Studie zum Sozialverhalten vor dem Fernseher :
Geglotzt wird am liebsten gemeinsam

Yougov und Samsung haben das Sozialverhalten der Deutschen vor dem Fernseher untersucht. Und den Trend "Social Watching" als Trend im Streaming-Zeitalter identifiziert.

Text: Susanne Herrmann

Vor allem mit dem Partner wird gern gemeinsam ferngesehen.
Vor allem mit dem Partner wird gern gemeinsam ferngesehen.

„Nutzen Sie Streamingdienste bzw. Video-on-Demand?”

Erst mal scheint das ein Widerspruch zu sein: Gerade der Siegeszug von Streaming und Video on Demand führt schließlich dazu, dass Fernsehschauen so individuell ist wie nie zuvor. Jeder bekommt das, was er sehen will, rund um die Uhr überallhin geliefert; für jeden Geschmack und jede Stimmung ist garantiert was zu finden bei Anbietern wie Netflix, Amazon, Youtube, Sky oder Maxdome.

Und doch: Den Daten einer Yougov-Umfrage für Samsung zufolge schauen zwei von drei Deutschen am liebsten gemeinsam. 68 Prozent nennen als Grund dafür Geselligkeit, 48 Prozent wollen mit anderen mitfiebern, 40 Prozent lachen gern gemeinsam. 

"Social Watching" nennen die Autoren der Studie zum Fernsehverhalten das. Und das bezieht sich nicht nur auf Partien der Fußballnationalmannschaft bei großen Wettbewerben.

Am liebsten mit den Liebsten

Filme (49 Prozent) und Serien (40 Prozent) schauen viele der Befragten am liebsten mit dem Partner. Drei Viertel (77 Prozent) haben sich schon mal zu Hause oder bei Freunden zum Serienschauen, zum Filmabend oder zu einem Sport- oder TV-Event verabredet. Die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sieht Serien gerne in Gesellschaft, zwei von drei (66 Prozent) wollen bei Filmen nicht allein auf der Couch sitzen und 72 Prozent erleben Events wie eine Fußball-WM lieber gemeinsam.

Zu den "Events" gehören Veranstaltungen wie der Eurovision Song Contest ebenso wie der Staffelauftakt von Kultserien, zum Beispiel "Game of Thrones". Solche Fernsehhöhepunkte schauen vor allem die 18- bis 24-Jährigen am liebsten mit der "Couchcrew": mit Freunden (42 Prozent) und Familie (30 Prozent).

Jeder dritte Deutsche (35 Prozent) verlässt zum Social Watching mindestens einmal im Monat die eigene Couch und trifft sich außerhalb der eigenen vier Wände; bei den 18- bis 24-Jährigen ist es sogar fast die Hälfte (48 Prozent). Fürs Gruppengucken, freut sich Samsung, braucht es natürlich auch einen großen Bildschirm: Für 41 Prozent der Deutschen sind nach einer GFU-Studie große Bildschirmgrößen das zweitwichtigste Kaufkriterium.

"Die Umfrage zeigt, dass Fernsehen sich längst vom passiven Zuschauen zum Social Watching gewandelt hat. Der TV ist heute Treffpunkt für Freunde und Familie und Plattform für gemeinsame Aktivitäten wie Filmabende, Binge-Watching und Multiplayer-Spiele", sagt Kai Hillebrandt, Vice President Consumer Electronics Samsung GmbH.

Gerade für die 18- bis 24-Jährigen spielt die soziale Komponente des TV-Erlebnisses eine wichtige Rolle: 71 Prozent haben sich schon mal zu einem Serienmarathon verabredet. Aber auch bei über der Hälfte der 25- bis 34-Jährigen (58 Prozent) ist das sogenannte "Binge-Watching" angekommen. 34 Prozent der Befragten aller Altersgruppen haben schon mal einen gemeinsamen Serienmarathon zelebriert. Unter anderem deswegen, weil der Austausch über das Gesehene eben nicht nur im Social Web, sondern auch persönlich erfolgt: Das gilt für 91 Prozent der 18- bis 24-Jährigen; in den älteren Gruppen sind es im Schnitt 76 Prozent.

Die Jüngeren streamen weit mehr als sie linear fernsehen

Parallel zum Dauerglotzen ist Video-on-Demand (VoD) in allen Altersgruppen angekommen. Fast die Hälfte der Deutschen (43 Prozent) schaut regelmäßig und nutzt dabei sowohl kostenlose als auch bezahlte Plattformen; Gratis-Angebote wie Youtube werden laut Bitkom-Daten sogar von 75 Prozent der Befragten genutzt.

Was die Altergruppe 18 bis 24 angeht, hat Streaming das lineare Fernsehen bereits überholt: 80 Prozent der Jüngeren nutzen VoD- und Streaming-Angebote, nur noch 67 Prozent schauen linear. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind es immerhin schon 56 Prozent, die streamen, bei den 45- bis 54-Jährigen 42, bei den Über-55-Jährigen 23 Prozent. Unter anderem, weil das mit der zunehemnden Verbreitung von Smart-TV-Geräten immer komfortabler für die Nutzer wird. Laut einer GFU-Analyse aus dem Jahr 2016 besitzt mehr als die Hälfte der Deutschen einen Smart TV - drei Viertel davon sind ans Internet angeschlossen.

Und darauf wird nicht nur ferngesehen: 45 Prozent der Deutschen nutzen ihren internetfähigen Fernsehapparat, um Fotos anzuschauen, Informationen aus dem Internet zu beziehen oder Videogames zu spielen.

Die Daten hat Yougov im Auftrag von Samsung im Rahmen einer repräsentativen Mehrthemenumfrage erhoben. Dafür wurden 1030 Deutsche im Alter ab 18 Jahren im Juni online befragt.

„Nutzen Sie Streamingdienste bzw. Video-on-Demand?”


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.