Burak Akbay :
So will ein türkischer Verleger die "Frankfurter Rundschau" weiterführen

 Auch wenn neben der "FAZ" der türkische Verleger Burak Akbay in die insolvente "FR" investieren will: Die meisten Arbeitsplätze gehen verloren...

Text: Petra Schwegler

Das Team der "Frankfurter Rundschau" kann Hoffnung schöpfen – allerdings nur ein bisschen: Der türkische Verleger Burak Akbay hat sein Interesse am Kauf der insolventen Tageszeitung bekräftigt, will in der Redaktion aber nur etwa 100 Stellen erhalten. Insgesamt stehen rund 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum. Akbay wolle das Blatt als deutschsprachige und überregionale Zeitung mit einem eigenen Druckhaus fortführen, zitiert die Nachrichtenagentur "dpa" den türkischen Verleger nach einem Gespräch in Istanbul. "Ich werde in dieser oder in der nächsten Woche ein genaueres Angebot vorlegen, wobei mein bisheriges Angebot auch schon präzise war", so Akbay wörtlich - und deutet damit an, dass sein erstes, vom Insolvenzverwalter belächeltes Angebot nachgebessert wird.

Er sehe eine wirtschaftliche Grundlage dafür, die "FR" mit "mutigem Journalismus" als landesweit bedeutende Zeitung zu erhalten, betont der Verleger aus Istanbul. Interessant sei auch das Onlinegeschäft der Zeitung. Für die Druckerei werde der Stellenplan von der Auftragslage abhängen, so Akbay weiter. Dort könnten nach seinen Vorstellungen zunächst die "FR" und seine dann in Deutschland erscheinende türkische Tageszeitung "Sözcü" gedruckt. Geplant ist nach früheren Angaben auch, eine deutsche Ausgabe des türkischen Blattes auf den Markt zu bringen.

Neben dem Türken hat auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") Interesse an der angeschlagenen Traditionszeitung gezeigt. Derzeit prüft das Bundeskartellamteine ebenfalls mögliche Übernahme der "FR" durch die "FAZ". Bis zum Mittwochmorgen ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Die Prüfung könnte sich durch ein erweitertes Angebot des türkischen Verlegers verlängern. Die Bonner Wettbewerbshüter wollen klären, ob der Marktanteil der als linksliberal bekannten "Frankfurter Rundschau" bei einem Verschwinden vom Markt ohnehin an die "FAZ" fallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Käufer für die Zeitung gibt – der mit Akbay ja nun aufzutauchen scheint. Der Betriebsratsvorsitzende der "FR", Marcel Bathis, zeigt sich gegenüber der "dpa" zurückhaltend: "Wir sind gespannt, was er zu bieten hat." Es wäre nach seiner Ansicht eine überaus überraschende Wendung, wenn doch noch mehr Arbeitsplätze gerettet werden könnten.

Die "Frankfurter Rundschau" hatte im November angesichts massiver Verluste Insolvenz angemeldet. Nach nicht bestätigten Medienberichten soll die eher konservativ ausgerichtete "FR"-Konkurrentin "FAZ" erwägen, die linksliberale "FR" in abgespeckter Form mit etwa 30 Redakteuren weiterzuführen. Die bisherigen Eigentümer sind die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS und die SPD-Medienholding ddvg.

Zu Burak Akbay: Der Verleger ist Inhaber des türkischen Verlags- und Druckereihauses Estetik Yayincilik, das die regierungskritische "Sözcü" herausgibt. Sie erscheint seit 2007, zunächst mit 70.000 Exemplaren, derzeit werden 275.000 Exemplare gedruckt, wie Akbay angibt. Der Verlag druckt und vertreibt auch internationale Zeitungen in der Türkei.

dpa/ps


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.