UK-Zeitungsmarkt :
Nur die Gratisblätter wachsen noch

Angesichts der stark rückläufigen Anzeigenerlöse stellt sich bei den Kostenlosblättern allerdings die Frage nach der Tragfähigkeit ihres Business-Modells.

Text: Franz Scheele

Das Gratisblatt ist inzwischen Auflagenspitzenreiter in Großbritannien.
Das Gratisblatt ist inzwischen Auflagenspitzenreiter in Großbritannien.

Bei den überregionalen Tageszeitungen in Großbritannien verzeichnen lediglich die Gratisblätter noch ein Auflagenwachstum – wenn auch nur in sehr geringem Umfang. So stieg die verteilte Auflage von Metro laut Auflagenkontrolleur ABC im August gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat um knapp 4.000 Exemplare auf nun 1,454 Millionen Exemplare. Damit ist das Blatt Auflagenspitzenreiter im Vereinigten Königreich.

Der Gratistitel London Evening Standard steigerte die verteilte Auflage gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent auf 859.000 Exemplare. Der Titel, bei dem es sich eigentlich um ein Lokalblatt handelt, das aber dennoch von ABC unter den nationalen Titeln gelistet wird, ist damit zugleich mit weitem Abstand die größte Lokalzeitung Großbritanniens.

Die leicht gestiegene Auflagehöhe sagt bei den Gratisblättern angesichts weiterhin stark sinkender Anzeigenerlöse allerdings wenig über die Tragfähigkeit des Business-Modells aus. Gerade bei Metro, die vom Verlag Daily Mail und General Trust herausgegeben wird, gibt es schon seit geraumer Zeit immer wieder Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Titels.

Alle übrigen überregionalen Tageszeitungen verzeichneten auch im August im Jahresvergleich teilweise recht happige Auflagenverluste, was bei einigen Titeln wie dem Daily Telegraph, der Daily Mail und dem Daily Mirror dadurch verstärkt wurde, dass sie seit Anfang des Jahres keine "Sonderverkäufe" mehr ausweisen:

So kommt The Sun mittlerweile auf eine verkaufte Auflage von 1,448 Millionen Exemplare (-7%), die Daily Mail verzeichnet 1,27 Millionen (-11%) und der Daily Mirror 558.000 Exemplare (-11%).

Auf den weiteren Plätzen folgen The Times (428.000/-5%), The Daily Telegraph (371.000/-22%), der Daily Star (361.000/-15%), der Daily Express (339.000/-10%), i (244.000/-10%) und der Guardian (135.000/-8%).


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.