Neuer TV-Sender :
Thoma will aus Nix Geld machen

Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma will mit dem interaktiven "NIX TV" junge Leute für das Live-Fernsehen zurückgewinnen. Das Format wurde von Medienstudenten beim privaten Regionalsender NRW.TV in Düsseldorf entwickelt und geht am Mittwoch zum ersten Mal auf Sendung.

Text: Deutsche Presse-Agentur

Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma will junge Leute für das Live-Fernsehen zurückgewinnen. Viele meinten, Zuschauer zwischen 14 und 29 gingen dem TV verloren, weil sie auf Smartphones und Tablets ihr eigenes Programm zusammenstellten, sagte der 75-Jährige) am Freitag in Düsseldorf. "Ich glaube, da verwechselt man Ursache und Wirkung. In Wahrheit ist es so, dass ihnen nichts geboten wird und sie daher ausweichen."

Thomas Angebot heißt Nix TV. Das neue interaktive Format geht am Mittwoch (18. Juni) zum ersten Mal auf Sendung. Einspielfilme, Talk und Straßenreportagen sollen junge Leute von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr nicht nur vor den Fernseher holen, sondern auch via Social Web vernetzen.

Nix ist aber nicht ein von Medienstudenten entwickeltes TV-Format, sondern zugleich ein Sender. Thoma setzt damit auch sein Konzept um, das bisher Volks TV hieß und ein Mantelprogramm für regionale und lokale Fernsehsender werden soll.

Falls Nix TV Erfolg hat, will Thoma es stufenweise von zwei auf 16 Stunden ausbauen und in Baden-Württemberg, Hessen und anderen Bundesländern anbieten. Eine Marktlücke sieht Thoma nicht nur beim Publikum: "Ich glaube, dass auch bei der werbetreibenden Industrie ein enormer Bedarf nach solch einem Sender besteht, so dass er auch zu finanzieren sein müsste."

Thoma war im Frühjahr beim Düsseldorfer Sender NRW.TV mit einem Anteil von 24 Prozent eingestiegen und übernahm die Geschäftsführung. Zu den
Gesellschaftern zählen außerdem Ralf G. Neumann und die Funke Mediengruppe. Thoma hatte vor 30 Jahren als Direktor das deutschsprachige RTL-Fernsehprogramm an den Start gebracht. Bis 1998 war er RTL-Geschäftsführer und danach vier Jahre NRW-Medienbeauftragter.

NIX TV ließ er von 40 Studenten zwischen 20 und 25 Jahren entwickeln. "Nur mit der Kreativität ihrer Altersgenossen vor und hinter der Kamera kann Fernsehen die jungen Leute wieder erreichen", glaubt Thoma. Sein Auftrag an die Studenten lautete: "Erfindet das Fernsehen neu." Nach den Proben meinte er: "Die können es." Gezeigt wurde bei der Ankündigung am Freitag aber noch nichts, auf der Nix-Website läuft nur ein Countdown.

Für die Studenten war die Entwicklung ein Praktikum, bei dem sie lediglich eine Aufwandsentschädigung bekamen. Für einige von ihnen soll aber aus Nix ein bezahlter Job werden, falls sich Thomas Hoffnungen erfüllen. Jürgen Brautmeier, Direktor der NRW-Landesanstalt für Medien, sagte, das Konzept, lokalen TV-Sendern überregionale Inhalte anzubieten, könne aufgehen: "Wenn man hier in Deutschland noch etwas Neues hinbekommen will, dann vielleicht mit solch einem Modell, weil es die richtige Kombination ist aus dem Lokalen, dem Regionalen und der Verbindung zur Welt."