Neues Konzept :
So funktioniert Spiegel Daily

Die digitale Tageszeitung des Spiegel-Verlags legt los: Ab 16. Mai kommt Spiegel Daily von Montag bis Freitag immer um 17 Uhr. W&V hat mit den Machern gesprochen.

Text: Manuela Pauker

Timo Lokoschat (l.) und Oliver Trenkamp sind als Redaktionsleiter für Spiegel Daily verantwortlich
Timo Lokoschat (l.) und Oliver Trenkamp sind als Redaktionsleiter für Spiegel Daily verantwortlich

Mit der Spiegel Online-Umfrage, ob Entertainer Harald Schmidt Kolumnist der digitalen Tageszeitung Spiegel Daily werden soll, gab es Ende vergangener Woche bereits eine kleine Andeutung, dass das Projekt nun in die Zielgerade geht. Dass es so schnell starten würde, vermuteten aber wohl nur wenige: Nicht erst zur Jahresmitte, wie spekuliert, sondern bereits am Dienstag, dem 16. Mai, landet um 17 Uhr die erste Ausgabe von Spiegel Daily bei den Empfängern.

Abonnenten des Digital-Spiegel erhalten das Angebot zum Nulltarif. Alle anderen müssen 6,99 Euro pro Monat zahlen, alternativ gibt es einen Wochenpass für 2,49 Euro. Wer sich dafür entscheidet, findet das Angebot unter der Adresse Daily.spiegel.de sowie auf Spiegel Online.

Die Spiegel-Daily-Redaktionsleiter Timo Lokoschat und Oliver Trenkamp wollen mit Daily nicht mehr und nicht weniger als "einmal am Tag die Welt anhalten", wie sie im Gespräch mit W&V (Ausgabe 20/17) verkünden. Von Montag bis Freitag sollen Leser, die mit der ständig zunehmenden Menge an Informationen und Nachrichten nicht mehr zurechtkommen, über die wichtigsten Ereignisse des Tages auf dem Laufenden gehalten werden – "kompakt, aber mit Tiefgang", so Trenkamp. Ein zehn Mitarbeiter starkes Kernteam hilft ihnen dabei, zusätzlich gibt es vier bis sechs Mitarbeiter aus anderen Bereichen des Hauses, die rollierend auf freiwilliger Basis jeweils einen Monat mitarbeiten.

Aktualisiert wird nichts. Fast nichts

Das für Daily geschnürte Info-Paket ist in sechs Bereiche unterteilt: News, Meinung, Stories, Social, Panorama und Mein Abend heißen die einzelnen Ebenen. Aktualisiert wird grundsätzlich nichts. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei großen Ereignissen, kann eine Fläche im redaktionellen Bereich zu einem Ticker mit den wichtigsten Details umfunktioniert werden. Für ausführliche Informationen wird aber auch in so einem Fall auf Spiegel Online weiterverwiesen.

Parallel zum täglichen Erscheinen werden die Aktivitäten in den Social-Media-Beibooten kräftig gepusht, in erster Linie auf Facebook und Twitter. "Natürlich nutzen wir die Social-Media-Kanäle von Spiegel und Spiegel Online – vor allem am späten Nachmittag, wenn die neue Ausgabe erscheint. Wir haben auch dafür eigene Formate entwickelt", sagt Timo Lokoschat. Beispielsweise ein Interview, das nur in Emojis geführt wird.

Ein Drittel der Inhalte von Spiegel Daily besteht aus vom Team selbst produzierten Beiträgen, ein Drittel ist kuratiert, ein weiteres Drittel ist Zweitverwertung aus anderen Kanälen des Hauses. Dazu zählen nicht nur das wöchentliche Magazin, Online und TV, auch Specials wie Spiegel Wissen dienen als Quelle. "Es muss nur zu Daily passen", so Trenkamp.

So läuft die Vermarktung von Daily

Prominente Gastautoren - siehe Harald Schmidt - sind Teil des Eigenangebots. Bewegtbild ist ein elementarer Baustein, es gibt beispielsweise Multimedia-Storys, Erkläranimationen, Umfragen oder Skype-Interviews.

Die Anzeigenvermarktung ist ebenfalls entschleunigt: Zum Start werden nur wenige Formate angeboten. Und auch die kommen eher schlicht daher: keine Flash-Animation, kein Bling-Bling. Auf der Startseite gibt es zu Beginn nur zwei Werbeflächen. Auch hier soll experimentiert werden, so André Pätzold, Vermarktungschef der Spiegel-Gruppe: "Wir sehen das als Chance, die Integrationsmöglichkeiten von Werbung gemeinsam zu entwickeln und zu testen." Für die Startphase wurde Audi drei Monate lang als exklusiver Werbekunde verpflichtet.

Mehr zum Thema finden Sie in der aktuellen Printausgabe der W&V 20/17 (EVT: 15.05.)


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde