Studie der Ohio State University :
Spaß beiseite: Auch Satire bildet

Die Ohio State University fand heraus, dass Satire für Menschen, die wenig an Politik interessiert sind, Zugang zu ernsthaften Nachrichten sein kann.

Text: Petra Schwegler

So kommentierte "Der Postillon" die Unstimmigkeiten zu Besucherzahlen bei Donald Trumps Inaugurationsfeier.
So kommentierte "Der Postillon" die Unstimmigkeiten zu Besucherzahlen bei Donald Trumps Inaugurationsfeier.

Satire unterhält und ist in Zeiten von Donald Trump nötig, um dessen alternative Fakten passend kommentieren zu können. Wie etwa "Der Postillon". Doch satirische Nachrichten haben auch erhebliche Auswirkungen auf Leser und Zuschauer, die ansonsten politische Meldungen meiden würden. In der Folge könnten die Beiträge für diese Gruppe einen Zugang zu ernstzunehmenden Tagesthemen darstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Forschungsarbeit der Ohio State University

Die Studie zeigt, dass Menschen satirische Nachrichten nach ihrer bereits existierenden politischen Einstellung auswählen (liberal oder konservativ). Ebenso heißt es dort, dass das bloße Betrachten solcher satirischen Meldungen die politische Haltung genauso verstärkt wie seriöse Nachrichten.

Überhaupt: Menschen, die nur wenig Interesse an Politik haben, konsumieren zudem viel lieber satirische Nachrichten anstelle ernstzunehmender News. "Satirische Nachrichten sind von Bedeutung. Sie sind nicht nur unterhaltsam, sie haben auf das Publikum auch Auswirkung im echten Leben", erklärt Studienautorin Silvia Knobloch-Westerwick von der Ohio State University.

Satire schafft den Zugang - wobei deutschen Medien vertraut wird 

"Die Ergebnisse zeigen, dass satirische News für Menschen, die zurzeit eher wenig an Politik interessiert sind, ein Zugang zu ernsthaften Nachrichten sein könnten", so Knobloch-Westerwick. "Satirische Nachrichten beschäftigen Menschen, die ansonsten politische News vermeiden würden", unterstreicht die Studienautorin abschließend. 

An der Studie nahmen 146 College-Studenten teil, denen unter anderem eine Vielzahl von Nachrichten-Clips präsentiert wurden. Sie sollten zudem Angaben über ihr politisches Interesse machen und dann auswählen, welche Videos für sie am ansprechendsten wirkten. Es zeigte sich, dass die Probanden, die das geringste Interesse an Politik angegeben hatten, öfter als die anderen Teilnehmer satirische Clips als ihre Favoriten auswählten.

Interessant: Generell ist das Vertrauen in deutsche Medien seit 2008 deutlich gestiegen. Das berichten zeitgleich Kommunikationsforscher der Universität Mainz mit Bezug auf eigene Umfragen in der Wochenzeitung "Die Zeit". Wenn es um wichtige Fragen gehe, finden heute 40 Prozent der Deutschen, man könne den Medien eher oder voll und ganz vertrauen. 2008 waren es nur 29 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs allerdings auch jene Bevölkerungsgruppe, die das Vertrauen in die Medien verloren hat, von 9 auf 24 Prozent. 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.