Holtzbrinck :
Handelsblatt baut 80 Stellen ab - Marianne Dölz geht

Der neue Handelsblatt-CEO Gabor Steingart baut das Düsseldorfer Verlagshaus radikal um: Parallel zur Einführung neuer Digital- und Research-Produkte werden rund 80 Stellen gestrichen, darunter zwölf Führungspositionen. Auch Vermarktungschefin Marianne Dölz geht. Verlagshaus? Das will die Handelsblatt-Gruppe übrigens auch nicht mehr sein.

Text: W&V Redaktion

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Der neue Handelsblatt-CEO Gabor Steingart baut das Düsseldorfer Verlagshaus radikal um: Parallel zur Einführung neuer Digital- und Research-Produkte werden rund 80 Stellen gestrichen, darunter zwölf Führungspositionen. Verlagshaus? Das will die Handelsblatt-Gruppe (VHB) übrigens auch nicht mehr sein. Steingart positioniert das Düsseldorfer Medienunternehmen jetzt als "als Gemeinschaft zur Verbreitung des wirtschaftlichen Sachverstandes" (O-Ton). Die schlechte Nachricht zuerst: Knapp zehn Prozent der Belegschaft müssen gehen; "bestmöglich sozial gestaltet", wie es in einer Pressemitteilung der VHB heißt. Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen bereits. Prominentester VHB-Abgang ist Geschäftsführerin Marianne Dölz. Die Ex-Chefin der Mediaagentur Initiative war seit 2009 für die Vermarktungstochter IQ Media zuständig, die künftig Gabor Steingart direkt untersteht. Dölz' bisherige Co-Geschäftsführer Christian Herp und Franjo Martinovic bleiben im Amt, komissarisch unterstützt von Kai Ladwig. Die Printvermarktung soll "in Kürze durch einen in der Medienszene weithin bekannten und respektierten Anzeigenexperten verstärkt" werden.

Marianne Dölz will sich laut VHB im "besten freundschaftlichen Einvernehmen mit dem Gesellschafter und den Verlagskollegen neuen Aufgaben zuwenden". Eine ungewöhnlich warmherzige Würdigung von Verleger Dieter von Holtzbrinck ("Wir lassen Marianne Dölz nur sehr ungern ziehen, danken ihr sehr für ihre großen Erfolge und die immer erfreuliche Zusammenarbeit und wünschen ihr viel Glück und Freude") spricht entweder für tiefempfundenes Bedauern oder für clever ausgehandelte Trennungskommunikation.

Die guten Nachricht ist: Die Verlagsgruppe Handelsblatt spart nicht nur, sie investiert auch in neue Produkte. Am 4. März startet die kostenpflichtige Tablet-Zeitung "Handelsblatt Live" (allerdings nur auf dem iPad). Die Einführungskampagne unter dem Claim "Journalismus für eine neue Generation" ist mit einem Brutto-Anzeigenwert von rund 2,5 Millionen Euro budgetiert. Sie soll auf diversen Online-Portalen und in Zeitungen und Zeitschriften von Springer, Spiegel und Holtzbrinck-Gruppe laufen. Den Launch der App unterstützen laut VHB "namhafte Werbekunden wie die Deutschen Bank und Vodafone".

Mitte 2013 wollen die Düsseldorfer außerdem "zielgruppenspezifische Paket-Angebote für Beratungsorganisationen und für industrielle Mittelstandsunternehmen auf den Markt bringen". Darüber hinaus seien "neue journalistische Finanzprodukte für eine jüngere Zielgruppe und E-Commerce-Angebote" geplant. Entwickelt wird das alles von der Verlagstochter VHB Ventures unter Leitung von Fabian von Trotha und Peter Richarz. Anfang des Jahres hatte die VHB bereits das "Research Institute" mit dem früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup an der Spitze gestartet. Die Marktforschungsfirma werde schon in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben, heißt es in Düsseldorf.


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