Influencer-Prank :
So leicht lassen sich Influencer durch einen Fake-Laden reinlegen

Wie gut ist es um die Glaubwürdigkeit von Influencern bestellt, wenn sie nicht einmal eine kleine Flunkerei entlarven? Sie hielten den Luxus-Laden Palessi für echt, dabei war er eine dreiste Fälschung.

Text: Annette Mattgey

Diese Influencerin ist bereit, 600 Dollar für den Sneaker zu zaheln.
Diese Influencerin ist bereit, 600 Dollar für den Sneaker zu zaheln.

Wer die Veröffentlichungen der Stiftung Warentest liest, weiß es: die preisgünstigen Marken sind nicht unbedingt die qualitativ schlechteren. Aber bei den teureren Angeboten ist das Papier goldener, die Verpackung ausgefallener, die Form stylischer. Und natürlich muss man als Käufer den Markennamen - und die Werbeaufwendungen mitfinanzieren.

Wie leicht wir uns von wohlklingenden Namen und dem Ambiente eines Ladens einlullen lassen, zeigte jetzt das Experiment des Schuh-Discounthändlers Payless. Das Unternehmen, 1956 gegründet, macht mehrere Milliarden Dollar Umsatz im Jahr. 

Für den Prank baute die Werbeagentur DCX Growth Accelerator einen Luxus-Schuhladen mit dem Namen Palessi. In den Regalen stehen allerdings Payless-Modelle, die zwischen 20 und 40 Dollar kosten. Die edle Präsentation verführte die eingeladenen Influencer jedoch dazu, weit höhere Preise zu akzeptieren, bis zu 640 Dollar.

Payless machte mehrere 30 Sekünder, die während der Ladeneröffnung gedreht sind und die ersten Reaktionen der Influencer auf die Payless-Schuhe zeigen. Am Ende löst Payless das Täuschungsmanöver auf. Die Gesichter der Influencer sind unbezahlbar.

Das sind die Payless-Videos:

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Möglicherweise sind die Hochzeiten der Influencer sowieso bald vorbei, meint zumindest Toan Nguyen von Jung von Matt/Sports bei Spiegel Online, der sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. "Influencer-Marketing ist ein Verdrängungsmarkt geworden", konstatiert er.  Überleben werden nur diejenigen, die Glaubwürdigkeit ausstrahlen und eine enge Verbindung zu ihren Fans haben. Die erste Riege von Pamela Reif bis Biance Heinicke werde bestehen, auch weil sie sich mittlerweile neue Betätigungsfelder wie Bücher oder klassische Werbung suchen. "Die digitale C- und D-Prominenz wird es schwerer haben. Special-Interest-Themen, wie zum Beispiel Gaming aber, werden wachsen", sagt Nguyen.

Misstrauisch macht Marken auch die hohe Zahl von Bots, die automatisiert auf Posts reagieren. Nur hinter jedem fünften Kommentar steckt ein menschlicher Autor, sagt eine Studie der US-Plattform Sway. Dort glaubt man zwar nach wie vor an die Werbewirkung der Influencer, hat aber auch strenge Maßstäbe, die sogenannten Sway Influencer Validation and Impact Criteria (SIVIC), um Betrug zu verhindern:

Beobachtet werden etwa

  • das Follower-Wachstum. Wenn ohne Anlass Ausschläge nach oben verzeichnet werden, markiert Sway den Account.
  • das Engagement. Z.B. aus fragwürdigen Quellen oder mit Hashtags wie #likeforlike, die Fake-Follower und Bots anziehen
  • die Kampagnen-Historie. Wie gut haben vorhergehende Aktionen mit dem Influencer funktioniert?

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Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".