DSGVO :
Mehr als 1000 US-Newssites blockieren Nutzer aus Europa

Während einige US-Zeitungshäuser noch daran arbeiten, ihre Websites DSGVO-konform einzurichten, verzichten andere bewusst auf Traffic aus der EU.

Text: Franz Scheele

Hinweis der Los Angeles Times für Nutzer aus Europa
Hinweis der Los Angeles Times für Nutzer aus Europa

Zwei Jahre hatten amerikanische Nachrichten-Websites Zeit, sich auf die Regelungen der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einzustellen, die am 25. Mai dieses Jahres in Kraft trat. Doch viele Zeitungshäuser und News-Organisationen haben es versäumt, rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Aber es gibt auch einige, die dies gar nicht wollen.

Die Folge: Noch immer sind mehr als 1000 amerikanische Nachrichten-Sites von Europa aus nicht zugänglich, darunter 40 TV- und Radio-Websites sowie etwa ein Drittel der größten 100 amerikanischen Zeitungs-Websites, wie das Nieman Journalism Lab berichtet. So beispielsweise die Sites der Los Angeles Times, der Chicago Tribune oder der New York Daily News. Nutzer, die von Europa aus auf die Seiten zugreifen wollen, erhalten einen entsprechenden Hinweis.

Zu wenige Nutzer aus Europa

Vor allem stark auf lokale Märkte ausgerichtete Verlage verzichten aber auch bewusst darauf, die DSGVO-Regelungen (im Englischen: General Data Protection Regulation (GDPR)) zu befolgen. Beispielsweise der Medienkonzern Gatehouse Media, der allein mehr als 100 Tageszeitungen herausgibt, oder Lee Enterprises mit fast 50 Tageszeitungen in 21 Bundesstaaten.

Laut einem Sprecher von Lee Enterprises haben die Websites des Verlags zu wenige Nutzer aus Europa, als dass sich die Anpassung an die DSGVO-Richtlinien überhaupt lohnen würde. Deshalb sei der Verlag der Auffassung, dass es im besten Interesse der lokalen Werbekunden sei, den Traffic aus Europa zu blockieren, so der Sprecher gegenüber dem Nieman Lab.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.