Kein Bock mehr auf Werbung? :
Youtube-Ads: Wie sich in sechs Sekunden Spannung aufbauen lässt

Werbung nervt - vor allem dann, wenn sie sich nicht wegklicken lässt. Aber es gibt einen Ausweg. Wie der funktioniert, erklärt uns Markus Sekulla.

Text: Markus Sekulla

Chipsmore Malaysia Kurz-Clip: Sorry, not sorry. #takeiteasy
Chipsmore Malaysia Kurz-Clip: Sorry, not sorry. #takeiteasy

Nicht nur für die unter 25-Jährigen ist Youtube so etwas wie die Hauptanlaufstelle im Internet. Ich bin, wie viele andere meiner Generation, faszinierter Youtube-Autodidakt. Zurzeit eigne ich mir mit viel Mühe und noch mehr Videostunden einen grünen Daumen an. Zudem gibt es meine Lieblings-US-Sport-Show (First Take) jeden Morgen am Frühstückstisch. Eine Erkenntnis, die man nach kurzer Zeit des Youtube-Bingens unweigerlich macht: Werbung auf Youtube ist echt scheiße.

Aber vielleicht bin ich mit dieser Ansicht alleine? Hinter dem Horizont geht es ja bekanntlich weiter. Eine kurze - keineswegs repräsentative - Umfrage in zwei Bürogebäuden mitten in Deutschland verdeutlicht schnell: Nein, damit stehe ich nicht alleine da. Im Gegenteil. Dass das „Um das Video zu sehen musst du dir diesen ätzenden 30-Sekunden-Spot reinziehen” nicht den Puls der Zeit trifft, hat Youtube auch schon eingesehen und will wieder zu nutzerfreundlicheren Werbeformaten wechseln.

Good News soweit, aber dann sollte Youtube bitte auch die Spots mitten im Video rausnehmen. Denn es gibt wohl nichts Schöneres als in einer Badewanne voll mit warmen Wasser zu sitzen und mitten im Video eines Live-Konzerts startet ein Spot, der sechseinhalb Minuten plärrt. Übel wird es erst recht, wenn das Smartphone dann auch noch im Regal liegt, sodass man den Spot nicht schnell wegdrücken kann. Ich übertreibe ...

Kleiner Einschub: Der Quatsch mit der Werbung ist kein exklusives Phänomen auf Youtube. Mein Smart-TV ist noch nutzerunfreundlicher. Vor jedem Video startet wohlgemerkt eine ganze, nicht wegdrückbare Werbung. Selbst dann, wenn das Video selbst nur 50 Sekunden dauert. Keine Übertreibung.

Aber es scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Der, nicht mehr ganz so neue, heiße Scheiß heißt "Bumper Ads". Das sind die kurzen sechs Sekunden Werbungen, die vor jedem Video laufen, bevor man sie skippen kann. Der Clou: Laut meiner Umfrage nehmen die Nutzer die kurzen Clips in Kauf, solange man die Möglichkeit hat, sie nach sechs Sekunden wegklicken zu können. Dabei will ich gar nicht darauf eingehen, wer ab wann was bezahlt. Der Surfer im Netz ist nicht wegen der Werbung dort unterwegs. Warum also nicht die Zeit nutzen, um sich cool zu zeigen.

Gehen wir davon aus, dass keiner — wirklich keiner — lange Spots als Preroll-Werbung sehen will, dann gibt es zwei Möglichkeiten wirklich gute Werbung auf Youtube zu schalten. Option 1, der Spot dauert nur sechs Sekunden. Option 2, der Spot dauert zwar länger als sechs Sekunden, ist aber in dieser Zeit schon so fesselnd, dass der Rest der Werbung auch angesehen wird.

Mein Appell: Bleibt bei Variante 1. Bitte. Dafür gibt es auch einige tolle Beispiele:

Under Amour

Secret Deodorant

Old Spice

Chipsmore Malaysia

Kitkat

Krispy Kreme

Tom Ford

Mercedes-AMG

Wir sehen, sechs Sekunden können reichen, um eine Werbebotschaft zu platzieren. Mein Lieblingsbeispiel darunter war der Mercedes Benz Spot, da in diesem auch der Inhalt auf die kurze Dauer eingezahlt hat. Und es gibt schließlich eine ganze Menge was in sechs Sekunden passieren kann — Beschleunigung von 0 auf 150, drei Liegestütze, ein Kapselkaffee, ein Single verliebt sich über Tinder und vielleicht könnte man auch Werbung für Kondome in den sechs Sekunden unterbringen (you know the story).

Variante B ist die hohe Kunst der Werbung.

Wenn ihr herausfinden wollt, ob euer Werbespot sich für Variante 2 qualifiziert, schaut ihn noch mal in Ruhe an. Anschließend sagt euch gegenseitig ein ehrliches und betriebsunblindes „Nein” ins Gesicht. Denn die drei Spots, die das im Jahr schaffen, dürfen sich ihren Löwen direkt aus Cannes zuschicken lassen. Was gemeint ist? Zum Beispiel der Clip:


Autor:

Markus Sekulla
Markus Sekulla

W&V-Kolumnist Markus Sekulla ist freiberuflicher Unternehmensberater im Bereich Kreative/Digitale Kommunikation. Er befasst sich in der nicht immer klar zu trennenden Frei-und Arbeitszeit am liebsten mit New Work, Trends, digitalen Kampagnen und kreativen Ideen.


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