Nach dem Start mit Deutschland, Österreich, Schweiz, Schweden und Polen kamen die Niederlande und später Italien, Finnland, Norwegen und Dänemark hinzu. Dementsprechend kunterbunt geht es auch im Newsroom selbst zu. Die ehemalige MTV-Moderatorin aus Norwegen sitzt dem früheren Zeitungsjournalisten aus Italien gegenüber. Der zentrale Desk ist eine Art gelebtes Europa - ein Europa, wie man es sich wünschen würde, mit großer Gemeinsamkeit bei Respekt für die Unterschiede. Letzterer drückt sich auch darin aus, dass die Teams am Desk nach Ländern strukturiert sind. „Das war uns ganz wichtig“, sagt Dirk Kleine, Director Information & Content Experiences bei Microsoft. Der Newsroom seit Teil der Hub-Strategie von Microsoft. Im Zuge der Ausschreibung hat man sich verschiedene Standorte in unterschiedlichen Ländern angesehen. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wo man in Europa sinnvoll verschiedene Länder zusammenziehen könne - und auch genügend „Natives“ für einen derart großen Newsroom finde. Zehn Länder, zehn Nationen war eine der fixen Rahmenbedingungen. Am Ende ist es Berlin geworden, weil kaum eine andere europäische Stadt so viel Attraktivität gerade auf zumeist jüngere Digital Natives ausstrahlt. Ein Großteil der internationalen Mitarbeiterschar habe sogar schon in Berlin gelebt, berichtet Mike Lukanz. Neben der Internationalität ist der MSN-Newsroom mit Blick auf die Zusammenarbeit auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Die Schulung der Teams findet durch Microsoft statt. Dabei wird pro Land die Frage beantwortet, wie in das Produkt gearbeitet werden muss, wie die Tonalität der Seite ist. Auftraggeber Microsoft ist aber auch jenseits der Schulungen ständig präsent im Berliner Newsroom.

Dauerhafter Showcase für hauseigene Tools

Die Zusammenarbeit zwischen den Microsoft Media Teams in den verschiedenen Ländern und der Zentralredaktion in Berlin ist eine der genauso spannenden wie anspruchsvollen Aufgaben bei der täglichen Arbeit. Da trifft es sich gut, dass ein Software-Unternehmen - nichts anderes ist Microsoft im Kern bis heute - dieser Größenordnung natürlich eine ganze Reihe von Tools für Zusammenarbeit auf Lager hat. Der Newsroom wird auf diese Weise gleichzeitig zum Dauer-Showcase für Anwendungen wie Microsoft Teams oder Skype for Business. Die Verbindung zu den Microsoft-Programmen spielt ohnehin eine ganz wesentliche Rolle für den Newsroom - nicht zuletzt mit Blick auf die Reichweite. Große SEO-Teams oder eine Social-Media-Redaktion sucht man vergebens. Die entscheidenden Touchpoints sind sozusagen MS-inklusive im Internet Explorer, im neuen Browser Edge, bei der hauseigenen Suchmaschine Bing oder auch im Windows-Lockscreen.

Kuratieren mit hunderten von Nachrichtenquellen

Ein weiterer wesentlicher Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Redaktionen arbeitet der MSN-Newsroom nicht mit eigenen Reportern, sondern ausschließlich mit Feeds von Medienmarken. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es weit über 100 Quellen. So unterschiedlich wie die Quellen der einzelnen Länderteams ist auch die Tonalität der Angebote. Es gebe eine Reihe von festen Grundwerten, auf deren Einhaltung auch streng geachtet werde. sagt Dirk Kleine. Ansonsten sei jedes Land frei bei der Gestaltung. Der Charakter eines Landes müsse sich im Angebot wiederfinden, ergänzt Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft.

Schaut man auf die Zahlen, wird die Aufgabe, einerseits den Länderteams Freiraum zu gewähren und andererseits den Nutzen aus einer gemeinsamen Redaktion zu ziehen, bereits ziemlich gut gemeistert. Inzwischen erreichen die Angebote aus dem Berliner Newsroom monatlich rund 55 Millionen User - Tendenz deutlich steigend. Zumindest mit Blick auf die Reichweite ist die Truppe hinter der Glasfront ganz sicher nicht zu übersehen.


Autor: Holger Schellkopf

Chefredakteur. Mitglied der W&V-Geschäftsleitung. Sozialisiert mit Print, konvertiert zu digital. Findet beides prima. Feste Überzeugung von @hschellk : Digital Journalism rocks! Versucht ansonsten, sich so oft wie möglich auf das Rennrad zu schwingen oder in die Laufschuhe zu steigen.