TV im Netz :
Internet-Quoten: AGF legt erste Streaming-Hitlisten vor

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung AGF hat erste Ergebnisse ihres Video-Streaming-Projektes vorgelegt. Sie sind allerdings noch mit Vorsicht zu genießen.

Text: Sebastian Feuß

In Evolutionsstufen betrachtet sei man nun aus dem Wasser gekrabbelt, so Robert Schäffner, Head of Media Research beim RTL-Vermarkter IP Deutschland und Leiter AG Streaming bei der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF). Schäffner hat mit dem Vergleich ziemlich genau den Stand der AGF-Bewegtbildforschung getroffen. Denn am Ziel ist die AGF längst noch nicht. Voraussichtlich erst im Jahr 2015 werde man die "Internet-Quote" mit der Fernseh-Quote fusionieren können. Dann wird endlich das vorliegen, was sich der Werbemarkt schon so lange wünscht: eine Konvergenzwährung.

In München sind nun erste – unvollständige – Hitlisten präsentiert worden, die Auskunft darüber geben, welche Videos auf welchem Portal wie etwa RTL Now wie häufig abgerufen werden. Unvollständig beziehungsweise vorläufig sind diese Hitlisten, weil erstens nicht alle Sender der vier AGF-Gesellschafter – ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 – erhoben werden. Auch Portale wie Maxdome von ProSiebenSat.1 fehlen. Zumindest die TV-Sender der Gesellschafter sollen zur Gänze im zweiten Quartal dieses Jahres dabei sein. Zweitens ist nur die Online-Video-Nutzung auf Windows-PCs und -Laptops erfasst. MacOS X kommt hinzu, für mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones hat man noch keine technischen Erhebungslösungen gefunden.

Zu den ersten – wenig überraschenden und nur auf der so genannten Vollerhebung, nicht aber auf dem avisierten Nielsen-Panel beruhenden – Erkenntnissen der AGF-Bewegtbildforschung gehört, dass die klassische TV-Nutzung und der Konsum von Online-Bewegtbildinhalten unterschiedlichen Mustern folgen. "Stärker als im TV", erläuterte AGF-Vorstandsvorsitzende Karin Hollerbach-Zenz bei der Präsentation, "wird die Nutzung von Video-Streaming durch Programm-Events und Hits getrieben".  Je länger die Streams jedoch seien, desto stärker würden sie wie TV genutzt. Kürzere Video-Clips werden den AGF-Ergebnissen zufolge meist tagsüber abgerufen. Längere Streams haben ihre Primetime auch abends, allerdings bis in den späten Abend. Ein weiterer Nutzungspeak zeigt sich um 8 Uhr morgens.

Sieht man sich die Hitlisten etwa für die Abrufe der RTL Now-Videoangebote an, so stellt man fest, dass vor allem Soaps wie "Alles was zählt" oder "Unter uns" gefragt sind. Sie kommen auf bis zu 95.000 Abrufe in sieben Tagen.  Ganz weit vorn auch die Casting-Folgen von "Deutschland sucht den Superstar", die weit mehr als 200.000 Mal abgerufen werden. Ein Renner in den vergangenen Wochen war auch die Dschungel-Show "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!", die auf fast 250.000 Abrufe kommt.

Der nächste Schritt der AGF soll nun sein, die soziodemographischen Strukturdaten aus dem Online-Panel anzureichern um die Nutzungsdaten aus der Zensusmessung. Neben der schrittweisen Integration der Daten in die AGF-Auswertungssysteme werde im Laufe des Jahres die Zusammenführung der Daten aus dem Online-Panel mit Daten aus dem TV-Forschungspanel vorbereitet, hieß es.