregionalen Mantel versorgen wird, stoßen im November auf Unmut bei Kritikern der Zeitungs-Fusionitis. Die im Rahmen des Strategiekonzepts "Madsack 2018" entwickelte Struktur verpackt die Mediengruppe in einer neuen Firma namens RND. Damit das Ganze möglichst viel Gewinn abwirft, wird die neue Gesellschaft nur im ersten Schritt allein die 18 Madsack-Blätter in Print und Online beliefern. "In einem weiteren Schritt will RND auch externe Kunden gewinnen", heißt es. Eigentlich sollen die fürs Überregionale wirkenden Redakteure weiter an Bord bleiben.

Wenn Stellen aufgebaut werden, dann eigentlich nur noch im digitalen Bereich – sei es bei der "FAZ", wo künftig zehn Journalisten mehr zusammen mit dem neuen Digitalchef Mathias Müller von Blumencron FAZ.net anschieben sollen. Oder bei Springer, wo Millionen für den Neubau eines digitalen Zentrums ausgegeben werden und bei den übrig bleibenden Printmarken "Bild" und "Welt" das Label "Multimedial" im Vordergrund steht. Ein Neustart des Jahres wirkt auf viele Journalisten eher wie der Vorbote zu einer besonders düsteren Zukunft: die deutschsprachige Ausgabe der "Huffington Post". Vorbild ist die 2005 gestartete amerikanische "HuffPo" – samt Geschäftsmodell: Blogger schreiben kostenlos. Bezahlt werden sie einzig mit Reichweite und mehr Aufmerksamkeit.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.