Mydays :
ProSiebenSat.1 kauft sich bei Jochen Schweizer ein

Der Fernsehkonzern übernimmt die Mehrheit beim Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer und will das Unternehmen mit seiner Marke Mydays zusammenführen.

Jochen Schweizer beim Werbespot-Dreh 2016: Nun tut er sich mit Mydays zusammen.
Jochen Schweizer beim Werbespot-Dreh 2016: Nun tut er sich mit Mydays zusammen.

Im Digitalen und E-Commerce stecken die Umsatzzuwächse für Medienkonzerne. Das ist bei den Münchnern von ProSiebenSat.1 nicht anders. Im Fernsehgeschäft, aus dem P7S1 einmal kam, ist nicht mehr viel verdient (W&V-Analyse nach der jüngsten Bilanz hier).

Dazu passend hatte der Konzern am 20. Juni angekündigt, den schwedischen Reiseanbieter Etraveli (Wert: rund 500 Mio. Euro) zu verkaufen - um neues Geld für Zukäufe unter anderem im Digitalbereich zu bekommen. Verlustbringer müssen raus und vielversprechende Geschäftsfelder rein, lautet die ausgegebene Devise.

Nun investiert ProSiebenSat.1 vermutlich an die 100 Millionen, um die Mehrheit beim Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer zu übernehmen. Der soll mit Mydays zusammengeführt werden, der Erlebnisgutscheinetochter von P7S1. Das "Manager Magazin" berichtete bereits vor rund einem Monat darüber, dass die beiden Unternehmen verhandeln. Nun sind sich beide offenbar handelseinig: 90 Prozent der Anteile an der Jochen Schweizer Mydays Holding werde der Fernsehkonzern halten, 10 Prozent der Firmengründer Jochen Schweizer. Beide Marken würden, so P7S1, eigenständig weitergeführt und sich "komplementär ergänzen". Das Kartellamt muss aber noch zustimmen.

Sowohl das verkaufte Etraveli als auch die neue Holding gehören dem "Commerce Vertical Travel" an, das zum Vorstandsbereich Digitale Ventures & Commerce gehört. Hier verwaltet P7S1 auch Weg.de und Tropo.

Jochen Schweizer erwirtschaftet mit Ballonfahrten, Kletterkursen und anderen Freizeitangeboten in Deutschland, Österreich und der Schweiz knapp 10 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Jahr. Der Übernahme liegt ein Unternehmenswert von 108 Millionen Euro zugrunde. Unternehmer Jochen Schweizer sieht den Zusammenschluss als Stärkung der Position und Basis für Expansion. Er hat zuletzt für die Konkurrenz gearbeitet: Schweizer war bei Vox bis 2016 einer der Juroren im Gründerformat "Höhle der Löwen". Und hatte erst 2015 seine Marketingstrategie intensiviert, um Wettbewerbern wie unter anderem Mydays besser Paroli bieten zu können.

ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling sagte, beide Marken ergänzten sich gut. Sein Konzern macht inzwischen ein Viertel seines Umsatzes mit Onlinegeschäften und Internet-Portalen wie Parship und Verivox, für die er in seinen Sendern kräftig Werbung macht.  (mit dpa)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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