Die Leser beklagten vor allem die mangelnde (Qualitäts-)Kontrolle vorab. Erst die deutliche Antwort des Social-Media-Teams konnte die Wogen etwas glätten: "Ja, wir werden in Zukunft etwas unternehmen, dass so etwas nicht wieder passieren wird, das kann ich Euch garantieren. Auch wir waren, als wir am Sonntag diesen "Prospekt" in unserer Zeitung sahen, mehr als entsetzt. Es entspricht in keiner Weise der Philosophie unseres Hauses, solches unsägliches Gedankengut zu verbreiten." Außerdem erklären sie, wie es zu der Beilage kam. Eine Werbeagentur habe diesen "Verteilauftrag" erteilt - das übliche Geschäft für Anzeigenblätter. " Die 'Prospekte' wurden dann direkt an unsere Druckerei (in Gelnhausen) geliefert und wurden dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag den Zeitungen maschinell beigelegt. Eine Inhaltskontrolle der Prospekte ist nicht vorgesehen (was auch normalerweise keinen Sinn ergäbe".

Lothar Steigerwald, langjähriger Geschäftsführer des Funkhauses Aschaffenburg, bestätigt gegenüber W&V, dass es zu weiteren Verteilaktionen des "Deutschland Kuriers" nicht kommen wird. Einen zweiten Auftrag habe man abgelehnt. "Um uns künftig zu schützen, werden wir ab sofort die Prospekte vor dem Einlegen in der Druckerei auf Inhalte prüfen."

Wenn es nach den Facebook-Kommentaren geht, könnte der Verlag auch so reagieren:

So wie es jetzt Aschaffenburg erging, hat es vor einigen Wochen auch die Stadtzeitung Augsburg getroffen. Auch hier distanzierten sich Geschäftsführung und Redaktion und entschuldigten sich bei den Lesern, berichtet der BR.

Der "Deutschland Kurier" und sein Chefredakteur David Bendels betonen zwar regelmäßig ihre Unabhängigkeit, insbesondere von der AfD. Allerdings gibt es zahlreiche Berührungspunkte. Eine der regelmäßigen Autorinnen ist etwa Erika Steinbach, ehemals CDU-Bundestagsabgeordnete, heute Leiterin der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. Als Träger des "Deutschland Kurier" fungiert der Verein zu Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten, der bereits mehrmals in Wahlkämpfen die AfD unterstützt hat. Bendels selbst bezeichnet sein Blatt gegenüber Zeit online als "Bild von rechts". Die konservative "Welt" urteilt dagegen: "Wie die Titanic. Nur ernst gemeint".


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".