Kommentar :
Jugend heute: Konsument und zugleich Produzent

Zum Weltkindertag der Vereinten Nationen macht sich "Fluter"-Macher Andreas Schöpf Gedanken über Medienangebote für Heranwachsenden.

Text: Petra Schwegler

Andreas Schöpf residiert am Moritzplatz in Kreuzberg, Berlins neuem Kreativzentrum. Dort entsteht in den Räumen der Kommunikationsagentur Redaktion und Alltag der "Fluter", das Online-Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Die zwölfköpfige Redaktion und ein Pool aus rund 250 internationalen Autoren, Journalisten und Produzenten liefert Content mit Hintergründen und Argumenten – "unabhängig, frei von Kommerz und mit einem eindeutigen Bildungsauftrag im Hintergrund", wie Geschäftsführer Schöpf betont. Von Nazis bis Sex - die monatliche Themenauswahl von "Fluter" bedient vielseitige soziale Interessensgebiete von Jugendlichen. Der Artikel über einen schwulen Fußball-Bundesligaspieler in der September-Ausgabe etwa hat ganz Deutschland bewegt. Die Dezember-Ausgabe wird sich mit dem Thema Armut beschäftigen. Andreas Schöpf, der einst für die Musikmarke MTV in Deutschland gewirkt hat, spricht sich zum Jahrestag der 23. Kinderrechtskonvention auf W&V Online dafür aus, mit qualitativ hochwertigen Inhalten Heranwachsenden Orientierung zu bieten.

Der digitale Jugendliche - Konsument und Produzent

Mitte der Neunziger wurden wir erstmals auf sie aufmerksam: die Digital Natives. Heute sind sie nicht zu übersehen – Kinder und Jungendliche, die dank ihres Handys oder ihres Tablets überall alles können. Hören, Sehen und Vernetzen – dieses Phänomen hat seine Geschichte. Am Anfang standen die damaligen Leitmedien wie das Fernsehen bis hin zu den Printprodukten wie die "Bravo". Diese Hauptanbieter von Jugendthemen wurden durch den rasanten, technischen Fortschritt schnell eingeholt. Massentaugliche Anbieter für User Generated Content wie MySpace, Facebook und YouTube übernahmen bald die Bereiche der Information und des Austausches von Jugendlichen, in denen die klassischen Medien ihre Grenzen fanden.

Ein neues Zeitalter der aktiven Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen über Art und Weise bis hin zu den Inhalten ihres Informationsaustausches begann. Über die Qualität der Inhalte dieser neuen Medien und deren Auftrag wird viel diskutiert. Wie gestaltet man das Recht auf Information kind- und jugendgerecht? In der UN-Kinderrechtskonvention findet man eine Antwort: Das Recht auf Information ist auch immer mit dem Recht auf Bildung verbunden.

Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen - der weltweite Grundpfeiler der Rechte von Kindern und Jugendlichen feiert am 20. November ihren 23. Geburtstag. In Teilen soll damit der Zugang zu Informationen und Material aus einer Vielfalt nationaler und internationaler Quellen, welche die Förderung seines sozialen, seelischen und sittlichen Wohlergehens zum Ziel haben, über Massenmedien sichergestellt werden. Einige Verlage nehmen sich ernsthaft den Bedürfnissen junger Leser an. Die Website der "Süddeutschen Zeitung", jetzt.de und der "Stern"-Ableger "Neon" liefern seit Jahren frische Online-Ausgaben mit mutigen Themen.

Dennoch sind anspruchsvolle Inhalte in sinnvollen, qualitativ hochwertigen Umfeldern schwer zu finden. Oftmals sind projektbezogene Themen nicht von langer Dauer. Investitionen werden vorrangig auf Erfolg statt ganzheitlichen Nutzen bewertet. Dabei sollte es durch technische Diversifikation doch gerade die Stärke des Internets sein, dass Jugendliche sich individuell nach ihren Interessen informieren können. Mehr denn je brauchen Heranwachsende Orientierung – zu Themen die sie bewegen, zu dezidierten Fragestellungen im Alltag und zu Werten, die sie bei ihrer eigenständigen Meinungsbildung unterstützen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.