ProSieben - Schlag den Henssler :
Henssler steigt wegen mauer Quoten aus

Stefan Raab lieferte seinem Haussender ProSieben einst mit "Schlag den Raab" ein Erfolgsrezept. Sein Nachfolger, Fernsehkoch Steffen Henssler, konnte nicht daran anknüpfen.

Text: Susanne Herrmann

Steffen Henssler hat sich auf dem Sendeplatz bei ProSieben mit "Schlag den Henssler" nicht beim Publikum durchsetzen können.
Steffen Henssler hat sich auf dem Sendeplatz bei ProSieben mit "Schlag den Henssler" nicht beim Publikum durchsetzen können.

Der Koch ist raus. Die sinkenden Einschaltquoten haben Steffen Henssler gegrillt. Nach der achten Ausgabe von Schlag den Henssler am vergangenen Wochenende hat er sich entschieden, dass diese Folge der Fernsehshow die letzte für ihn gewesen sein soll. Das teilte nun ProSieben mit.

Henssler gefasst: "Mir war von Anfang an klar, dass es kein Spaziergang wird, diese Sendung zu übernehmen. Ich habe alles gegeben, aber man braucht nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Der Zuschauer will mich in dieser Rolle nicht sehen und das muss man einfach akzeptieren. Und deswegen heißt es jetzt: Mund abwischen und ab ins nächste Abenteuer. Ich möchte mich aber noch mal ausdrücklich bei allen Verantwortlichen von ProSieben und Brainpool für die tolle Zeit und das entgegengebrachte Vertrauen bedanken."

ProSieben-Senderchef Daniel Rosemann: "Fernsehen bedeutet ständige Veränderung - für Künstler, für Sender und für Shows. Wir respektieren Steffen Hensslers Wunsch, einen nächsten Schritt zu gehen und bedanken uns bei ihm herzlich für eine gute gemeinsame Zeit."

Quoten im Sinkflug

Seit Herbst 2017 bestritt Steffen Henssler etwa einmal im Monat den Samstagabend auf ProSieben. Und trat dabei in große Fußstapfen. Das Format, 2006 erfunden von Stefan Raab, war einer der Umsatzbringer bei dem Münchner Privatsender. 2014, im letzten Jahr vor seinem Ausstieg, lag der errechnete Bruttowerbeumsatz von "Schlag den Raab" laut Ebiquity bei 33,6 Millionen Euro (im Schnitt 4,6 Mio. pro Folge). Die Show hatte damals auch den höchsten Bruttopreis pro Werbesekunde. Der TV-Star Raab war mit 107 Millionen Euro brutto der größte Erlösbringer bei ProSieben 2014 gewesen.

Auch die Quoten stimmten. Teilweise schalteten gute 30 Prozent der umworbenen Zielgruppe ein, wenn sich Raab in verschiedenen Spielen mit Kandidaten maß.

Steffen Henssler musste sich am 22. September mit 1,1 Millionen Zuschauern (5 Prozent) ab 3 Jahren begnügen. Von den 14- bis 49-Jährigen waren 570.000 dabei - das entspricht 7,9 Prozent Marktanteil. Das bedeutet: klar unter Senderschnitt.

Bei der Premiere vor einem Jahr, am 30. September 2017, war der Fernsehkoch immerhin vielversprechend gestartet. 16,1 Prozent der Werberelevanten schauten zu. Die Werbeeinnahmen lagen bei 3,8 Millionen brutto (Quelle: Ebiquity).

Bei Vox hatte sich Steffen Henssler vor einem Jahr verabschiedet aus "Grill den Henssler" - es war ein Quotengarant für den RTL-Schwestersender gewesen, denn dort erreichte der Koch zuletzt m die 9 Prozent der 14- bis 49-Jährigen. Und machte seinen Nachfolgern das Leben schwer: Die wechselnden Köche bei "Grill den Profi" erreichten nicht die Marktanteile wie Vox sie von Henssler gewohnt gewesen war.

ProSieben setzt seit Raabs Weggang stark auf das Duo Joko & Klaas. Die beiden Moderatoren sind mit "Die beste Show der Welt" und "Das Duell um die Welt" die Zugpferde der Münchner. Und haben sich nun mit einer eigenen Produktionsfirma für ihre Erfolgsformate selbstständig gemacht.

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf können sich gleich am 6. Oktober beweisen. Dann werden vier Samstagabendshows gegeneinander laufen. Die ARD sendet um 20.15 Uhr die Quizsendung Ich weiß alles mit Jörg Pilawa und Günter Jauch, beim ZDF setzt man auf Thomas Gottschalk und Musikerlegenden in Gottschalks großer 68er-Show, der Kölner Privatsender RTL setzt Das Supertalent an und Dieter Bohlen ans Jurypult, bei ProSieben moderieren Joko & Klaas Beginner gegen Gewinner.  

Update:
Kurz nach der Bekanntgabe des Aus von Henssler teilte ProSieben mit, dass "Schlag den Star" den Sendeplatz ab 8. Dezember übernimmt. 2019 soll es sechs Ausgaben geben, live am Samstagabend. Rosemann: "Die Sommer-Ausgaben von 'Schlag den Star' haben gezeigt, wie viel Kraft in dieser Marke steckt." Sie erreichten bis zu 15 Prozent der 14- bis 49-Jährigen. Produziert wird "Schlag den Star" von Raab TV.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.