Patricia Riekels letzte "Bunte"-Ausgabe (Motiv: Burda).

Rudolf Scharping im Pool und Horst Seehofers Geliebte samt Baby sind Geschichten, mit denen "Bunte" unter Riekel punkten konnte. Stolz ist sie auf weltweite Scoops in der Berichterstattung über royalen Nachwuchs, "Schnullerberichterstattung" wie sie es nennt.

Im Lauf der Zeit hat sich auch die Promiwelt verändert, ist kurzlebiger geworden: "Wir leben in einer Zeit, wo das Verfallsdatum von Gesichtern kürzer ist als bei Sahne in der Sommerhitze." Castingshows etwa verhinderten, dass sich Talente entfalten können, sagt Riekel.

Riekel trat zum 1. Dezember 1996 mit dem Vorhaben an, die "Bunte" "fairer" zu machen. Im Peoplejournalismus habe man es mit Emotionen zu tun. "Da müssen die Fakten und das Handwerk stimmen", sagt sie. "Man muss sich immer wieder klar machen, was man als Journalist im Leben von Menschen anrichten kann, wenn man über sie schreibt." Sicherlich habe es Geschichten gegeben, bei denen "Bunte" nicht sensibel genug gewesen sei. Kritiker warfen ihr Scheckbuch-Journalismus und Spitzelmethoden vor.

Geboren wurde Patricia Riekel in Haarlem in den Niederlanden. Sie wuchs am Starnberger See auf. Nach einem Volontariat beim "Münchner Merkur" arbeitete sie für verschiedene Zeitschriften, bevor sie zur "Bunten" ging. Die Kollegen dort seien für sie wie eine Familie gewesen. Privat ist sie mit "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort liiert.

Zum 1. Juli hat der bisherige "Freizeit Revue"-Chef Robert Pölzer das Chefredakteursamt übernommen – eine interne Burda-Lösung, wie sie auch beim Schwestertitel "Focus" gefunden wurde. Beim Abschied in München überreichte Verleger Hubert Burda Riekel das von ihm selbst gestaltete Heft "Patricias München" - als Hommage an sie.

Weil Riekel aber weiter am Zeitschriftenleben teilhaben und Strippen ziehen will, bleibt sie Herausgeberin aller Magazine der Mediengruppe Burda Style, also nicht nur für die "Bunte", sondern etwa auch für "Elle" und "Instyle". Auch beim Medienpreis Bambi bleibt sie aktiv - eine Aufgabe, die sie selbst zu einer Prominenten machte.

Ruhe will sie auch mit 67 Jahren nicht: "Ich wünsche mir ein turbulentes Leben." Selbst über einen Einstieg in die Lokalpolitik habe sie nachgedacht. Nur eine Autobiografie schreiben, das will sie auf keinen Fall: "Das würde bedeuten, dass ich möglicherweise über etwas schreibe, was ich 20 Jahre nicht verraten habe."

W&V Online/dpa


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W&V Redaktion
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