Umfrage :
"Die Disruption war ein müdes Vorspiel"

Wie können wir die digitale Zukunft menschlich gestalten? Und was müssen wir dafür tun? Das wollten wir von zahlreichen Digital-Experten wissen - und haben uns in der Branche umgehört. Mit spannenden Erkenntnissen. Lesen Sie Teil Drei unserer großen Umfrage!

Text: W&V Redaktion

Marcel Hollerbach, Productsup
Marcel Hollerbach, Productsup

Wie können wir die digitale Zukunft menschlich gestalten? Und was müssen wir dafür tun? Das wollten wir von zahlreichen Digital-Experten wissen - und haben uns in der Branche umgehört. Mit spannenden Erkenntnissen. Lesen Sie Teil Zwei unserer großen Umfrage!

Julian Kramer

Julian Kramer

Julian A. Kramer, Chief Experience Ambassador bei Adobe

„Ich bin davon überzeugt, dass KI uns in Zukunft mentale und kognitive Schwerstarbeit abnehmen kann - ähnlich wie uns die Industrialisierung körperliche Arbeit erleichtert hat - und uns so ermöglicht, noch größere, komplexere Fragen zu lösen und kreativer zu sein. Hoffnung auf eine „menschliche“ digitale Zukunft machen mir Beispiele, wie Digitales echte menschliche Probleme lösen kann. Etwa, wenn wir uns vor Augen führen, dass algorithmische medizinische Diagnostik in naher Zukunft für zwei Drittel der Weltbevölkerung mehr Zugang zu Gesundheitsversorgung darstellen wird, als sie es je hatte. Um das Zusammenspiel von Mensch und Maschine "menschlich" zu gestalten, müssen wir uns fragen, was uns bei aller Heterogenität denn überhaupt „menschlich“ macht. Diese uns einenden Werte, von denen wir im Innern wissen, dass wir sie als Menschen teilen, müssen die Grundlage beim Entwerfen von intelligenten Systemen sein, die uns am Ende ja als Werkzeuge für unsere eigene Entwicklung zur Seite stehen sollen.“

Marcel Hollerbach

Marcel Hollerbach

Marcel Hollerbach, CMO Productsup

"Künstliche Intelligenz wird die Industrie in den kommenden Jahrzehnten in einem Maße verändern gegen das die Disruption, die wir mit der Einführung des Internets erlebt haben, wie ein müdes Vorspiel wirkt. Es ist wichtig, darauf mit Aufklärung und Ausbildung zu reagieren. Die E-Learning Plattform Udacity wirbt in Kalifornien auf Billboards bereits mit dem Slogan „Dear Uber drivers - self-driving cars are coming. Better prepare now!“. Der Zeitpunkt die Gesellschaft auf den Wandel durch K.I. vorzubereiten und ggf. neue persönliche Fähigkeiten zu entwickeln, die Maschinen überlegen sind, ist jetzt. Richtig eingesetzt sind Maschinen ein tolles Werkzeug für den Menschen und keine Gefahr."

 

Volker Helm

Volker Helm

Volker Helm, Managing Director DACH & Nordics bei Quantcast

"Menschen sind kreativ. Zwar gibt es schon Kunst- und Musikprojekte, die von KI gestaltet wurden, aber Maschinen sind nicht in der Lage emotionale Aspekte einzubeziehen und zu bewerten, wie wir Menschen es können. Entscheidend ist, dass wir uns mit der Technologie befassen; sie verstehen lernen, ihre Möglichkeiten aber auch ihre Grenzen erkennen. Wenn wir bereit sind zu lernen und auszuprobieren, liegt die Zukunft ganz klar in der Symbiose aus Mensch und Maschine."

Günter Lewald

Günter Lewald

Günter Lewald (geschäftsführender Gesellschafter von B+D Communications):

"Die Digitalisierung ist die Chance, unsere Zukunft menschlicher zu gestalten. Sie eröffnet neue Möglichkeiten der Teilhabe, der Mobilität, des Gesundheitsmanagements, der politischen Partizipation und des Arbeitens, die wir konsequent von den Bedürfnissen der Menschen ausgehend erschließen müssen. Hierfür müssen wir die Voraussetzungen in Infrastruktur, Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie klare gesetzliche Regelungen schaffen. Bürokratie-Monster wie die DSGVO helfen da nicht. Denn hier entsteht Aufwand, den auf Dauer nur die akzeptieren, denen es primär um den ROI geht. Und eben nicht um die Menschen."

Marcus Naumann

Marcus Naumann

Marcus Naumann, Strategiestudio child: 

"Menschen reden miteinander, mit Haustieren und sogar mit Plüschtieren. Wir haben ein Sendungsbedürfnis, wollen uns ständig gegenseitig alles erklären. Ein Beleg dafür ist der Erfolg von Wissenschaftssendungen oder Talk- und Quizshows. Bei der Interaktion von Mensch und Maschine ist es endlich umgekehrt. Plötzlich müssen Menschen die Klappe halten und genau überlegen, was diese Maschinen, die durch bessere Sensoren mehr wahrnehmen und mit höherer Prozessorleistung mehr Informationen verarbeiten können, zu sagen haben. Ich bin optimistisch, dass die durch KI erlangte neue Erkenntnistiefe dem menschlichen Verlangen nach Weltverstehen zutiefst entspricht. Dafür müssen wir allerdings lernen, anderen als uns selbst zuzuhören."


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W&V Redaktion
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