Kai Diekmann im "Handelsblatt"-Interview :
"Wenn es nötig sein sollte, werde ich auch mal etwas zur Sprengung bringen"

Kai Diekmann übergibt die "Bild"-Chefredaktion an Tanit Koch. Was danach kommt, verrät er im Interview mit dem "Handelsblatt". Natürlich hat die Digital-Strategie des Unternehmens einiges damit zu tun, aber auch Print verliert Diekmann nicht aus dem Blick.

Text: Lisa Geiger

- keine Kommentare

Kai Diekmann im "Handelsblatt"-Interview: "Der Redaktion habe ich gesagt, dass ich künftig als Satellit über ihr kreisen werde."
Kai Diekmann im "Handelsblatt"-Interview: "Der Redaktion habe ich gesagt, dass ich künftig als Satellit über ihr kreisen werde."

Kai Diekmann gibt die Chefredaktion der "Bild" an Tanit Koch ab. Ab dem 1. Januar 2016 wird die 38-Jährige die Chefredaktion leiten und wie die anderen Chefredakteure der "roten Gruppe" an ihn berichten. Im Interview mit dem "Handelsblatt erklärt Diekmann, warum er den Chefredakteurs-Sessel räumt und worum er sich in seiner neuen Position als Herausgeber kümmern wird.

Nach 15 Jahren an der Redaktionsspitze kündigt Diekmann seiner Redaktion an, als Herausgeber künftig wie ein "Satellit" über ihr zu kreisen. Wenn nötig, "werde ich auch mal etwas zur Sprengung bringen", sagte er dem Handelsblatt. Abseits des Tagesgeschäfts will sich Diekmann jetzt die Zeit nehmen, um Neues zu entwickeln, auch die internationale Entwicklung der Marke "Bild" steht auf seiner Agenda. Wie das aussehen soll, verrät er nicht im Detail. Aber als Beispiele führt Diekmann Digital-Themen wie die für Samsung entwickelte App "Upday" an, sowie Facebooks "Instant Articles" und das Nachrichtentool von Snapchat. Aber auch eine "Print-Verlängerung von Bild" schließt er als künftigen Erfolgsbringer nicht aus.

Warum er sich gerade jetzt von seinem Chefredakteurs-Posten verabschiedet, begründet Diekmann mit den veränderten Organisationsstrukturen: Für die vielen neuen Kanäle gelte kein Redaktionsschluss mehr. Der digitalen Revolution passe sich die "Bild" nun mit der Umstruktrierung ihrer Redaktionsspitze entsprechend an. Tanit Koch könne sich "24 Stunden am Tag" um die Print-Ausgabe kümmern. "Ich selbst konnte das schon seit längerer Zeit wegen vieler anderer Aufgaben nicht mehr ausreichend leisten", erklärt Diekmann.

Seine persönliche Bilanz fällt Diekmann-gemäß sehr selbstbewusst aus. Es sei ihm gelungen, "Bild" immer wieder neu zu erfinden: "Wir sind publizistische Avantgarde, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren".

Und auch Diekmann selber probiert Neues - und zwar als Schauspieler. Laut dem "Handelsblatt" wird man ihn am 10. Januar im "Tatort" mit Maria Furtwängler erleben. Viel Text muss Diekmann nicht lernen - denn er spielt eine Leiche.


0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit