Britische Tagespresse :
Sonderverkäufe kaschieren dramatischen Auflagenrückgang

Blätter, die auf sogenannte Sonderverkäufe verzichten, melden für den April Auflagenrückgänge im zweistelligen Prozentbereich.

Text: Franz Scheele

Mithilfe von sogenannten Sonderverkäufen versucht eine Reihe britischer Tageszeitungen, die realen Auflagenverluste zu kaschieren. Diejenigen überregionalen Blätter, die dagegen ihre Sonderverkäufe komplett eingestellt haben, verzeichnen – mit einer Ausnahme – Verluste im zweistelligen Prozentbereich.

Dies zeigen die aktuellen Daten des britischen Auflagenkontrolleurs ABC für den Monat April. In die Kategorie "Sonderverkäufe" fallen alle Exemplare, die von den Verlagen zu besonders günstigen Konditionen oder sogar kostenlos an Flug- und Bahngesellschaften sowie Hotels oder Fitnessstudios abgegeben werden.

So kann Marktführer The Sun durch 118.000 Exemplare bei den Sonderverkäufen das Auflagenminus gegenüber dem April 2017 bei 7,5 Prozent halten – auf jetzt knapp 1,5 Millionen Exemplare. Der ebenfalls zur News Corporation gehörende Titel The Times verzeichnet sogar nur ein Minus von 2,7 Prozent auf 434.000 Exemplare – dank Sonderverkäufen im Umfang von 91.000 Exemplaren. Das heißt: Jedes fünfte Exemplar der Traditionszeitung fällt inzwischen in diese Kategorie.

Die Kompakt-Zeitung i, seit 2016 im Besitz des Regionalzeitungsverlags Johnston Press, meldet einen Auflagenrückgang gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,4 Prozent auf 252.000 Exemplare, davon 59.000 als Sonderverkäufe. Damit haben die Sonderverkäufe einen Anteil an der Gesamtauflage von über 23 Prozent.

Die einzige überregionale Tageszeitung, die auf Sonderverkäufe verzichtet und dennoch unter der Marke von minus 10 Prozent blieb, ist der Guardian mit einem Minus von 7,6 Prozent auf allerdings auch nur noch 142.000 Exemplare.

Größter Verlierer, gerade weil er seit einiger Zeit alle Sonderverkäufe eingestellt hat, ist nun The Daily Telegraph mit einem Minus gegenüber dem Vorjahr von 19,3 Prozent auf jetzt 377.000 Exemplare. Der Daily Mirror verliert 17,4 Prozent auf 567.000 Exemplare, der Daily Star 12,2 Prozent auf 384.000 Exemplare, die Daily Mail 11,4 Prozent auf knapp 1,3 Millionen und der Daily Express 10,4 Prozent auf 346.000 Exemplare.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.