Großbritannien :
Gewinneinbruch beim Daily Telegraph

Der Verlag reagiert auf die sinkenden Erlöse mit einem Investitionsprogramm. Online fährt er eine "Registrations-first"-Strategie. Mit ersten Erfolgen.

Text: Franz Scheele

Im Gegensatz zu anderen überregionalen britischen Qualitätszeitungen wie etwa dem Guardian oder der Times, die seit Jahren zum Teil riesige Verluste verzeichnen, oder dem Independent, der nie aus den roten Zahlen kam und dessen Print-Ausgabe Anfang 2016 eingestellt wurde, galt der Daily Telegraph immer als hochprofitabel. Doch der weiterhin stark rückläufige Print-Anzeigenmarkt macht nun auch der Telegraph Media Group (TMG) schwer zu schaffen.

So ging der operative Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr 2017 um mehr als 32 Prozent auf nur noch 21 Millionen Pfund (23,7 Mio. Euro) zurück. Der Gewinn vor Steuern halbierte sich sogar gegenüber 2016 von 27,1 auf 13,7 Millionen Pfund (15,5 Mio. Euro). Der Gesamtumsatz lag bei 285,7 Millionen Pfund (323 Mio. Euro) – ein Minus gegenüber 2016 von 6 Prozent. Entscheidender Auslöser dieser Negativ-Entwicklung: Der weitere Rückgang bei den Anzeigen- und Vertriebserlösen im Print-Bereich um 9 Prozent.

Während in einer solchen Situation andere Verlage in der Regel mit drastischen Kostensenkungsmaßnahmen reagieren, entschloss sich die TMG, verstärkt in das journalistische Produkt zu investieren. Um den Qualitätsjournalismus zu stärken, wurde deshalb ein Investitionsprogramm in Höhe von 10 Millionen Pfund (11,3 Mio. Euro) verabschiedet. Damit will der neue TMG-CEO Nick Hugh unter anderem 39 neue Redakteursstellen schaffen.

Im Fokus steht dabei vor allem die Website Telegraph.co.uk, die im September vergangenen Jahres eine "Registrations-first"-Strategie startete. Ziel ist es dabei, in den nächsten Jahren die Zahl von 10 Millionen registrierten Nutzern zu erreichen. Zahlreiche Meldungen der Site sind seither nur noch für Abonnenten zugänglich. Registrierte Nutzer haben allerdings die Möglichkeit, pro Monat eine geringe Anzahl dieser Meldungen kostenfrei aufzurufen.

Nach Verlagsangaben hat die Site inzwischen rund 2,5 Millionen registrierte Nutzer, bis Ende des Jahres sollen es 3 Millionen sein. Zugleich haben laut Verlag die Erlöse aus Digital-Abonnements um 30 Prozent zugelegt . Allerdings macht die TMG keine konkreten Angaben zur Zahl der bestehenden Digital-Abos.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.