ProSiebenSat.1 mischt mit :
Unterschätzt Out of Home nicht!

Print, Radio und Lokal-TV fürchten regionalisierte TV-Werbung von ProSiebenSat.1 - dabei mischt der Konzern ab sofort viel nachhaltiger bei Außenwerbung mit. Eine Einordnung von W&V-Redakteurin Petra Schwegler.

Text: Petra Schwegler

Als ProSiebenSat.1 vor einem Jahr auf Basis eines Gerichtsurteils begonnen hat, auch regionalisierte TV-Werbung anzubieten, liefen Print, Funk und Lokal-TV Sturm. Die von Verlegern gelenkten Gattungen befürchteten zu viel Konkurrenz auf dem Werbemarkt vor Ort. In der Folge verbannten die Länder die Möglichkeit aus dem Rundfunkverstaatsvertrag - mit offenem Ausgang. ProSiebenSat.1 bemüht aktuell die Gerichte mit einer Verfassungsklage gegen den neuen Länderkontrakt. Damit werde gegen den Gleichheitssatz und die Rundfunkfreiheit verstoßen, argumentieren die Senderanwälte.

Egal wie das Verfahren endet: ProSiebenSat.1 hat bereits für neue Konkurrenz gesorgt - für ernstzunehmende. Vermarktungstochter SevenOne Media verkündete vergangene Woche, künftig auch digitale Außenwerbung anbieten zu wollen. Der neue Geschäftsbereich firmiert sogar als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen 7Screen und kooperiert mit Außenwerber Cittadino. Macht rund 10.000 Screens on Top und mehr als 225 Millionen zusätzliche Kontakte im Monat für Werbekunden von ProSiebenSat.1. Wo bleibt jetzt der Aufruhr der regionalen Konkurrenz aus Verlagen und Lokalsendern?

Dabei macht sich der umsatzstärkste und börsennotierte TV-Konzern in einem echten Boom-Segment breit, das sich dem Niveau des Reklamemediums Hörfunk annähert: Mit der Digitalisierung steigen die Werbeerlöse von Out of Home, seit Monaten in Folge belegt von Nielsen- und ZAW-Zahlen. Große Player wie Ströer kaufen geschickt zu oder verknüpfen ihre Außenwerbung mit zukunftsfähigen Techniken, die das omnipräsente Smartphone miteinbeziehen. Für den Mediamix stärken Vermarkter die Säule Out of Home. Selbst die lange unterschätzten Ambient Medien in Bars oder auch an Zapfsäulen können 2015 einen Anstieg ihrer Bruttoumsätze gegenüber Vorjahr um ein Drittel verzeichnen - von 39,2 auf 52,3 Millionen Euro. 

Out of Home wird zum wichtigen Werbeinstrument in einer Zeit, in der Medienkonsumenten immer mobiler werden. So versteht auch SevenOne Media den Neustart, über den Geschäftsführer Thomas Port sagt: "Mit dem Einstieg in den stark wachsenden Digital Out of Home-Markt erweitern wir die Customer Journey und können die Nachfrage unseren Werbekunden nach integrierten Vermarktungskonzepten in TV, Online, zu Hause und unterwegs bis hin zum PoS aus einer Hand bedienen."

Hinter vorgehaltener Hand räumen Radiomacher längst ein, dass sie Außenwerber als Konkurrenz vor Ort mehr fürchten als TV. Immerhin verfügen WallDecaux und Co. - anders als nationale Sender - über ein dichtes Vertriebsnetz in den Ballungsräumen. Auch das ändert ProSiebenSat.1 mit 7Screen: Zu den digitalen Marktflächen, auf denen SevenOne Media künftig Außenwerbung anbieten wird, zählen Flughäfen, Tankstellen, Raststätten, Shoppingcenter und öffentliche Plätze in Großstädten oder der Point of Sale

Liebe Werbekunden und konkurrierende Vermarkter: Unterschätzt Out of Home nicht! Erst recht nicht, wenn von digitaler Außenwerbung die Rede ist.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.