Wir brauchen mehr Bentos, große, kleine, schnelle, langsame, bunte und auch schwarz-weiße, um zu testen, was hängen bleibt und wieso, um daraus Schlüsse ziehen zu können. Diese Bentos werden die neuen Stars sein, jüngere Leserinnen anziehen, tolle Journalistinnen hervorbringen und die Medienbranche zu neuer Blüte führen. Dafür brauchen sie Zeit und Geduld, aber was wir stattdessen beobachten ist, dass die deutsche Huffington Post nicht mehr da ist, dass Buzzfeed Deutschland zum Verkauf steht und vieles mehr. 

Und während wir in der letzten Woche noch das provokante Video von Rezo als guten Impuls gelobt haben, hat sich ausgerechnet die FAZ zu einem Antwortvideo verleiten lassen, in dem sie zum einen kleinteilig belegt, welcher zitierte Fehler eigentlich keiner ist, vor allem aber in den fünf emotionalen Minuten der halben Stunde auf dem Niveau von “stalinistischen Selbstbezichtigungsmethoden” argumentiert und kritisierte Redakteure damit verteidigt, dass diese ja schon seit vielen Jahren im Haus und auch mit vielen aus dem Haus privat befreundet sind. Das ist ein klassischer Abwehrmechanismus gegen Neues von außen, aber keine inhaltliche Auseinandersetzung, die weiter bringt.

Innovation ist oft anstrengend, wirkt aber manchmal ganz einfach: Auch Taxifahrerinnen hatten “damals” (2008) noch nicht standardmäßig Smartphones, also haben die Gründer von My Taxi den ersten 100 ein iPhone geschenkt und so die notwendige Marktdurchdringung künstlich geschaffen. Anstatt wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass die Zustellung der gedruckten Tageszeitung teurer wird, die Leserinnen in der Provinz aber wegen mangelnder Ausstattung mit Tablets o.ä. nicht erreicht werden, könnten Verlage diese Idee doch kopieren: Warum nicht den Zustellerinnen ein Tablet für jede Abonnentin mitgeben und dann das digitale Angebot konsequent vermarkten? Ein iPad als Aboprämie gibt es ja bereits, scheint aber nicht auszureichen. Nur so eine Idee, denn die tägliche Zeitung aus Papier hat schon bald keine Zukunft mehr.



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Autor: W&V Redaktion

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