Messenger Marketing :
Liebe Kreative, löst endlich die Handbremse vom Messenger Marketing!

Messenger Marketing ist das hotteste Buzzword des Jahres, findet Gastautor Sven Wiesner.

Text: W&V Leserautor

Sven Wiesner, Geschäftsführer Havas beebop
Sven Wiesner, Geschäftsführer Havas beebop

Diese Zahlen dürften auch den letzten Messenger-Muffel überzeugen: Mit satten 1,2 Milliarden Nutzern im April 2017 ist das Wachstum des Facebook Messengers rasant schnell. Ähnlich sieht es bei WhatsApp aus: im Juli dieses Jahres vermeldete der Dienst ganze 1,3 Milliarden aktive Nutzer. Die beiden Platzhirschen teilen den weltweiten Markt unter sich auf, die Messenger- Nutzeraktivitäten überflügeln schon lange die Nutzung der klassischen Social Media Portale. Den Trend kann jeder bei sich selbst und seinem persönlichen Umfeld beobachten: Der Austausch mit Freunden verlagert sich massiv weg vom Social Media Stream und hin zum Messenger – sei es in geschlossene Gruppen oder Direktkonversationen.

Rettung naht: Messenger Marketing

Die Antwort auf diesen Trend nennt sich Messenger Marketing, das wohl hotteste Buzzword dieses Jahres. Nicht zu unrecht, denn Marken, Medien und Dienstleister stehen vor dem größten Shift in der digitalen Kommunikation mit ihren Konsumenten seit der Einführung des Web 2.0. Zukünftig reicht es schlichtweg nicht mehr, etwas im Stream zu posten. Denn die Reichweite schwindet dort zunehmend. Warum? Wen interessiert schon das Facebook Posting von Marke XY, während im Messenger die neuesten Fotos vom Familienzuwachs im Freundeskreis geteilt werden?

Innovation mit angezogener Handbremse

Die Plattformen bringen sich mit smarter Technik in Stellung. Dank Chatbots, künstlicher Intelligenz und Smart Data sind nun vollautomatisierte Kundenkonversationen möglich. Mit der kürzlich gelaunchten Facebook Messenger Platform 2.2 sogar auch auf der eigenen Unternehmenswebsite. Das Alles ohne nennenswerten Programmieraufwand im Vergleich zu einer eigenen App. Dennoch gelten Messenger und Chatbots im Marketing allgemein immer noch als heißes Eisen. Es ist wie so oft – niemand will der Erste sein.

Kreative Cases sind derzeit Mangelware

Nach Messenger-Cases von Brands aus dem deutschsprachigen Raum sucht man lange, noch länger nach wirklich kreativen Kampagnen. Die Sparkassen Finanzgruppe hat beispielsweise den Chatbot „Der Bote“ zur Bewerbung ihrer Mobile App Kwitt ins Rennen geschickt. Eine virtuelle Chatbot Persona, die als tätowierter Koloss auftritt und beispielsweise Schulden von Facebook Freunden eintreibt. Erreichbar unter

https://www.messenger.com/t/wirsindkwitt

Tipico setzt ebenfalls auf einen personifizierten Chatbot, allerdings in Form des Testimonials Oliver Kahn. Beim Chatbot „Titan Tipp“ kann der User mit der richtigen Voraussage der Torschützen satte 100.000 Euro gewinnen. Das gesamte Gewinnspiel findet innerhalb des Facebook Messengers statt, moderiert durch den virtuellen Kahn. Zu finden unter

https://www.messenger.com/t/dertitantipp. Weitere Cases im deutschsprachigen Raum finden sich bei den Brands Opel (Chad der Probefahrten Bot), eBay (ShopBot) und HLX (Reise Chatbot)

‚Messenger Marketing’... klingt wie Postwurfsendung

Vielleicht liegt es ja am drögen Titel, dass hierzulande noch sehr wenige wirklich kreative Cases auf Basis des Facebook Messengers, WhatsApp & Co. umgesetzt wurden. ‚Messenger Marketing’ – das klingt ja so spannend wie Postwurfsendung und Telefonvertrieb. Eigentlich also kein Wunder, dass das Thema bisher eher von Entwicklern, also der technischen Seite aus getrieben wird, als von kreativen Strategen und Konzeptern. Aber hier drehen wir uns meiner Meinung nach im Kreis. Denn was nützt uns eine noch so smarte Technik, wenn sie nicht auf sinnstiftende und unterhaltsame Weise an die Konsumenten herangeführt wird? Wir brauchen also nicht den x-ten Pizzabestell-Chatbot, sondern kreative, um die Ecke gedachte Lösungen, um diese innovative Technik im Alltag der Konsumenten zu integrieren. Und genau hier seid ihr gefragt, die kreativen Köpfe des Landes!

Fazit: Wir brauchen Tag-Teams aus Kreativen und Entwicklern

Die Technik ist vorhanden und wird immer smarter. Was das Messenger Marketing jetzt braucht, um in Deutschland voll durchzustarten, sind kreative Cases. Hier sind neben mutigen, innovationsgetriebenen Marken vor allem die Kreativen selbst gefragt. Gönnt euch mal einen Tag mit dem Entwickler-Nerd eurer Agentur und lasst euch die Möglichkeiten des Messenger Marketings erklären. Noch besser: Bildet ein Tag-Team, überrascht eure Kunden mit grandiosen wie technisch ausgefuchsten Ideen und bringt so das Messenger-Marketing in Deutschland zum Fliegen!


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W&V Leserautor

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