Wissens-Community :
Quora: Frage-Antwort-Plattform startet in Deutschland

Sieben Jahre nach dem Marktstart in den USA kommt die Frage-Antwort-Plattform Quora nach Deutschland. Ihre Mission ist es, Wissen weltweit auszutauschen und zu verbreiten.

Text: Verena Gründel

Adam D'Angelo, CEO und einer der Gründer von Quora
Adam D'Angelo, CEO und einer der Gründer von Quora

Am heutigen 11. Juli startet die US-amerikanische Q&A-Plattform Quora in Deutschland. Nun kann dort jeder auf Deutsch Fragen stellen und beantworten. Die Mission des Unternehmens ist es, Wissen weltweit auszutauschen und zu vermehren.

Quora ging 2010 an den Start, weil die Gründer der Meinung waren, dass ein großer Teil des Wissens, das für viele Menschen nützlich wäre, im Internet nicht frei zugänglich sei. Deshalb sollen vor allem Experten über Quora spezielles Wissen oder besondere Erfahrungen teilen, die vorher nicht verfügbar waren. 

Mit diesem Anspruch zog die Plattform viele wichtige Persönlichkeiten an, zum Beispiel Hillary Clinton, den ehemaligen griechische Finanzminister Yanis Varoufakis oder Sheryl Sandberg, COO von Facebook. Auch viele deutschsprachige Nutzer haben Quora auf Englisch verwendet. „So sind wir uns sicher, dass der Launch von Quora auf Deutsch dazu beitragen wird, die Teilnahme und Anzahl von Beiträgen aus Deutschland noch weiter zu erhöhen", sagt Adam D'Angelo, CEO und Mitgründer von Quora.

Im Mai startete de.quora.com bereits in der Beta-Version mit einer kleinen Gruppe aktiver Nutzer, darunter Wissenschaftler, Lehrer, Führungskräfte, Journalisten und Politiker verschiedener Bereiche. Zu ihnen gehören der Journalist Christoph Keese, der Berliner Venture-Capitalist Robin Dechant, John Grantham, Dozent für wissenschaftliches Englisch am Leibniz Institut Potsdam und Thomy Roecklin, CMO der Agentur MNKY Lab.

Machine Learning ist die Basis von Quora

Künstliche Intelligenz spielt bei Quora eine zentrale Rolle: Über Machine Learning verteilt die Plattform die eingegebenen Fragen an Personen, die basierend auf Fachwissen und Erfahrungen qualitativ hochwertige und nützliche Antworten geben können. Je aktiver der Nutzer auf Quora wird, indem er Antworten verfasst, Themen und anderen Nutzern folgt, desto besser kann Quora den Content auf der Plattform personalisieren.

Auch bei der Qualitätskontrolle hilft KI: Jeder Nutzer kann Antworten bewerten. Die Bewertungen von Experten auf dem entsprechenden Gebiet werden stärker berücksichtigt. Bei schlechten Bewertungen werden die Antworten erneut überprüft.

Auch Verletzungen der Netiquette und der internen Richtlinien sollen per Algorithmus identifiziert werden. Eine deutschsprachige Mitarbeiterin hat bei Negativmeldungen noch einmal ein Auge darauf. So will Quora ein hohes Maß an Qualität des Contents sicherstellen. Auch Spam, Plagiate und Trolle sollen so identifiziert werden.

"In Deutschland wird es vorerst keine Werbung geben"

Contentqualität ist laut Adam D'Angelo, ehemaliger CTO bei Facebook, erste Priorität. Erst dann kommt die Anzahl der Nutzer – 200 Millionen Unique User per Monat sind es zur Zeit. Wesentlich weiter unten in der Prioritätenliste steht die Monetarisierung durch Werbung. „Wir haben zum Glück Investoren, die sehr geduldig sind“, sagt D'Angelo gegenüber W&V. Im Frühjahr hat Quora die vierte Finanzierungsrunde von 85 Millionen US-Dollar abgeschlossen.

Erst sieben Jahre nach dem Star, im Mai 2017, hat sich die englischsprachige Plattform gegenüber Werbung geöffnet. „Auch in Deutschland wird es in den ersten Jahren keine Werbung geben“, verspricht der Gründer. Wichtig sei erst einmal, die Plattform mit einer langfristigen Perspektive aufzubauen und die Qualität des Contents zu sichern.

Zum Beispiel sei es ein No-Go, wenn Mitarbeiter von Unternehmen in Antworten Werbung integrieren. Die Antworten müssten grundsätzlich werbefrei sein. Trotzdem hält D'Angelo Quora für ein potenzielles Marketing-Tool: Zum Beispiel könnten Rechtsanwälte oder Berater ihre Kompetenzen demonstrieren.

Rekruter werden auf kompetente Quora-Nutzer aufmerksam

Für Recruiting werde die Plattform ebenfalls verwendet: „Viele Nutzer haben durch sie neue Jobs gefunden, weil Recruiter auf Sie aufmerksam wurden“, sagt der 32-Jährige. Auch Journalisten suchen darüber nach Experten oder recherchieren Hintergrundinformationen, fügt er hinzu. 

Aber in erster Linie soll Otto-Normalverbraucher dort kompetente Antworten auf Fragen erhalten wie Welche Sprachen sind am besten geeignet, Kindern im Alter von 8-9 Jahren das Programmieren beizubringen? oder Ist die Globalisierung der Grund dafür, dass es in den Innenstädten viele leerstehende Ladenlokale gibt? oder auch Wie kann ich erstklassige Pizza zu Hause machen?


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.