Christian Krug entdeckt "humoristische Seite" :
Stern stellt Hitler-Tagebücher doch noch aus

Der Stern plant eine Ausstellung mit gefälschten Hitler-Tagebüchern. 35 Jahre nach der Riesenblamage will Chefredakteur Christian Krug den Umgang mit der Affäre "entkrampfen".

Text: Petra Schwegler

Das Stern-Cover, mit dem die Sensation enthüllt werden sollte - sich aber als GAU der Blatt-Historie entpuppte.
Das Stern-Cover, mit dem die Sensation enthüllt werden sollte - sich aber als GAU der Blatt-Historie entpuppte.

Die größte Blamage in der Geschichte des G+J-Nachrichtenmagazins Stern ist mehr als 35 Jahre her  - und als Satire "Schtonk" verfilmt worden. Jetzt will der aktuelle Chefredakteur Christian Krug "die humoristische Seite" der so genannten Hitler-Tagebücher entdecken.

Er wolle den Umgang mit der Affäre "entkrampfen", sagt Krug den Hamburg-Seiten der Zeit. "Wir sollten das Thema noch immer mit großer Ernsthaftigkeit betrachten, aber auch mit größerer Gelassenheit. Ich finde, wir dürfen nach all den Jahren sogar die humoristische Seite daran entdecken", so der Stern-Chefredakteur.

Und so verkündet Christian Krug dem Blatt, dass der Stern erstmals einige der gefälschten Tagebücher aus seinem Tresor holen und im Verlagshaus ausstellen werde: bei einem "Tag des Journalismus" am 15. September.

Was Christian Krug über die Plagiate denkt

Für Krug selbst war es ein "sensationeller Moment", die Plastikbuchstaben auf einigen der Tagebücher zu berühren: "Sie fühlen sich noch billiger an, als sie auf Fotos aussehen. Wie ein Klingelschild in einer Reihenhaussiedlung. Das hätte einen doch stutzig machen können!", sagt der Journalist den Kollegen der Zeit.

Anders als im Jahr 2013 angekündigt, will der Stern die Tagebücher übrigens nun doch nicht ans Bundesarchiv Koblenz abtreten. Krug sagt: "Der Stern hat die Kladden immerhin teuer gekauft. Dafür haben wir nicht nur viel Geld, sondern auch viel Lehrgeld bezahlt. Deshalb möchte ich, dass die Bücher bei uns bleiben. Dass wir die Dokumente unserer größten Niederlage selbst verwahren."

Wir erinnern uns: Stern-Reporter Gerd Heidemann konnte sich nicht zurückhalten und veröffentlichte Ende April 1983 unter großem Hallo die 62 Kladden, hinter denen der Fälscher Konrad Kujau steckte. Nachdem sich die Tagebücher nur wenige Tage später nicht als Weltsensation, sondern als geschickte Fälschung entpuppten, landete das Kujau-Werk im Giftschrank der Stern-Mutter Gruner + Jahr. Und dort blieben sie lange. Einige Exemplare wurden im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt, das neue Polizeimuseum Hamburg sollte auch ein "Hitler-Tagebuch" bekommen.