Weitere 20 Millionen Pfund will der Verlag durch "strukturelle Kostensenkungsmaßnahmen" einsparen. So wurden 2018 bei den Lokalzeitungen 140 Arbeitsplätze abgebaut.

Lokale Digitalangebote haben Priorität

Reach verfolgt auf lokaler Ebene die Strategie, Print- und Onlineredaktionen klar zu trennen. In der Regel verweisen die Online-Auftritte auch nicht mehr auf die lokalen Print-Titel des Verlags. So firmiert beispielsweise der Online-Auftritt in Birmingham unter Birmingham Live, während die Zeitung Birmingham Mail heißt.

Die Prioritäten liegen für Reach hier eindeutig auf den Digitalangeboten. Die nackten Zahlen sprechen auch für diese Strategie: Während beispielsweise die Print-Ausgabe der Birmingham Mail nur noch auf eine verkaufte Auflage von rund 15.000 Exemplaren kommt, verzeichnet die Website Birmingham Live täglich mehr als 400.000 Unique Users.

Abhöraffäre kostet den Verlag Millionen

Für Entschädigungszahlungen, Gerichts- und Anwaltskosten infolge des britischen Telefon-Abhörskandals, in den auch die Reach-Titel Daily Mirror, Sunday Mirror und Sunday People involviert waren, musste Reach im vergangenen Jahr die Rückstellungen auf 12,5 Millionen Pfund erhöhen. Insgesamt summieren sich diese Zahlungen bisher auf 75,5 Millionen Pfund.

Das ist allerdings wenig im Vergleich zu den Kosten, die dem Konkurrenzverlag News Corp. bisher entstanden sind, der mit seiner daraufhin eingestellten Zeitung News of the World im Zentrum des Skandals stand. Allein im vergangenen Geschäftsjahr entstanden dem Verlag von Rupert Murdoch hier Kosten in Höhe von 35 Millionen Pfund. Damit summieren sie sich seit 2010 auf insgesamt 656 Millionen Pfund.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.