Plädoyer :
Wie Startups die digitale Zukunft menschlicher machen

KI und Digitalisierung gelten als Treiber einer gefühllosen Roboter-Gesellschaft. Doch es gibt auch eine andere, positive Perspektive. Ein Plädoyer für digitale Technologien von Microsoft-Manager Iskender Dirik.

Text: W&V Leserautor

Iskender Dirik
Iskender Dirik

Als Managing Director von Microsoft ScaleUp Berlin arbeite ich mit vielen innovativen Köpfen zusammen: Tech-Gründer und -Gründerinnen mit einer Idee, die die Welt ein bisschen besser machen soll. Junge und innovative Startups sind die zentralen Treiber dieses Wandels, indem sie disruptive Technologien in intelligente Software verpacken und in Form cleverer Apps letztlich in unseren privaten und beruflichen Alltag bringen. Ihr Ziel ist oft, die digitale Zukunft ein bisschen menschlicher zu gestalten. Nur wie schaffen sie das?

Smarte Lösungen verändern die Berufswelt und sorgen für effizientere Prozesse

In der Arbeitswelt nimmt künstliche Intelligenz uns im ersten Schritt vorrangig monotone, manuelle Aufgaben ab und verschafft uns so Zeit für die „menschlichen“ Tätigkeiten: mit anderen Menschen sprechen, kreativ sein, Ideen entwickeln. Unser Portfolio-Startup SMACC hat eine Technologie auf KI-Basis entwickelt, die lästige Buchhaltungstätigkeiten automatisiert und Finanzabteilungen in kleinen und mittelständischen Unternehmen effizient managet.

Die smarten Lösungen von Startups geben uns im Arbeitsalltag die nötige Zeit, kreative Strategien zu entwickeln, diese kritisch zu hinterfragen oder zu verwerfen. Sie ermöglichen uns auch, uns mehr mit Kollegen und Kunden auszutauschen und Wissen und Fähigkeiten zu teilen. So wie bei Starmind: Die KI-Lösung hilft Mitarbeitern von großen Organisationen, Kollegen zu finden, die Experten für bestimmte Gebiete sind und Know-how haben, das gerade für ein bestimmtes Thema gebraucht wird. In einer modernen Arbeitswelt führen genau solche Tools dazu, dass Teams diverser und Mitarbeiter miteinander vernetzt werden und von vielfältigem Wissen profitieren. Letztlich helfen sie dabei, den Projekterfolg zu steigern.

Technologie verbindet uns – im Privaten wie im Beruflichen

Analog zum Arbeitsalltag geben uns Technologien auch im Privatleben mehr Zeit. Denn wer denkt, dass zeitaufwendige Organisation und Administration nur im beruflichen Kontext eine Rolle spielen, der stelle sich einmal den Tagesablauf einer Familie mit vier Kindern vor. Vier Kinder bedeuten viele unterschiedliche Hobbies, Termine und Zeitpläne. Eltern müssen sich jede Woche oder sogar jeden Tag fragen: Wer bringt welches Kind wann zur Schule, zum Sport, zu Freunden? Wer holt es wann ab? Eine mögliche Antwort der Zukunft: autonome Fahrzeuge. Unser Portfolio-Startup Bestmile hat eine Lösung entwickelt, die Flotten von autonom fahrenden Autos organisiert. Das umfasst sowohl autonome Shuttles und Robotaxis als auch sogenannte „Micro-Transit Services“, die Tür-zu-Tür-Mobilitäts-Dienstleistungen für von Menschen gefahrene Autos ermöglichen. Kinder könnten so in Zukunft autonom und sicher transportiert werden, während die Eltern Zeit für sich, den Partner oder die Zubereitung des gemeinsamen Abendessens haben.

Doch neben dem Alltagsstress umfassen die Veränderungen durch digitale Technologien noch wesentlichere Bereiche: Im Gesundheitssektor können uns zukunftsweisende Technologien maßgeblich helfen, gesünder und länger zu leben. Krankheiten und Ursachen können mit Hilfe von KI früher erkannt und besser behandelt werden. Das Startup Sword Health bringt mithilfe eines Tablets Physiotherapie in jedes Zuhause und macht damit einen Schritt in Richtung guter Gesundheitsversorgung für alle.

Be My Eyes ist eine App, die Blinden hilft zu sehen, indem mehr als 1 Million freiwillige Helfer durch die Handy-Kameras der Blinden sehen und ihnen erklären, was gerade in der Umgebung passiert und zu sehen ist. Selten war offensichtlicher, wie Technologie den Alltag von Menschen erleichtern und bereichern, kurz menschlicher machen kann.

Diese wünschenswerte Zukunft ist zwar von digitalen Technologien geprägt, stellt dabei aber stets den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Schön, dass sie schon zum Greifen nah ist – und weltweit unzählige Innovatoren in kleinen und großen Startups weiter daran arbeiten!

Iskender Dirik ist Managing Director/CEO bei Microsoft ScaleUp in Berlin, dem weltweiten Programm für innovative Tech-Start-ups bei Microsoft.


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W&V Leserautor

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