"SZ" vs. Eyeo :
Gericht muss noch über Adblocker entscheiden

Erst im Juni fällt ein Urteil in der Frage, ob das OLG München Adblocker von Eyeo verbieten wird. Neben der "SZ" klagen weitere Medien gegen den Werbebann im Netz. Aber es geht um noch mehr. 

Text: Petra Schwegler

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Kostenloses Adblock Plus: "SZ", ProSiebenSat.1 oder auch IP lagen gegen den Werbebann im Netz.
Kostenloses Adblock Plus: "SZ", ProSiebenSat.1 oder auch IP lagen gegen den Werbebann im Netz.

Gehören Adblocker verboten? Mit dieser Frage hat sich jetzt das Oberlandesgericht München befasst. Nach stundenlanger Verhandlung erging am Donnerstag zunächst kein Urteil. Das Gericht wollte den Prozessparteien - Medienunternehmen wie die "Süddeutsche Zeitung" und ProSiebenSat.1 vs. Adblock-Plus-Anbieter Eyeo - schriftlich mitteilen, wie es weitergeht. Eine Entscheidung ist nun für den 29. Juni angesetzt. Einige Verfahrensbeteiligte hatten angekündigt, weitere Schriftsätze einreichen zu wollen. 

"SZ", ProSiebenSat.1 und andere wollen die kostenlose Werbeblocker-Software der Kölner Firma verbieten lassen. Sie verlangen Schadenersatz. Allein im Verfahren zwischen der Firma und der "Süddeutschen Zeitung" - einem von insgesamt drei - bezifferte das Gericht den Streitwert auf 2,5 Millionen Euro.

Nach Meinung der Kläger greift die Software, die Werbung im Internet blockieren kann, erheblich in die Strukturen ihrer Internetseiten mit journalistischen Inhalten ein. In der Folge könnten annähernd keine Werbeerlöse mehr erzielt werden.

"SZ" und Co. wollen sich nicht dem Eyeo-Geschäftsmodell beugen

Die Unternehmen, zu denen auch RTL-Vermarkter IP Deutschland zählt, bemängeln vor allem, dass es zum Geschäftsmodell von Eyeo gehöre, Werbung durch den Eintrag in eine so genannte Whitelist gegen Geld wieder zu ermöglichen. Ziel sei es, dass die Unternehmen sich dann "in ihrer Not an die Beklagte wenden", führte ein Anwalt der "Süddeutschen Zeitung" aus. Medienhäuser müssten entweder große Umsatzeinbußen hinnehmen - "oder sich dem Geschäftsmodell beugen".

Ein Anwalt von ProSiebenSat.1 sprach von "freikaufen", Verleger hatten das Eyeo-Vorgehen vor einigen Monaten bereits als "Wegelagerei" bezeichnet. Die vorherige Instanz hatte die Klagen von "SZ" und ProSiebenSat.1 weitgehend abgewiesen. Dagegen legten die Medienunternehmen Rechtsmittel ein.

Der Blocker mit über 100 Millionen Nutzern ist vielen Medienunternehmen ein Dorn im Auge. Im Sommer 2016 erzielte der Springer-Verlag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Köln einen Teilerfolg gegen Eyeo.

Im Hintergrund arbeiten indes Publisher und Werber an neuen Geschäftsmodellen oder Werbeideen, um die Werbeblockaden sinnvoll auszuhebeln.

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



3 Kommentare

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Anonymous User 13. März 2017

Die beschriebene Praxis sollte definitiv verboten werden. Adblocker grundsätzlich nicht.
Ich denke, die Unternehmen vertauschen hier Ursache und Wirkung. Wenn ich an manchen Seiten sehe, wie viele Tracker, Werbung, Beacons, ... und Analytic-Programme da im Hintergrund laufen...
Die Daten werden sicherlich nicht nur aus Jux und zur Browser-/Geräteoptimierung ;-) erhoben.
Ein Schelm, wer so Böse denkt, dass mit diesen Daten Geld verdient wird. Allein mit diesem Geld sollten die Mannstunden für einen Artikel schon fast erwirtschaftet sein.
Es wird auch an der Zeit, dass die Unternehmen mal umdenken. Wenn ich bei meinem TV-Paket bei Sky, Unitymedia, Telekom, ... buche, in dem ich z. B. N-TV sehen kann und dafür bezahle, dass es frei geschaltet wird, erwarte ich einen Website-/Appzugang ohne Werbung.

Anonymous User 10. März 2017

Wer heute noch glaubt, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist ist entweder naiv oder dumm. Die neuesten Nachrichten aus aller Welt oder vom eigenen Kiez für umme? Wie seriös wären die? Wer bislang glaubte, das kostenlose Wochenblatt wäre von mildtätigen Verlagen, weil sich der Empfänger keine Tageszeitung leisten kann, lebt in einer anderen Welt. Denn hier ist das Gewicht des "kostenlosen" Wochenzeitung um ein Vielfaches von Werbe-Flyern übertroffen. Aus dem Briefkasten genommen, fliegen einem die Prospekte bildlich vor die Füße. Das sich Verlage in ihren Onlinenachrichten der Finanzierung durch Werbung bedienen ist legitim. Wer das nicht wünscht sollte sich der alternativen werbefreien Informationsquellen bedienen und dafür auch bezahlen. Qualität und Aktualität gehört entsprechend bezahlt. Allerdings sind manche Werbeeinblendungen unangenehm platziert oder lassen den Browser abstürzen Ununterbrochen, vor dem Betrachten eines Videobeitrags, immer wieder den gleichen Werbespot sehen zu müssen ist nicht nur grenzwertig, sondern nervt dermaßen, dass man das Produkt nicht zu kaufen, sondern zum Teufel wünscht.

Anonymous User 10. März 2017

Ja, eyeo betreibt "Schutzgelderpressung".
Solange Webseiten nervige animierte Werbung ausspielen oder gar Schadsoftware über die Ads verbreiten bleibt dem User aber nur Selbstschutz: nutzt also eine offene Software wir uBlock Origin!

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