Umfrage :
Mensch oder Maschine: "Ich glaube nicht an Horrorszenarien"

Wie können wir die digitale Zukunft menschlich gestalten? Und was müssen wir dafür tun? Das wollten wir von zahlreichen Digital-Experten wissen - und haben uns in der Branche umgehört. Mit spannenden Erkenntnissen. Lesen Sie Teil Zwei unserer großen Umfrage!

Text: W&V Redaktion

Wolf Ingomar Faecks
Wolf Ingomar Faecks

Wie können wir die digitale Zukunft menschlich gestalten? Und was müssen wir dafür tun? Das wollten wir von zahlreichen Digital-Experten wissen - und haben uns in der Branche umgehört. Mit spannenden Erkenntnissen: Der eine hat keine Angst vor Horrorszenarien, der andere findet, KI ordnet uns neu. Lesen Sie Teil Zwei unserer großen Umfrage! 

Patrick Benner

Patrick Benner

Patrick Benner, CEO und Inhaber der Agentur ARTUS interactive in Frankfurt am Main:

"Aktuell übernimmt künstliche Intelligenz bzw. Narrow AI konkrete Aufgaben, die der Mensch selbst festlegt. Am Beispiel der Drohnentechnologie zeigt Tim O’Reiley unsere Verantwortung: Wir entscheiden, ob wir Drohnen für Angriffskriege nutzen oder humanitär einsetzen, z.B. um Medikamente in entlegene Krisenregionen zu liefern. Solange wir Herr über die Technologie bleiben, können wir mit ihrer Hilfe die dringendsten Probleme unserer Zeit angehen, wie z.B. Klimawandel oder Armut. Gleichzeit müssen wir verhindern, dass Artificial General Intelligence in einigen Jahren, wie von Elon Musk befürchtet, eigenständige Entscheidungen gegen die Menschheit treffen wird."

Wolf Ingomar Faecks

Wolf Ingomar Faecks

Wolf Ingomar Faecks, Senior Vice President und Industry Lead Automotive/Manufacturing/Health EMEA/APAC, Publicis.Sapient:

"Ich glaube nicht an Horrorszenarien, dass Menschen zeitnah komplett durch Maschinen und künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden. Sicher aber ist, dass sich viele Berufsbilder verändern werden: intelligente Augmentation (IA) heißt das Stichwort. Dabei steht IA für die Verknüpfung und Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten durch zusätzliche Skills, die erst durch KI ermöglicht werden – etwa als Arzt bei der Diagnose seltener Krankheiten oder der gezielten Personalisierung von Therapien. Hier muss bereits die Ausbildung ansetzen, etwa mit verkürzten Studienzeiten, die einen klaren Fokus auf den Umgang mit neuen Technologien als selbstverständliche Partner im Arbeitsalltag legen. Fähigkeiten wie das Lösen komplexer Problemstellungen, Kreativität und Empathie differenzieren auch in solch einem Szenario den Menschen sehr deutlich von der Maschine."

Peter Krause

Peter Krause

Peter Krause (Geschäftsführer Triplesense Reply):

"Wenn man anerkennt, was das Smartphone in nur zehn Jahren unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft und unserem eigenen sozialen Verhalten beschert hat, ist es schwer vorstellbar, dass diese Geschwindigkeit nachlässt. Künstliche Intelligenz ist bereits heute im Begriff, das Zusammenspiel von Mensch und Maschine neu zu ordnen. Doch nicht nur die Maschinen lernen, auch wir selbst: Die kritische Auseinandersetzung im ethischen wie politischen Kontext stellt die Weichen, um menschliche Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Von den ganz großen Fragen der Beschaffenheit und Sinnhaftigkeit unserer Arbeit bis hin zur Microinteraction in digitalen Assistenten."

                                                                                                                                                    

Dirk Jehmlich

Dirk Jehmlich

Dirk Jehmlich, geschäftsführender Gesellschafter bei der Strategieagentur diffferent

"Solange die digitale Zukunft von Menschen gestaltet wird, werden wir eine menschliche Zukunft gestalten. Automatisierung dient ja nicht der „Verunmenschlichung“, sondern der Menschlichkeit. Wie sonst soll ein verantwortungsvolles Unternehmen hunderttausende Jobs mit fairen Gehältern sichern, wenn der Markt gesättigt ist? Und befreien uns Maschinen nicht auch von den Dingen, die uns abhalten, Mensch zu sein? Sichere und befriedigende Jobs brauchen Gewinne und die kommen immer seltener aus wachsender Nachfrage oder dem letzten Quäntchen Effizienzsteigerung der Mitarbeiter. Sondern aus dem Einsatz von Maschinen, die zu geringen Kosten einen höheren Outcome liefern. So könnte man sagen, dass Maschinen schon seit Jahren den steigenden Lohnspiegel finanzieren – und damit die Lebensqualität der Menschen erhöhen. Unsere Gesellschaft dabei in Balance zu halten ist nicht leicht. Aber wir schaffen das. Transparenz, Empathie, Verantwortung und Neugier – mehr braucht es nicht."

Frank Rauchfuß

Frank Rauchfuß

Frank Rauchfuß, CEO und Geschäftsführer intelliAd  

"Maschinen - im Falle des digitalen Marketings sind dies Handelsplattformen, Datenanalyseprogramme, Bid Management Tools und Ähnliches - werden immer größere Teile der Abwicklung von Planung, Einkauf und Buchung übernehmen. Standardisierte Tätigkeiten werden automatisiert, so dass wir uns auf wertschöpfende und interessante Aufgaben konzentrieren können, welche Maschinen nicht ohne tiefgreifendes Erfahrungswissen erledigen können. Grundsätzliche Strategien und die Regeln bzw. Algorithmen, nach denen Maschinen tätig sind, werden weiterhin von Marketern bestimmt. Wer hier mitspielen und die digitale Zukunft mit gestalten möchte, muss sich zu allererst intensiv über die Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten der neuen Technologien informieren. Maschinen machen Menschen nicht überflüssig. Doch sie führen zu neuen Formen der Arbeitsteilung und –organisation sowie zu neuen Anforderungen an die Menschen. Es wird die zentrale Herausforderung der nächsten Jahre sein, sich mit diesen neuen Anforderungen auseinanderzusetzen und Arbeitsarrangements aktiv (neu) zu gestalten."

Felix Schirl

Felix Schirl

Felix Schirl, Geschäftsführer trbo

"Der Hype und in gewissem Maße auch die Hysterie um Künstliche Intelligenz nimmt kein Ende. Nachdem Zalando ankündigte, über 200 Stellen im Marketing zu streichen, um sich in Zukunft mit KI um das Marketing zu kümmern, wurden sofort wieder die Unkenrufe um das Ende des Menschen in der digitalen Zukunft laut. Ich sehe die digitale Zukunft aber dennoch menschlich, denn: Eine Maschine oder ein Programm kann immer nur so gut sein, wie die Person, welche es verwaltet und steuert. Wir dürfen einer Maschine – und sei sie noch so gut – nicht blind vertrauen und im Gegenzug unser Hirn ausschalten. Nur indem wir die Kontrolle behalten, können wir für uns – und vor allem für den User – gute Ergebnisse gewährleisten. Dann werden sie auch weiter einer von Menschenhand gesteuerten Maschine vertrauen. Das bedeutet im Endeffekt: wir sind selbst dafür verantwortlich, dass eine Maschine menschlich bleibt – und damit auch die digitale Zukunft."

Den 3. Teil unserer großen Umfrage gibt es ab dem 30.7. in unserem Digital Special "Digital Inspiration".


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W&V Redaktion
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