Bilanz für 2016 :
Was Gruner + Jahr richtig macht

Dank Territory, DMM, "Barbara", "Stern Crime" und neuer Ideen rund um "Brigitte" oder "Stern" lief es 2016 gut für Gruner + Jahr. Die Details.

Text: Petra Schwegler

G+J-CEO Julia Jäkel musste 2016 viel entscheiden.
G+J-CEO Julia Jäkel musste 2016 viel entscheiden.

2016 musste Gruner + Jahr einen Spagat hinlegen. Bei schmerzhaften Einschnitten überzeugte CEO Julia Jäkel bei der Hamburger Bertelsmann-Tochter ihre Belegschaft, große Marken wie "Brigitte" und "Stern" zu stärken, neue Konzepte auszuprobieren ("Barbara", "Stern Crime") und sich gleichzeitig digitalen Geschäften zu öffnen. Das schwierige Verlagsgeschäft in Österreich und Spanien wurde veräußert.

Die Bilanz offenbart nun: 2016 scheint ein Wendepunkt für G+J zu sein. Mutter Bertelsmann darf sich wieder über 137 Millionen Euro Gewinn freuen – bei einem Umsatz von 1,58 Milliarden Euro (Vorjahr: 131 Mio. gewinn, 1,61 Mrd. Umsatz). Das Jahr sei "gekennzeichnet von einem sprunghaften Wachstum des Digitalgeschäfts", heißt es aus Hamburg. In Deutschland ging es mit dem Bereich um 48 Prozent nach oben, in den Kernmärkten insgesamt um 36 Prozent. "In Deutschland und Frankreich machen die digitalen Aktivitäten nun rund ein Viertel der Umsätze aus", heißt es.

Woher kommt das digitale Plus bei G+J?

Vor allem aus deutlich höheren Werbeumsätzen bei den deutschen Markenwebsites in den Bereichen Frauen, Food, Wohnen und Familie sowie beim Performance-Vermarkter Ligatus. Hinzu kommt das neue Multichannel-Videonetzwerk Club of Cooks und mehr E-Commerce-Aktivitäten mit dem "Schöner Wohnen"-Shop.

"Im vergangenen Jahr ist uns viel gelungen." 

Zitat: G+J-CEO Julia Jäkel

Eigenentwicklungen wie etwa die Vermarktungsplattform App Like und Zukäufe wie der des Technologieunternehmens LiquidM beflügeln den Digitalumsatz zusätzlich. Auch die Neuakquisition Groupe Cerise als einer der führenden digitalen Bewegtbild-Anbieter in Frankreich trägt zum Plus bei.  

Besonders hervorgehoben wird von G+J für 2016 die Gründung neuer Unternehmungen wie der Deutschen Medien-Manufaktur (DMM; "Landlust", "Essen & Trinken") oder Territory, den das Medienhaus "Deutschlands größter Anbieter für Content Communication" nennt. Der Neustart trug dann auch gleich durch Investitionen etwa in die Digitalagentur Webguerillas zum Umsatzwachstum von G+J Deutschland bei.

Was sonst noch richtig gemacht wurde

Wichtig ist auch der Deutsche Pressevertrieb DPV, der seine Marktposition durch die Übernahme des Axel Springer Vertriebsservices ausbaute. Und: Gemeinsam mit RTL-Vermarkter IP Deutschland bildete Gruner + Jahr EMS die Ad Alliance für gattungsübergreifende Vermarktungskonzepte. Das bedeutet für die Bertelsmann-Töchter: mehr Relevanz im Werbemarkt. 

Übrigens: Mutter Bertelsmann, Medien- und Dienstleistungskonzern, hat am Vortag seine Bilanz vorgelegt – wonach der Konzern 2016 seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro gesteigert hat. Der Umsatz ging um weniger als 1 Prozent auf 17,0 Milliarden Euro zurück. Den größten Anteil am Gewinn steuerte die RTL Group mit 720 Millionen Euro bei, G+J ist mit 137 Millionen Euro dabei – wie eingangs erwähnt.  

Die Gütersloher wolle nun bis 2020 mehrere Milliarden Euro in ihre Geschäfte investieren. Bei der internationalen Expansion will CEO Thomas Rabe den Blick neben Brasilien, Indien und China besonders auf die USA richten.  


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.