Interview :
"Die übergroße Dominanz der GAFAs ist kaputt!"

Matthias Schrader, SinnerSchrader-CEO und Ausrichter der NEXT Conference (gemeinsam mit Faktor 3), erklärt im Interview, was wir an der digitalen Zukunft dringend reparieren müssen. 

Text: W&V Redaktion

Matthias Schrader
Matthias Schrader

Herr Schrader, das Motto der NEXT 2018 lautet „Digital Fix – Fix Digital“ – was genau ist denn so kaputt, dass wir es reparieren müssen?

Kaputt sind digitale Produkte, die das Leben nicht verbessern und keinen echten Nutzen haben, sondern uns in Filterblasen isolieren und die Gesellschaft spalten. Kaputt ist die übergroße Dominanz der GAFA-Konzerne (Google, Apple, Facebook, Amazon), die in immer neue Bereiche unseres Lebens vordringen. Kaputt ist digitale Technologie, die nicht dem Menschen dient, sondern ihn beherrscht.

Soll uns die Digitalisierung denn nicht eigentlich dabei helfen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft auf eine neue Ebene zu bringen?

Die Digitalisierung ist ein mächtiges Werkzeug, das wie jedes Werkzeug je nach Ziel und Zweck gut und weniger gut eingesetzt werden kann. Es ist nicht so, dass digital automatisch gleich Fortschritt bedeuten würde. Wir als Digitalbranche sind nicht über jegliche Kritik erhaben. Doch mit einem konsequenten Fokus auf den Menschen und sein Wohl werden wir am Ende erfolgreich sein.

Jetzt, wo wir die Probleme erkannt haben, wie können wir noch gegensteuern? Oder ist das eventuell schon zu spät, weil uns die Dynamik der Digitalisierung überrollt?

Es gibt keine einfachen Lösungen, sondern es braucht eine Kombination aus kluger Regulierung, Selbstverantwortung der Menschen, technologischer Innovation, Macht der Konsumenten, Bildung und einem am Menschen orientierten Produktdesign. Wir können uns von der Dynamik der Digitalisierung überrollen lassen, oder wir steuern sie. Das liegt in unserer Hand.

Zeigen sich Ihrer Meinung nach schon alle Probleme, die die Digitalisierung mit sich bringt? Was könnte da noch auf uns zukommen?

Wir haben mit Sicherheit noch nicht alle Probleme gesehen. Die Digitalisierung greift tief ein in unser Selbstverständnis als Menschen und unsere Art zu leben und zu arbeiten. Das bringt zahlreiche Konflikte mit sich, die gelöst werden müssen.

In der Hoffnung, dass wir den Digital Fix hinbekommen: Wie sieht dann unsere digitale Zukunft aus?

Die grundlegenden Versprechen der Digitalisierung sind weiterhin intakt: Vieles wird bequemer, lästige Routinetätigkeiten verschwinden, die persönliche Reichweite wächst, der Horizont wird erweitert. Es wird eine digitale Welt nach den GAFAs geben, und sie wird besser sein als heute. Vieles von dem, was wir in diesem Jahr auf der NEXT diskutieren, werden wir kurz danach in einem neuen Buch mit dem Titel „Digital Fix – Fix Digital“ festhalten. Es geht darum, wie wir die digitale Welt von Grund auf erneuern können.

Auf was freuen Sie sich in Zukunft persönlich und auf was könnten Sie in der digitalen Welt gut verzichten?

Ich bin weiter neugierig auf spannende digitale Produkte. In vielen Lebensbereichen erlebe ich heute noch Services, die digital sehr viel besser werden könnten. Auch viele physische Produkte können durch digitale Services dramatisch verbessert werden. Verzichten kann ich auf Produkte, die nur meine Aufmerksamkeit stehlen, um sie meistbietend auf dem Werbemarkt zu versteigern.

Und was ist auf der diesjährigen NEXT neu, auf was können wir uns besonders freuen?

In diesem Jahr freue ich mich besonders auf Holley M. Murchison, die uns als Moderatorin durch die beiden Tage führen wird. Eine spannende Frau und eine digitale Strategin mit viel Energie. Neu sind auch wieder ein paar noch unentdeckte Locations auf dem Kiez von St. Pauli, wo die NEXT jetzt schon zum vierten Mal ein Teil des Reeperbahn Festivals sein wird. Am meisten freue mich aber auf den Austausch mit unseren Rednern und Gästen!

Das Interview führte Falk Hedemann.


Autor:

W&V Redaktion
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