Digitalmedien :
Microsofts Nachrichtenzentrale

Zehn Länder, acht Sprachen, 55 Millionen Nutzer pro Monat: Der Berliner MSN-Newsroom wartet mit beeindruckenden Zahlen auf - und mit einem besonderen Konzept.

Text: Holger Schellkopf

Zehn Länder, acht Sprachen: der MSN-Newsroom in Berlin ist international besetzt
Zehn Länder, acht Sprachen: der MSN-Newsroom in Berlin ist international besetzt

In Sachen moderne Newsrooms hat Berlin ja eine ganze Menge zu bieten. Die Welt ist schon länger da, Ströer hat unter anderem mit t-online.de ein sehr modernes Konzept entwickelt. Seit August 2017 gibt es mitten im Mitte aber auch einen Newsroom, der gleich in mehrfacher Hinsicht besonders ist. Von Berlin aus bespielt eine internationale Truppe die Nachrichtenangebote von Microsoft in zehn Ländern

Wer nicht genau aufpasst, der geht einfach vorbei. Ist ja auch eher unscheinbar, die Schaufensterfront am Rande des Areals mit dem adretten Namen Heiligegeistkirchplatz. Hinter den Schaufenstern, die gar keine mehr sind, sitzen vergleichsweise junge Menschen vor ziemlich vielen Monitoren – hier in Berlin-Mitte auch nicht unbedingt exotisch. Direkt gegenüber, schon eine gute Spur auffälliger und nicht ganz zufällig, findet sich der Eingang zum Berliner Headquarter von C3. Für das Unternehmen gleichzeitig eine Art historische Stätte, denn der Heiligegeistkirchplatz war Heimat von Kircher-Burkhardt und damit auch Brutstätte dessen, was heute unter C3 firmiert. Die lange Variante der 3 C, also Creative Code and Content legt die Spur zurück auf die andere Seite des Platzes, hin zur Schaufensterfront. Hinter der Front geht es nämlich um Kreativität, um Code, vor allem aber um Content. Seit etwas mehr als einem halben Jahr betreibt C3 mit seiner eigentlich in München ansässigen Tochter Wundermedia im Auftrag von Microsoft den MSN-Newsroom.

Nachrichtenangebote für MSN, Bing und Edge

Die Nachrichtenangebote für MSN, Bing und Edge, die Inhalte für diverse Apps – all das kommt aus dem Berliner Newsroom. Bespielt werden dabei nicht nur die deutschsprachigen Angebote, sondern so gut wie ganz Europa. Inhalte für zehn Länder, das Ganze in acht Sprachen – hier ist innerhalb von recht kurzer Zeit einer der am stärksten international geprägten Newsrooms entstanden, die man in Deutschland überhaupt finden kann. Eine besondere Aufgabe, eine besondere Herausforderung, daraus macht auch Mike Lukanz, bei C3 als Director Process und Newsroom auch für das MSN-Projekt zuständig, keinen Hehl. „Für uns und natürlich auch für Microsoft war klar, dass ein Projekt in der Größenordnung, mit etwa 70 Mitarbeitern, aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen, eine Art Onboarding-Phase braucht. Schon um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich zu akklimatisieren.“ Von Vorteil sei dabei natürlich gewesen, dass man von Microsoft quasi ein laufendes Geschäft übernommen habe, auf das man mit dem Newsroom aufsetzen konnte. Europa hat dabei schrittweise in Berlin Mitte Einzug gehalten.

Nach dem Start mit Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden und Polen kamen die Niederlande und später Italien, Finnland, Norwegen und Dänemark hinzu. Dementsprechend kunterbunt geht es auch im Newsroom selbst zu. Die ehemalige MTV-Moderatorin aus Norwegen sitzt dem früheren Zeitungsjournalisten aus Italien gegenüber. Der zentrale Desk ist eine Art gelebtes Europa - ein Europa, wie man es sich wünschen würde, mit großer Gemeinsamkeit bei Respekt für die Unterschiede. Letzterer drückt sich auch darin aus, dass die Teams am Desk nach Ländern strukturiert sind. „Das war uns ganz wichtig“, sagt Dirk Kleine, Director Information & Content Experiences bei Microsoft. Der Newsroom seit Teil der Hub-Strategie von Microsoft. Im Zuge der Ausschreibung hat man sich verschiedene Standorte in unterschiedlichen Ländern angesehen. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wo man in Europa sinnvoll verschiedene Länder zusammenziehen könne - und auch genügend „Natives“ für einen derart großen Newsroom finde. Zehn Länder, zehn Nationen war eine der fixen Rahmenbedingungen. Am Ende ist es Berlin geworden, weil kaum eine andere europäische Stadt so viel Attraktivität gerade auf zumeist jüngere Digital Natives ausstrahlt. Ein Großteil der internationalen Mitarbeiterschar habe sogar schon in Berlin gelebt, berichtet Mike Lukanz. Neben der Internationalität ist der MSN-Newsroom mit Blick auf die Zusammenarbeit auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Die Schulung der Teams findet durch Microsoft statt. Dabei wird pro Land die Frage beantwortet, wie in das Produkt gearbeitet werden muss, wie die Tonalität der Seite ist. Auftraggeber Microsoft ist aber auch jenseits der Schulungen ständig präsent im Berliner Newsroom.

Dauerhafter Showcase für hauseigene Tools

Die Zusammenarbeit zwischen den Microsoft Media Teams in den verschiedenen Ländern und der Zentralredaktion in Berlin ist eine der genauso spannenden wie anspruchsvollen Aufgaben bei der täglichen Arbeit. Da trifft es sich gut, dass ein Software-Unternehmen - nichts anderes ist Microsoft im Kern bis heute - dieser Größenordnung natürlich eine ganze Reihe von Tools für Zusammenarbeit auf Lager hat. Der Newsroom wird auf diese Weise gleichzeitig zum Dauer-Showcase für Anwendungen wie Microsoft Teams oder Skype for Business. Die Verbindung zu den Microsoft-Programmen spielt ohnehin eine ganz wesentliche Rolle für den Newsroom - nicht zuletzt mit Blick auf die Reichweite. Große SEO-Teams oder eine Social-Media-Redaktion sucht man vergebens. Die entscheidenden Touchpoints sind sozusagen MS-inklusive im Internet Explorer, im neuen Browser Edge, bei der hauseigenen Suchmaschine Bing oder auch im Windows-Lockscreen.

Kuratieren mit hunderten von Nachrichtenquellen

Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Redaktionen arbeitet der MSN-Newsroom nicht mit eigenen Reportern, sondern ausschließlich mit Feeds von Medienmarken. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es weit über 100 Quellen. So unterschiedlich wie die Quellen der einzelnen Länderteams ist auch die Tonalität der Angebote. Es gebe eine Reihe von festen Grundwerten, auf deren Einhaltung auch streng geachtet werde. sagt Dirk Kleine. Ansonsten sei jedes Land frei bei der Gestaltung. Der Charakter eines Landes müsse sich im Angebot wiederfinden, ergänzt Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft.

Schaut man auf die Zahlen, wird die Aufgabe, einerseits den Länderteams Freiraum zu gewähren und andererseits den Nutzen aus einer gemeinsamen Redaktion zu ziehen, bereits ziemlich gut gemeistert. Inzwischen erreichen die Angebote aus dem Berliner Newsroom monatlich rund 55 Millionen User - Tendenz deutlich steigend. Zumindest mit Blick auf die Reichweite ist die Truppe hinter der Glasfront ganz sicher nicht zu übersehen.


Autor:

Holger Schellkopf

Chefredakteur Digital. Sozialisiert mit Print, konvertiert zu digital. Wild entschlossen, doch noch eine wirkliche Ahnung von der Sache mit dem Coden zu bekommen. Feste Überzeugung: Digital Journalism rocks! Versucht ansonsten, sich so oft wie möglich auf das Rennrad zu schwingen oder in die Laufschuhe zu steigen.  


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