Axel Springer :
Springer reanimiert Weimarer-Republik-Magazin "Die Dame"

Springer erfindet das 20er-Jahre-Magazin "Die Dame" neu. Als Herausgeber wirkt Kunstsammler und Agenturmann Christian Boros. Bei Luxus-Anzeigenkunden kommt das Konzept an. 

Text: Judith Pfannenmüller

"Die Dame"-Cover, gestaltet von Fotokünstler Thomas Ruff.
"Die Dame"-Cover, gestaltet von Fotokünstler Thomas Ruff.

"Bitte sei inspirierend" - gab Christian Boros' Frau Karen ihrem Mann mit auf den Weg, als er vor einem Jahr von Axel Springer als Herausgeber bei der Wiederbelebung und Neuinszenierung des mondänen 20er-Jahre-Magazins "Die Dame" angeheuert wurde. Am 2. März wird die geneigte Leser(innen)schaft beurteilen können, ob das dem Team um Redaktionsleiterin Lena Bergmann gelungen ist. Dann liegt "Die Dame" mit einer Auflage von 50.000 Stück zum Preis von 15 Euro für 292 Seiten an ausgewählten Verkaufsstellen im Bahnhofsbuchhandel, Flughäfen, Luxushotels, Luxusmodeläden, Kunstbuchhandlungen. Es gibt auch eine gebundene Ausgabe in Buchform für 49 Euro. "Die Dame" erscheint zweimal im Jahr.

"Die Dame" will "radikal analog" sein und Print feiern, "das Magazin erscheint nicht trotz, sondern wegen der digitalen Gegenwart", sagt Boros. Wenn schon Bäume gefällt werden für die Mischung aus Buch, Katalog und Magazin, dann solle etwas entstehen, das im Netz nicht stattfinden könnte, ein von Aktualität befreiter, trendfreier Gegenentwurf mit einer Redaktion, die sich die Freiheit nimmt, die Personen zu beleuchten, die sie gut findet. "Wir sind web-inkompatibel", sagt Boros. Einen Instagram-Account gibt es aber trotzdem.

Die Themen: Kunst, Literatur und Mode (72 Seiten). Die Modestrecke könnte radikaler sein, die Liste der Autoren verschiedenen Alters kann sich aber sehen lassen. Der Schriftsteller Maxim Biller veröffentlicht eine Kurzgeschichte, Schriftstellerin und Filmemacherin Helene Hegemann schreibt über weibliche Formen der Selbstbestimmtheit, Springer-Autorin Ronja von Rönne schreibt über das Altern als Paar, "WamS"-Stilchef Adriano Sack über Androgynie. 

Spannend sind die Kunstformate: Künstler, die die Redaktion interessant findet, bekommen eine Art Carte Blanche und dürfen sich auf mehreren Seiten ausleben. Der Künstler Martin Martin Eder – bekannt für seine Frauenaquarelle – nutzte die Chance, um eine mehrseitige Bildstrecke mit Porträts schöner junger nackter Männer zu füllen. Fotokünstler Thomas Ruff gestaltete den Titel und 16 weitere Seiten mit den Setkarten früherer Hollywood-Schauspielerinnen und den Notizen ihrer Agenten.

"Die Dame" richtet sich an die Zielgruppe der "etwas älteren Leserin, die ansonsten gern Feuilletons liest", sagt Verlagsgeschäftsführerin Petra Kalb. Kalb, die bei AS Mediahouse auch Magazine wie "Blau" oder "Rolling Stone" managt, sieht in der Nische "großes Potenzial und ein Stück Printzukunft".

Das finden auch die Luxus-Anzeigenkunden, die 50 Seiten zum Bruttopreis von 25.000 Euro pro Seite gebucht haben. Einige haben sogar eigens Anzeigen für "Die Dame" entworfen, darunter Wempe, KaDeWe, Vitra (Kunde bei Boros Agentur) oder die Königliche Porzellan-Manufaktur. Das Heft sei bereits profitabel, sagt Kalb. Und Springer denkt darüber nach, eine englischsprachige Ausgabe herauszubringen und dafür auch internationale Autoren zu werben.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.